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Energiewirtschaft
Wie Lausitzer Kraftwerke bei der Energiewende helfen können

Blick auf das Boxberger Kraftwerk.
Blick auf das Boxberger Kraftwerk. FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Cottbus. BTU-Wissenschaftler plädiert für die Nutzung vorhandener Ressourcen, statt in den Neubau von Gaskraftwerken zu investieren. Von Jan Selmons

Professor Hans Joachim Krautz vom Lehrstuhl Kraftwerkstechnik an der BTU Cottbus-Senftenberg warnt vor einer Abschaltung der Lausitzer Braunkohlekraftwerke Jänschwalde oder Boxberg.“Die dort betriebenen 500-Megawatt-Blöcke sind höchst flexibel und im Rahmen ihrer flexibler Betriebsweise auch sehr effizient“, sagt der rennomierte Forscher in Sachen Kraftwerkstechnik.Mehr noch: Aus seiner Sicht bieten die Lausitzer Kraftwerke das Potenzial die für Deutschland wichtige Energiewende zu schaffen.Sein Konzept:Flexibilisierung der Leistung der Blöcke.So könne der Umstieg zu regenerativen Energien mit der Lausitzer Kohle-Infrastruktur sinnvoll flankiert werden, so Krautz.Denn nicht immer scheint die Sonne oder weht der Wind.Zwar sei perspektivisch die Energiespeichrung der Schlüssel,wie der Professor betont.Doch bis hier eine sichere Lösung gefunden ist, können flexible Kohlekraftwerke für eine kostengünstige Energieversorgung herhalten.Der Trick:Die Kraftwerksblöcke könnten mit bis zu 110 Prozent über der Auslegungsleistung und bis zu 25 Prozent unter Auslegungsleistung gefahren werden. Das ist ein Ergebnis der Untersuchungen des Lehrstuhls von Prof. Krautz. Möglich sei das mit Hilfe von überschaubaren Kosten für moderne Mess- und Verfahrenstechnik. Er vergleicht die neuenAnforderungen für das Kraftwerk, um sie für Laien plausibel zu machen mit einem Familienauto,das nun auch an Autorennen teilnehmen soll. „Das bedeutet natürlich mehr Verschleiß und höhere Materialanforderungen“, sagt der Professor. Doch selbst mit den Versicherungsunternehmen sei man im Gespräch,was einen soliden Betrieb der Kraftwerksblöcke in diesen Grenzbereichen angeht. Passieren dürfe natürlich nichts, so der Forscher, der eine Lanze für die Braunkohle und damit für die Lausitzer Wirtschaft bricht.Für ihn stelle sich die Frage,was sinnvoller wäre für die Energiewende:Neue Gaskraftwerke in Bayern oder eine Ausnutzung der bestehenden Technik und des KnowHows in der Lausitz.Krautz merkt an:“Auch in neue Gaskraftwerke müsste viel Geld investiert werden. Dabei sei nicht klar,wie sich die Preise des Brennstoffes künftig entwickelten.Zudem bleibe man in diesem Fall künftig abhängig vom Ausland und den dortigen politischen Entwicklungen.Mit der einheimischen Braunkohle habe man einen Schlüssel in der Handfür die Energiewende,findet Krautz,der sich  von einer möglichen neuen Bundesregierung eine klare Aussage zur Braunkohle wünscht.Aus seiner Sicht sollte sie positiv für die Lausitzer Kohle ausfallen.Denn neben dem Gas stünde für die Zeit der Energiewendezu den Regenerativen nur noch die Atomenergie zur Verfügung.“Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Deutschland die Atomenergie noch einmal aktuell wird“,so der Professor.Umso mehr wünscht er sich,dass im politischen Berlin die Stimme der Lausitz deutlicher gehört wird. „Eine neue Regierung braucht da die richtige fachliche Beratung“,findet der Professor,der zumindest im  Bereich der Forschung ideologische Grabenkämpfe in Sachen Energiewirtschaft überwunden sieht:“Auch ich stehe mit beiden Beinen im Gebiet der traditionellen und neuen Energien“,so Krautz.Dieses Miteinander wünscht sich der Professor auch in der Politik und merkt an:“Die Welt schaut auf Deutschland,wie hier die Energiewende gelingt.Wir können mit unserem Wissen Vorreiter sein.“