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| 02:44 Uhr

Wie die Dispozinsen sinken sollen

Das Konto zu überziehen, kann teuer werden. Viele Verbraucher tappen in die Dispo-Falle. Die Politik will Banken in die Pflicht nehmen. Die RUNDSCHAU erklärt, wie. dpa/sm

Commerzbank-Chef Bles sing hat sich für eine Dispo-Nutzungsbremse ausgesprochen. Einige Banken schaffen den teuren Überziehungszins ab. Was plant die Politik?
Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, Institute zu verpflichten, Kunden mit einem überzogenen Konto zu warnen. Bei längerer Inanspruchnahme des Dispokredites sollen die Berater günstigere Alternativen anbieten.

Was sagen die Banken?
Die Deutsche Kreditwirtschaft ist gesprächsbereit. Die Umsetzung eines Warnhinweises müsse aber für alle Anbieter praktikabel und technisch realisierbar sein. Bereits heute schon würden die Berater in Banken und Sparkassen Kunden ansprechen, wenn sie auffällig lange ihren Dispo in Anspruch nähmen. Zudem gibt es beispielsweise bei Sparkassen den "Kontowecker". Der Kunde kann sich ähnlich wie bei der Targobank per Mail oder SMS über den Stand seines Kontos oder den Dispo informieren lassen. Ob dafür Gebühren fällig werden, entscheiden die Institute.

Wie viel müssen Verbraucher für die Kontoüberziehung bezahlen?
Derzeit verlangen die Kreditinstitute in Deutschland nach Angaben der FMH Finanzberatung im Schnitt 10,17 Prozent für Dispokredite und 13,97 Prozent für die darüber hinaus gehende geduldete Kontoüberziehung ("Überziehungszins"). Allerdings können Verbraucher die extrem hohen Sätze umgehen, denn es gibt erhebliche Unterschiede zwischen den Instituten: Die Spannbreite der Dispozinsen etwa reicht von fünf bis 13,74 Prozent, erklärt FMH-Expertin Sigrid Herbst.

Die Leitzinsen sind auf Rekordtief. Sind auch Dispozinsen gesunken?
Ja. Laut FMH kosteten Dispokredite vor zwei Jahren im Schnitt noch 11,12 Prozent, der Überziehungszins lag bei 15,57 Prozent. Zum Vergleich: Der Leitzins, zu dem sich Banken bei der Europä ischen Zentralbank Geld leihen können, rangiert heute bei 0,25 Prozent. Vor zwei Jahren mussten die Institute noch viermal soviel zahlen.

Warum sind Dispokredite trotzdem vergleichsweise teuer?
Die Kreditinstitute argumentieren mit den Kosten und den höheren Risiken. Nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) ist das Ausfallrisiko von Dispokrediten allerdings deutlich geringer als bei billigeren Konsumentenkrediten. Bei Dispokrediten liege das Risiko bei 0,3 Prozent, bei Verbraucherkrediten bei 2,5 Prozent.

Wie viele Menschen sind überhaupt im Minus?
Nach einer Umfrage des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatten 2012 16,5 Prozent aller Kunden von Geldhäusern in Deutschland einen Dispo- oder Überziehungskredit in Anspruch genommen. Im Schnitt waren sie mit 4383 Euro im Minus. Insgesamt haben Privatpersonen laut Bundesbank ihre Konten um 11,86 Milliarden Euro überzogen. Was sagen Verbraucherschützer?
Ein Verzicht auf den Überziehungszins ist aus Sicht des vzbv richtig. Grundsätzlich sollte der Disporahmen zu den finanziellen Verhältnissen des Verbrauchers passen.