Von Uwe Menschner

Backen steht für Handwerk und Tradition. Der Bäckermeister, bekleidet mit Hemd und Schürze und mit einer hohen weißen Mütze auf dem Kopf, schiebt auf einem flachen, an einem Stiel befestigten Holzbrett die Teiglinge in den Ofen und holt später die knusprigen, duftenden Brote wieder heraus. Dieses Bild hat auch heute noch seine Berechtigung, doch es beschreibt nur einen Teil der Wirklichkeit.

Denn: Wie jede Tätigkeit, so befindet sich auch das Backen in einem stetigen Wandel. Wer würde vermuten, dass das Bäckereigewerbe zu den Vorreitern des „Internet 4.0“ – also des Internets der Dinge – zählt? „Wir haben es schon genutzt, als es diesen Begriff noch gar nicht gab“, sagt Oliver Theiß. Er ist Vertriebsleiter der Debag Deutsche Backofenbau GmbH, die ihren Hauptsitz in Bautzen hat und über eine Niederlassung in Königsbrück verfügt. Die Debag stellt nicht nur Öfen her, sondern liefert auch Software zur Vernetzung und intelligenten Steuerung ihrer Produkte. „Unser Programm FilialNet kann unbegrenzt viele Öfen miteinander verbinden und diese von jedem beliebigen Ort aus steuern. Damit hat der Operator alle Prozesse innerhalb des Filialnetzes im Blick“, erklärt Oliver Theiß.

Die Wurzeln liegen in Bautzen und in München

Wer in einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen bestehen will, muss mit ihr gehen. Und da ist die Nutzung der Möglichkeiten, die das Internet der neuesten Generation bietet, auch für einen Hersteller von Bäckereitechnik wie die Debag ein Muss. Dasselbe gilt aber natürlich auch für die ständige Weiterentwicklung des Kerngeschäftes – der Herstellung von Backöfen. „Die heutige Debag hat zwei Wurzeln – eine in München und eine in Bautzen“, sagt Marketingleiterin Sabine Petermann. Die Bautzener Wurzel besteht in der 1924 gegründeten offenen Handelsgesellschaft „Gustav Schmidt & Söhne“, die als Betrieb mit staatlicher Beteiligung bis 1972 existierte. Nach der Auflösung wurde im gleichen Jahr der VEB Backofenfabrik „Bofaba“ gegründet.

Verfolgt man die Spur der Münchener Wurzel, so führt sie zu einer erstaunlichen Ost-West-Geschichte: Die damals in München ansässige Debag übernahm 1990 den einzigen Backofenhersteller der DDR. In der Folgezeit wurde der Münchener Standort geschlossen und Bautzen zum alleinigen Sitz des Unternehmens. „Nur wenige Beschäftigte aus München nutzten damals die Möglichkeit, nach Bautzen mitzukommen“, erzählt Oliver Theiß und kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen. Weiß er doch genau, dass in diesen Jahren der Weg der Arbeit hinterher zumeist in die andere Richtung führte.

Die ersten Investitionen gingen an Bautzen vorbei

Dessen ungeachtet war der Weg in die Marktwirtschaft steinig. Die Bäckereien im Osten Deutschlands hatten fürs erste genug von Öfen aus Bautzen und bevorzugten andere Hersteller: „Die erste Investitionswelle ging an Bautzen vorbei“, blickt der Vertriebsleiter zurück.

Mit der Jahrtausendwende kommt der Aufschwung. Früher als andere Hersteller erkennt die Debag den Trend zum Schaubacken und entwickelt Ladenbacköfen – Öfen, die im Verkaufsraum aufgestellt werden und in denen die Kunden den Broten beim Bräunen zusehen können. Wenig später wird mit der Rewe-Gruppe auch eine erste Supermarktkette darauf aufmerksam und beginnt, zunächst die Penny-Märkte mit Ladenbacköfen auszustatten. Wenig später zieht Aldi-Süd nach, die Anderen folgen.

Heute zweiter Standort in Königsbrück

Von diesem anhaltenden Trend profitiert die Debag: „In den letzten zehn Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl auf heute etwa 260 verdoppelt“, berichtet Sabine Petermann. Der Umsatz liegt stabil bei über 50 Millionen Euro. Im Jahr 2012 eröffnet die Debag ihren zweiten Standort in Königsbrück, wo mit der Firma ascobloc-Gastro Gerätebau GmbH auch eine von zwei Verbundfirmen ansässig ist. Das Bürogebäude im Bautzener Ortsteil Stiebitz wird vor vier Jahren um eine Etage aufgestockt. Heute befinden sich hier die Verwaltung sowie die Produktion der Ladenbacköfen. In Königsbrück werden die Großbacköfen hergestellt, außerdem ist hier der weltweit auf rund 50 Märkten agierende Service angesiedelt.

Aus Königsbrück kommen auch die Öfen, die von einer bis heute einzigartigen Technologie profitieren, die Alois Paul Linder, der Begründer der Debag in München, 1936 erfand: Das Monsun-Verfahren. „Dank dieser Technologie wird die Wärme ohne Umwege direkt auf das Backgut übertragen. Sehr langsam bewegte heiße Luft, die wie ein Monsunwind ständig ihre Richtung ändert, sorgt für eine gleichmäßige Bräune der Backwaren“, erläutert Vertriebsleiter Oliver Theiß. Als „Werbegesicht“ dafür hat die Debag den aus dem Fernsehen bekannten Brotsommelier Axel Schmitt gewonnen. Die gemeinsame Kampagne startet auf der Messe Sachsenback in Dresden vom 13. bis 15. April. Mittlerweile bietet die Debag diese trotz ihres reifen Alters noch immer innovative Technologie auch für Ladenbacköfen an, die wie ein Tablet über eine Touch-Steuerung verfügen. Der Ladenbackofen „Monsun Mini“ im neuen Design wird ebenfalls auf der Sachsenback vorgestellt. Eine weitere Neuentwicklung stellt der Multifunktionsofen Decon dar, der nicht nur backen, sondern auch dämpfen und garen kann.

Deutschlandweites Engagement und viel Förderung

Zu einem erfolgreichen Unternehmen gehören aber nicht nur Investitionen in die Produktentwicklung, sondern auch in das Personal. So engagiert sich die Debag über das selbstverständliche Maß hinaus für die Nachwuchsförderung im Bäckerhandwerk: Sie stattete die Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Dresden und das Bautzener Berufsschulzentrum für Ernährung und Hauswirtschaft mit moderner Backtechnik aus und veranstaltet dort regelmäßig Seminare. Die Debag ist ebenso offizieller Förderer der bundesweiten Nachwuchskampagne „Back Dir Deine Zukunft“ des Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Denn: Schließlich steht Backen – bei aller Innovation – nach wie vor auch für Handwerk und Tradition.