Es gibt seltsame Traditionen. Über manche denken wir überhaupt nicht nach. Kennen Sie bestimmt, wenn Sie in einem Unternehmen tätig sind: eine Konferenz, ein Workshop, eine Projekt-Präsentation oder ein Arbeitstreffen. Jemand trägt vor. Am Ende klopfen die Anwesenden auf den Tisch.

Anerkennung soll das ausdrücken, vielleicht aufmuntern und so viel heißen wie: „Vielen Dank für Ihre Mühe“ – oder auch „Gut, dass diese Power-Point-Präsentation mit den neuesten Kennzahlen zur Unternehmensentwicklung auf 67 Folien endlich vorbei ist“.

Was aber, wenn sogar das Klopfen für Irritationen sorgt? Ist mir auf einem Workshop in Norwegen passiert. Der Referent, ein sehr netter und sehr kluger Kollege, Geschäftsführer eines norwegischen Medienhauses in der Stadt Bergen, erklärt uns, wie sein Unternehmen erfolgreich arbeitet.

Auf den Tisch klopfen nach dem Vortrag: Deutsche Sitte

Die Zuhörer, alle aus Deutschland, sind begeistert. Sie klopfen laut auf den Tisch. Der norwegische Kollege guckt verwirrt. War er nicht gut? Wir versuchen, es zu erklären: In Deutschland würden wir vor Begeisterung auf den Tisch klopfen, wenn uns etwas gefällt. Na ja.

Die Sitte geht, so hat es der Historiker Friedhelm Golücke vor Jahren Kollegen der Deutschen Welle erläutert, auf das 18. Jahrhundert zurück. Verkürzt erklärt: Damals trugen Studenten Stock und klopften damit auf den Boden, um Erstsemester „auszutrommeln“.

Wenn der Professor langweilig war, soll auch erst geklopft worden sein – später zischten Studierende doofe Dozenten dann lieber aus oder schlugen mit der Faust auf die Tischchen im Hörsaal ihrer Universität.

Früher schrieben die Studenten mit und klopften Beifall

Ganz sicher ist das nicht. Ein anderer Forscher, Notker Hammerstein, hält es für wahrscheinlicher, dass in Deutschland akademisch geklopft werde, weil die Studierenden beim Mitschreiben eben nur eine Hand frei hatten.

Das war in einer Zeit vor Sprach-Memos, digitalen Mitschnitten und Sprache-zu-Text-Sofware und bevor Vorträge allen Teilnehmern digital zur Verfügung gestellt wurden. In Norwegen haben wir am Ende des gemeinsamen Arbeitstags jedenfalls Beifall geklatscht statt zu klopfen. Das kam an.