| 02:39 Uhr

Wie Sparer doch zu Renditen kommen

Hatten viele Tipps parat: Kerstin Rehbein ( l.), Maik Wolf und Denise Scharmacher (r.) vom Bundesverband deutscher Banken.
Hatten viele Tipps parat: Kerstin Rehbein ( l.), Maik Wolf und Denise Scharmacher (r.) vom Bundesverband deutscher Banken. FOTO: Angelika Brinkop
Cottbus. In Zeiten von Null-Zinsen ist der Vermögensaufbau enorm schwierig. Anlageprofis geben Tipps zu Alternativen und raten zu Vorsicht.

Wie lege ich mein Geld richtig an in Zeiten der Nullzinspolitik? Vielleicht Fonds, Aktien oder Gold? Fragen rund um die Geldanlage beantworteten unsere Experten vom Bundesverband deutscher Banken am Telefon und per Chat. Hier ein Auszug aus dem Telefonforum zum Nachlesen:

Meine Bank hat mir drei verschiedene Fonds empfohlen. Nun bin ich nicht sicher, ob diese Anlagen die richtigen für mich sind, wenn ich kein größeres Risiko eingehen will. Was raten Sie mir?
Sprechen Sie noch einmal mit Ihrem Berater, nachdem Sie sich über Ihre eigenen Anlageziele und Ihre persönliche Risikoeinstellung klar geworden sind. In der Regel ist eine breite Anlagestreuung sinnvoll, das heißt eine Streuung über verschiedene Anlageformen und Laufzeiten. Das geht auch über verschiedene Fonds. Neben der Fondsanlage sollten Sie aber auch einen Teil Liquidität für plötzliche Ausgaben und finanzielle Notfälle vorhalten.

Wie kann ich meine Ersparnisse vor Inflation schützen, wenn es doch fast keinen Zins mehr gibt?
Um eine Rendite zu erzielen, die über der Inflationsrate von aktuell etwa zwei Prozent liegt, müssen Sie eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Mit Sparbuch oder Bundesanleihen ist das derzeit nicht zu schaffen, da deren Verzinsung zwischen null und einem Prozent liegt. Legen Sie einen Teil in Substanzwerte wie Aktien und Immobilien an. Das geht auch über Aktienfonds und offene Immobilienfonds oder Mischfonds. Damit bestehen gute Chancen auf eine Rendite, mit der Sie die Inflation auf Dauer schlagen können. Die Kehrseite: Sie müssen Wertschwankungen aushalten können, die bei offenen Immobilienfonds eher niedrig, bei Aktienfonds hoch sein können.

Wie hoch ist die Rendite von Aktienfonds? Und lohnt es sich jetzt noch in Aktien einzusteigen, nachdem die Aktienkurse so gestiegen sind?
Langfristig boten Aktienfonds bisher etwa vier bis acht Prozent Rendite im Schnitt jährlich. Dabei kann es aber kurzfristig zu starken Kursschwankungen kommen, so dass Aktienanlagen immer langfristig ausgerichtet sein sollten. Anleger sollten für Aktien einen Anlagehorizont von wenigstens zehn Jahren haben, dann spielen kurzfristige Schwankungen keine so große Rolle mehr. Wer jetzt in Aktien einsteigen will, sollte zunächst nur einen Teil investieren und Rückschläge an den Börsen für weitere Käufe nutzen.

Ich möchte regelmäßige Ausschüttungen haben und bin auch bereit, gewisse Wertschwankungen bei der Geldanlage hinzunehmen. Was halten Sie von Dividendenfonds?
Dividendenfonds bieten aktuell etwa drei Prozent an jährlicher Ausschüttung. Das ist mit verzinsten Anlagen derzeit nicht zu machen. Da diese Fonds in substanzstarke Aktien investieren, besteht zudem langfristig die Chance von Kurssteigerungen.

Wie sieht es mit den Kosten bei Fonds aus?

Neben dem einmaligen Ausgabeaufschlag beim Kauf von Fondsanteilen fallen Verwaltungsgebühren an, die je nach Fonds unterschiedlich hoch sind. Fragen Sie vor einem Kauf nach den Kosten. Investmentfonds müssen alle anfallenden Kosten offen ausweisen, das heißt die Kosten sind für den Anleger transparent.

Ich möchte Fonds im Wert von rund 3000 Euro verkaufen. Fällt Abgeltungsteuer für den gesamten Betrag an?
Nein, nur der Veräußerungsgewinn unterliegt der Abgeltungsteuer. Haben Sie die Fonds zum Beispiel 2010 für 2000 Euro erworben und erzielen jetzt dafür 3000 Euro, dann wären 1000 Euro grundsätzlich abgeltungsteuerpflichtig - sofern Sie den Sparerpauschbetrag von 801 Euro ausgeschöpft haben.

Wie viel Zinsen und Dividenden im Jahr sind steuerfrei?
Pro Person können Zinsen und andere steuerpflichtige Kapitalerträge wie Kursgewinne bis zu 801 Euro im Jahr steuerfrei eingenommen werden. Wer aufgrund seines geringen Einkommens nicht einkommensteuerpflichtig ist, kann weitere Kapitalerträge steuerfrei erhalten durch Beantragung einer Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung).

Stimmt es, dass Kursgewinne aus Fonds und Aktien, die vor 2009 erworben wurden, bei einem Verkauf steuerfrei sind?
Ja, für Privatanleger sind Veräußerungsgewinne aus diesen sogenannten Altbeständen steuerfrei.

Wie sehen Sie die weiteren Aussichten für den Deutschen Aktienindex, nachdem dieser zuletzt mehrfach neue Rekorde erreicht hat?
Derzeit werden die Börsen stark von politischen Ereignissen wie den Wahlen in verschiedenen Ländern geprägt, unterstützt von der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank. Der Dax dürfte weiterhin von den guten Rahmendaten in Deutschland und dem guten Wirtschaftswachstum profitieren, so dass wir mittel- bis langfristig die Perspektiven positiv einschätzen. Nach mehreren Jahren kräftigen Kursanstiegs müssen Anleger aber auch immer mit Rückschlägen rechnen.

Wir haben einige dividendenstarke Aktien aus dem Dax, mit deren Entwicklung wir in den vergangenen Jahren sehr zufrieden waren. Sollen wir die Aktien weiter behalten oder nach dem Rekordhoch an den Börsen verkaufen?
Überlegen Sie: Was wäre die Alternative für Ihr Geld? Natürlich kann es nicht schaden, hin und wieder Gewinne mitzunehmen. Aber wohin dann mit dem Geld? Wenn Sie weiterhin Jahr für Jahr attraktive Dividenden ausgezahlt bekommen möchten - nach dem Motto "Dividenden sind die neuen Zinsen" - dann sollten Sie sich von Aktienanlagen nicht völlig verabschieden. Allerdings: Auch wir können die künftige Kursentwicklung von Aktien nicht vorhersehen.

Wie oft werden bei Aktien Dividenden an den Anleger ausgezahlt?
In Deutschland ist es üblich, dass einmal im Jahr eine Dividende ausgezahlt wird - nach der Hauptversammlung der Aktionäre, in der über die Dividende bestimmt wurde. In anderen Ländern herrschen teilweise andere Sitten. In den USA zum Beispiel wird oft viermal im Jahr, jedes Quartal einmal, Dividende gezahlt.

Ich möchte 150 000 Euro langfristig anlegen und mich nicht immer wieder um auslaufende und neu anzulegende Wertpapiere kümmern müssen. Was soll ich tun?
Vereinbaren Sie einen Gesprächstermin mit Ihrem Berater. Fast jede Bank bietet eine passende Vermögensverwaltung oder professionell gemanagte Musterdepots an, die auf die Ziele und das Risikoprofil des Anlegers zugeschnitten werden können.

Ich habe Investmentfonds vor dem 1. Januar 2009 gekauft. Diese kann ich ja bisher abgeltungsteuerfrei verkaufen. Nun habe ich gehört, dass dieses Steuerprivileg ab 2018 fallen soll?
Die bis Ende 2017 bei ihren Fonds anfallenden Kursgewinne werden Ihnen steuerfrei zugerechnet. Erst die nach dem Jahresende 2017 entstehenden Kursgewinne fallen unter die Abgeltungsteuer - allerdings erst, wenn diese einen Freibetrag von 100 000 Euro pro Person überschreiten.

Ich spare monatlich 50 Euro auf meinem Sparbuch, doch das bringt nichts mehr an Zinsen. Wie würden Sie regelmäßig sparen?
Für einen langfristigen Vermögensaufbau ist ein Fondssparplan eine gute Alternative. Die besten Renditechancen bestehen dabei mit Aktienfonds oder auch Mischfonds. Vorteilhaft ist dabei der sogenannte Cost-Average-Effekt: Sie kaufen zu unterschiedlichen Kursen - bei hohen Kursen weniger, bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile - und erzielen damit einen günstigen Mittelkurs. Ihr Geld bleibt jederzeit verfügbar.

Wir haben Rentenfonds. Sind die noch gut? Können wir die bis zu unserer Rente halten?
Rentenfonds haben mit der gesetzlichen Rente nichts zu tun. Rentenfonds legen das Geld in Anleihen an, die früher oft auch als "Renten" bezeichnet wurden - daher die Bezeichnung. Grundsätzlich sollten Sie sich die Rentenfonds einmal mit Ihrem Berater gemeinsam ansehen und prüfen, was bei steigenden Zinsen passieren würde. Denn Rentenfonds haben in der Vergangenheit von fallenden Zinsen profitiert, da diese Entwicklung mit Kurssteigerungen bei Anleihen verbunden war. Kommt es zur Zinswende und steigen die Zinsen, dann führt das zu Kursverlusten bei Anleihen, die vor allem bei langen Laufzeiten erheblich sein können.

Was ist derzeit mit Gold?
Als "Krisenwährung" ist Gold nach wie vor gefragt und aktuell. Als Anlage müssen Sie bedenken, dass Gold keine Zinsen bringt und im Grunde eine Spekulation auf einen steigenden Goldpreis ist. Wenn Sie Gold in Form von Barren und Münzen kaufen, denken Sie an unterschiedliche Stückelungen und an eine sichere Verwahrung.

Ich habe nur Rentenfonds, doch es kommt nichts dabei rum. Was soll ich tun?
In der Regel ist es besser, die Ersparnisse breit zu streuen und nicht einseitig anzulegen. Überlegen Sie daher, einen Teil offene Immobilienfonds und Aktien beizumischen, um so die Renditechancen zu verbessern. Besprechen Sie das mit Ihrem Berater. Die Anlagenmischung sollte sich nach Ihrer Risikomentalität richten.