Knapp zwei Millionen Flaschen WM-Weine sind auf dem Markt - und Göring ist sich sicher: "Das werden in den nächsten Wochen noch mehr." Auch die Winzergenossenschaft Moselland eG in Bernkastel-Kues ist zuversichtlich und hat erst einmal 100 000 Exemplare einer "Fensterbildflasche" mit Rieslingwein im Vertrieb. Bei der gelblich satinierten Flasche schaut man durch ein Fenster auf einen deutschen Nationalspieler, der einen Fallrückzieher macht. Zu der Genossenschaft zählen rund 3250 Winzer aus vier rheinland-pfälzischen Anbaugebieten.

Mit goldenem Pokal-Etikett
Die Fellbacher Weingärtner im baden-württembergischen Fellbach waren unter den ersten, die einen WM-Wein ins Angebot nahmen. Weil das Geschäft gut läuft, haben sie inzwischen vier Flaschen mit einem goldenen Fifa-WM-Pokal-Etikett im Vertrieb: Eine 0,75-Liter-Flasche mit einem Riesling Kabinett und eine mit einem Rotwein Cuvée Trocken. Vor vier Wochen kamen noch zwei 0,25-Liter-Fläschchen mit einem Trollinger und einem Riesling dazu. "Das ist das typische Viertele, das in Württemberg getrunken wird", sagt Vertriebs- und Marketingleiterin Jutta Rechkemmer.
Die ersten 10 000 Flaschen der Genossenschaft, zu der 200 Winzerfamilien gehören, sind schon im Handel, in Hotels und in der Gastronomie. Bei Bedarf werde nachgelegt, kündigt Rechkemmer an. Der Genossenschaft sei von vornherein klar gewesen, einen Wein zur WM aufzulegen: "Schließlich können wir von unseren Weinbergen auf das Stuttgarter Stadion schauen", sagt sie. 10 000 Flaschen haben auch die Winzer der Rheinhessischen Schweiz in Wöllstein auf den Markt gebracht, mit einem kickenden Fußballer in Rot und der Aufschrift: "Fifa WM Deutschland 2006 Faszination Fußball".
Um WM-Weine vertreiben zu können, hat das DWI mit dem Fußball-Weltverband Fifa einen Lizenzvertrag abgeschlossen. Nach diesem wird deutschen Winzern das Exklusivrecht gewährt, den Fußballfans in Europa deutsche Weine mit dem offiziellen Emblem oder einem Bild des Pokals anzubieten. Jeder Winzer, der zum WM-Team dazu gehören will, muss mit dem DWI einen Vertrag abschließen und eine Gebühr für die Nutzung der Logos zahlen. "Für 10 000 Flaschen zahlt ein Weingut 2000 Euro, für 100 000 dann 10 000 Euro", sagt DWI-Sprecher Ernst Büscher.

Große Chance für den Wein
Er ist überzeugt, dass die WM "eine ganz große Chance für das Thema Wein und Tourismus" ist. Um die WM-Stadien gebe es viele Anbaugebiete, in denen Besucher anschließend Urlaub machen würden. "Die nehmen dann Wein als Geschenke mit nach Hause oder werden neue Kunden", sagt Büscher.
Gute Werbung für deutsche Weine sehen die Winzer auch im VIP-Bereich der Stadien: Dort sollen für rund 400 000 zu bewirtende Gäste bei den 64 Spielen etwa 150 000 Flaschen entkorkt werden. Insgesamt drei Millionen Gäste aus dem Ausland werden erwartet.

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Auch der Sportartikel-Konzern Puma will auf der Fußballwelle mitschwimmen und nach den Worten seines Vorstandschefs Jochen Zeitz die selbst gesteckten Ziele deutlich übertreffen. Im laufenden Jahr erwarte Puma insgesamt ein Umsatzplus von 30 Prozent und ein operatives Ergebnis von mindestens 350 Millionen Euro.