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| 20:47 Uhr

Mobilitäts-Modellregion Lausitz
Wirtschaft will neue Qualität bei Mobilität in der Lausitz

 Zwischen Cottbus und Lübbenau rollen die RE2-Züge nun wieder. Symbolbild
Zwischen Cottbus und Lübbenau rollen die RE2-Züge nun wieder. Symbolbild FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Vertreter der Verkehrsbranche fordern eine „Mobilitäts-Modellregion Lausitz“, die über eine einheitliche Plattform gesteuert wird. Von Nils Ohl

„Der Strukturwandel ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil eine große Umstellung bevorsteht. Segen, weil die Bundesregierung viel Geld zur Verfügung stellen wird“, erklärt Werner Faber, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) vor den Teilnehmern einer Konferenz zum Wasserstoffantrieb als Zukunftstechnologie für die Lausitz. Damit die Region auf Dauer profitiere, müsse man allerdings nicht nur auf neue Antriebsarten und Technologien der Energiegewinnung setzten, sondern die Struktur der Lausitz insgesamt modernisieren. Ein Schlüssel für den Erfolg sei dabei die Qualität der Mobilität.

Aus dieser Überlegung heraus haben der VDV und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus ein gemeinsames Konzept „Mobilitäts-Modellregion Lausitz“ entwickelt, mit fünf konkreten Punkten. Der erste Punkt ist, dass Cottbus als Herz der Lausitz innerhalb von 60 bis 90 Minuten aus den angrenzenden Metropolregionen erreichbar sein muss. Konkret sollte Berlin von Cottbus in 60 Minuten (aktuell ca. 80) und von Leipzig und Dresden in je 90 Minuten (aktuell ca. 110) erreichbar sein. Damit gewinnt die Lausitz an Attraktivität für auswärtige Unternehmen und Fachkräfte.  Diese Fahrzeiten machen umgekehrt auch das Tagespendeln von der Lausitz in die Metropolregionen möglich und stärken damit den Wohnstandort Lausitz.

Die nächste Forderung ist, dass die internen Verbindungen innerhalb der Lausitz besser werden. Dafür soll ein „Lausitz-Takt“  geschaffen werden, der länderübergreifend organisiert wird.

 Werner Faber, Geschäftsführer vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen.
Werner Faber, Geschäftsführer vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. FOTO: LR / Nils Ohl

Ein weiteres Anliegen ist, dass die Lausitz Experimentierfeld und Anwendungsobjekt für eine Nahmobilität jenseits des motorisierten Individualverkehrs werden soll.

Dafür sollen die bestehenden Nahverkehrsangebote in den Städten ausgebaut und weitgehend dekarbonisiert werden. In den Städten – und noch mehr in den ländlichen Regionen – sollen neue Mobilitätsformen ­großflächig erprobt werden. Vorgesehen ist dabei, dass die Kommunen unterschiedliche Schwerpunkte setzen dürfen. Denn auch innerhalb der Lausitz soll nicht alles nach dem gleichen Muster verlaufen. Damit wird die Lausitz auch interessant für Technologieunternehmen, z.B. IT-Start-ups.

Das vierte Ziel ist, die Lausitz zum ersten Knotenpunkt (Hub) im Güterverkehr nach Osteuropa zu entwickeln. Mehrere bedeutende Standorte des Güterverkehrs finden sich bereits heute in der Region. Dazu gehören auf Brandenburger Seite beispielsweise der BASF-Standort Schwarzheide oder Schwarze Pumpe. Diese Standorte bieten auch einen Direktanschluss an die sogenannte „Seidenstraße“ bis nach Asien.

Die gut ausgebauten Schienennetze der Leag können außerdem Keimzellen für eine logistisch optimal erschlossene Industrielandschaft sein. Gleise und Anlagen wie Stellwerke sind auf dem höchsten Niveau vorhanden. Auch die Fachkräfte im Bereich des Fahrdienstes, der Disposition und der Instandhaltung sind vorhanden. Und die nötigen Flächen können mit geringem Aufwand zur Verfügung gestellt werden.

 Rund 60 Unternehmer aus der Lausitz informierten sich in der IHK Cottbus über Wasserstoff als alternative Antriebsform für den Verkehr.
Rund 60 Unternehmer aus der Lausitz informierten sich in der IHK Cottbus über Wasserstoff als alternative Antriebsform für den Verkehr. FOTO: LR / Nils Ohl

Basis für das alles und die fünfte Forderung, so Jens Krause, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, seien jedoch „beschleunigte Planungsverfahren. Sonst sind all diese Projekte nicht realisierbar.“ Mit den Vorschlägen, sagt Krause, wolle man eine Debatte anstoßen.

Um die Modellregion zu realisieren, denken die Initiatoren an eine Plattform „Mobilitätsregion Lausitz“. Hier könnten die IHK, die Kommunen und Landkreise, ÖPNV-Unternehmen, die der großen ortsansässigen Unternehmen genauso wie Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen für das gemeinsame Ziel zusammengeführt werden.

Die Plattform sollte auch eine eigene Geschäftsstelle erhalten, die mit der Untersetzung der zentralen Elemente in einem definierten zeitlichen Rahmen beauftragt wird. Nicht zuletzt sollte auch eine unmittelbare Berichtspflicht an die beiden Landesregierungen vereinbart werden.