ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:58 Uhr

Lausitzer Arbeitsmarkt, Teil II
Wie und wo arbeitet die Lausitz?

Wer sind die größten Arbeitgeber in der Region? Einfach lässt sich das nicht beantworten. Mitarbeiterzahlen sind teilweise nur den Firmen selbst bekannt. Die Aufstellung der beiden Industrie- und Handelskammern Cottbus und Dresden verrät aber zumindest, wer zu den größten Kammerbetrieben gehört. Hinzu kommen öffentliche Einrichtungen wie Verwaltungen.
Wer sind die größten Arbeitgeber in der Region? Einfach lässt sich das nicht beantworten. Mitarbeiterzahlen sind teilweise nur den Firmen selbst bekannt. Die Aufstellung der beiden Industrie- und Handelskammern Cottbus und Dresden verrät aber zumindest, wer zu den größten Kammerbetrieben gehört. Hinzu kommen öffentliche Einrichtungen wie Verwaltungen. FOTO: Katrin Janetzko / LR
Cottbus. Den „wahren Arbeitsmarkt der Lausitz“ hat die RUNDSCHAU Ende November analysiert. Was fehlt in den monatlichen Statistiken? Wir haben es aufgedeckt. Im zweiten Teil unserer Serie geht es um die Arbeitnehmer. Wo sind die Jobs der Gegenwart und Zukunft? Von Bodo Baumert

Wie viele Menschen haben in der Lausitz Arbeit?

Von den rund 600 000 Menschen, die in den Südbrandenburger Landkreisen und in Cottbus wohnen, haben etwa die Hälfte eine Beschäftigung. 292 000 Erwerbstätige waren es laut Mikrozensus 2016. In den Oberlausitzer Landkreisen Bautzen und Görlitz sieht die Situation ähnlich aus. Von den rund 560 000 Menschen in der Region sind etwa 300 000 Nichterwerbs-Personen. Dazu zählen Rentner, Kinder und Familienangehörige, die keine Anstellung suchen.

Wie viele Menschen suchen Arbeit?

Als arbeitsuchend oder „unterbeschäftigt“ führen die Arbeitsagenturen Cottbus und Bautzen für die Lausitz weniger als 60 000 Menschen. Rund 108 000 Menschen leben in Bedarfsgemeinschaften, die auf Hartz IV oder andere Sozialleistungen angewiesen sind.

Wie viele offene Stellen gibt es?

Im Jahresdurchschnitt gibt es bei der Arbeitsagentur Cottbus etwa 5000 zu besetzende sozialversicherungspflichtige Stellen. Im Bezirk Bautzen sind es etwa 3400 Stellenangebote im Monat. Insgesamt akquirierte der Arbeitgeber-Service der Agentur für Bautzen 2017 rund 12 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen. Nicht alle Arbeitgeber melden ihre Stellen allerdings der Agentur, sodass eine Übersicht aller offenen Stellen in der Region schwer möglich ist.

Wer sind die größten Arbeitgeber in der Region?

Lässt man kommunale Träger und Behörden oder Universitäten beiseite, dann ist die Lausitz nach wie vor durch den Bergbau geprägt. Aber auch Krankenhäuser zählen zu den großen Arbeitgebern der Region. Eine Übersicht der Industrie- und Handelskammern zeigt die größten dort geführten Firmen der Region (siehe Karte).

Wie ist die Lage im Handwerk?

Im Bereich der Handwerkskammer Cottbus sind rund 45 000 Frauen und Männer beschäftigt. Sie arbeiten in 9800 Unternehmen, wie die HWK informiert. Den Spitzenplatz hat das Kfz-Gewerbe mit 776 Betrieben, gefolgt von Elektrounternehmen (706) und Fliesen,- Platten- und Mosaiklegern (642).

Wo gibt es die meisten Festangestellten?

Ein Viertel der Beschäftigten in der Lausitz ist lediglich in Teilzeit angestellt. Teils ist das selbst gewählt, teils dem Arbeitsangebot geschuldet. Den höchsten Anteil von Teilzeitbeschäftigten gibt es in Cottbus mit 28 Prozent. Die geringste Quote hat Dahme-Spreewald (20 Prozent). Die Zahlen beziehen sich auf den Mikrozensus 2016, die jüngste Datenerhebung zu diesem Thema.

Wie viel verdienen die Menschen in der Lausitz mit ihrer Arbeit?

Das Bruttomonatsgehalt lag 2016 laut Arbeitsagentur in Deutschland bei etwa 3100 Euro. In der Lausitz wird im Schnitt deutlich weniger verdient. 2600 Euro waren es demnach in Cottbus, knapp über 2100 Euro in Spree-Neiße, Bautzen und Görlitz. Betrachtet man das monatliche Netto-Einkommen, das nach Abzug von Steuern und Abgaben übrig bleibt, so müssen alleine in Südbrandenburg 137 000 Menschen mit weniger als 900 Euro im Monat auskommen. 207 000 kommen laut Mikrozensus für 2016 auf 1000 bis 1500 Euro netto im Monat, 155 000 Menschen in Südbrandenburg haben ein noch höheres Netto-Einkommen.

Wie sicher sind hier die Jobs?

Dass sicher geglaubte Stellen schnell zum Gegenteil werden können, erleben derzeit die Beschäftigten von Siemens und Bombardier in Görlitz. Ab 2022 beziehungsweise 2019 drohen hier Werkschließungen. Auch die Mitarbeiter der Leag und anderer am Tagebau hängender Betriebe in der Region sind den bangen Blick auf politische Entscheidungen in Berlin gewohnt. Unsicherheit gibt es aber vor allem für die Beschäftigten, die lediglich über einen befristeten Arbeitsvertrag verfügen. 2016 waren das alleine in den Kreisen LDS, SPN, OSL und EEK sowie in Cottbus über 30 000 Menschen.

Wo entstehen neue Jobs?

Hoffnungen auf zukunftsfähige Jobs sind in den vergangenen Tagen ins Hintertreffen geraten. In Rothenburg an der Neiße wollte ein chinesischer Autobauer 1000 Stellen schaffen. Der dafür geplante Flächenkauf ist erst einmal geplatzt. In Leppersdorf (Kreis Bautzen) will Müllermilch ein neues Werk bauen. Auch dort war von bis zu 1000 Jobs die Rede. Dafür sollten Werke im Westen dichtgemacht werden. Der eigentlich schon verkündete Beschluss wird jetzt offenbar intern wieder diskutiert, berichten lokale Medien. Fest steht, dass Daimler am Standort Kamenz 350 neue Stellen schaffen will. „Ich gehe davon aus, dass der Arbeitsmarkt im Jahr 2018 robust bleiben und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region weiter ansteigen wird“, sagt Thomas Berndt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen.

In welchen Branchen gibt es die meisten Arbeitslosen?

Bei der Arbeitsagentur führt derzeit der weite Bereich „Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit“. Ein Fünftel aller Arbeitslosen im Bestand der Agentur kommen daher. Es folgen „Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung“ sowie kaufmännische Berufe. Im Arbeitsbezirk Bautzen sieht es ähnlich aus. Allerdings ist hier auch der Bereich „Bau“ stark vertreten. Die meisten Arbeitslosen pro Stelle gibt es für den Bereich Cottbus in der Branche Land-,­ Forst-, Tierwirtschaft und Gartenbau. 27 kommen hier auf eine Stelle. Ganz anders sieht es in den Naturwissenschaften, Geografie, Informatik oder Geisteswissenschaften, Kultur, Gestaltung aus. Hier kommen statistisch 1,2 Arbeitslose auf eine gemeldete Stelle, allerdings gibt es auch nur wenige Stellen.

Welche Branchen suchen händeringend nach Arbeitskräften?

Die meisten gemeldeten Stellen gab es Ende 2017 bei der Arbeitsagentur in Cottbus im Bereich „Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung“. Es folgen „Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit“ sowie das Gesundheitswesen.

Bodo Baumert