Für 2005 rechnet der Verband nur noch mit einem Zuwachs von rund 1700 Megawatt. Die Branchenvertreter wehrten sich erneut gegen Vorwürfe, die hohen Kosten für den Windkraftausbau würden den deutschen Verbrauchern unverhältnismäßige Lasten aufbürden. Dennoch räumte BWE-Präsident Peter Ahmels ein: Obwohl das Volumen der neu installierten Leistung nach dem Rekordjahr 2002 zum zweiten Mal in Folge rückläufig sei, bleibe Deutschland der weltweit stärkste Markt für Windenergie. "Nirgends werden mehr Anlagen aufgestellt." Insgesamt waren in Deutschland Ende vergangenen Jahres 16 543 Anlagen mit gut 16 600 Megawatt Leistung am Netz. Damit basierten knapp sechs Prozent des deutschen Nettostromverbrauchs auf Windenergie.
Allerdings schwankt dieser Anteil regional sehr stark: Während Schleswig-Holstein mit 33,4 Prozent die höchste Quote ausweist, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (29,2 Prozent) und Sachsen-Anhalt (27,4 Prozent), spielt Windenergie etwa in Baden-Württemberg und Bayern mit einem Anteil von jeweils unter 0,4 Prozent fast keine Rolle. Die meisten Anlagen wurden 2004 in Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen installiert. Mit Blick auf eine restriktivere Genehmigungspraxis verlangte Ahmels vom Gesetzgeber klarere Zuständigkeiten und einfachere Verfahren.
Die Umsätze der Windanlagenbauer würden bei rückläufiger Tendenz im Inland und zunehmendem Export mit rund drei Milliarden Euro 2005 stabil bleiben, sagte Norbert Giese vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) voraus. Der Anteil des Auslandsgeschäfts liege bereits bei über 60 Prozent.
Der Ausbau der Windkraft in Deutschland müsse künftig insbesondere durch Meeres-Anlagen vorangetrieben werden, forderte Giese. "Ansonsten verpassen wir den internationalen Anschluss." Bisher stehe im Meer vor den deutschen Küsten noch kein einziger Windpark. Es seien zwar Genehmigungen erteilt, doch hätten die Anlagenbauer noch keinen konkreten Auftrag. Zudem gebe es noch keine Genehmigung für Kabel durch das Wattenmeer, die zum Anschluss an das Stromnetz gebraucht würden.
Als "fahrlässig" kritisierte der BWE Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), wonach die Kosten für die Windenergie-Förderung von heute 1,4 Milliarden Euro bis 2015 auf 5,4 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen würden: Damit würden der Umsatz aus den Einspeisevergütungen und die tatsächlichen Mehrkosten verwechselt. Zudem seien stabile oder sogar sinkende Öl- und Gaspreise unterstellt worden.
Laut BWE werden die Mehrkosten für die Windkraft bis 2015 maximal zwei Milliarden Euro betragen. Die Netzausbaukosten summieren sich einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) zufolge auf insgesamt 1,15 Milliarden Euro bis 2015. Dies bedeute für einen Durchschnittshaushalt etwa einen Euro pro Monat zusätzlich auf der Stromrechnung. Über die Interpretation der dena-Daten wird aber derzeit gestritten. (afp/rb)