Dahinter steckt knallharter Wettbewerb: Mit neuen Triebwerken und effizienter Aerodynamik lassen sich Techniker und Kaufleute bei den Fluggesellschaften überzeugen. Der Kunde schaut neben Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit aber vor allem auch aufs Interieur. Auf Fachmessen wie der heute zu Ende gehenden dreitägigen "Aircraft Interiors" in Hamburg stellen Spezialfirmen Systeme und Konzepte dafür vor.
Das reicht vom schwer entflammbaren Teppich in allen Farben und Designs über Sessel mit diversen Schwenkmöglichkeiten bis zur Unterhaltungselektronik, die Vergleiche mit aufwändigen Heimkinos nicht scheuen muss. Zusätzlich zur Präsentation von Sesseln, Stoffen und Geräten geben Flugzeughersteller und Ausrüster auf der Messe einen Ausblick, was Reisende in den kommenden Jahren an Bord erwartet.
"Die Architektur in der neuen 787 wird sich von allen bisherigen Flugzeugen unterscheiden", erzählt Boeing-Kabinenspezialist Ken Price. Der Boeing-Konzern zeigt in Hamburg, wie er sich die Kabine der Zukunft für Langstreckenflüge vorstellt. Sitzanordnung und damit verbundene Faktoren wie Bein- oder Schulterfreiheit bleiben zwar weiterhin dem Komfortverständnis der Airline überlassen. "Wir senken aber zum Beispiel den Kabinendruck während des Fluges auf die Höhe von rund 2000 Metern ab", sagt Price. Bisher sind 2600 Meter Höhe Standard bei Großraumflugzeugen - auf langen Flügen führt das bei manchen Reisenden zu Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.
Außerdem bekommen die Kabinenfenster bei der neuen Boeing eine elektronische Sonnenbrille verpasst: An die Stelle von wartungsintensiven Plastikblenden treten Spezialschichten im Fenster. Diese lassen sich elektrisch dimmen. "Einerseits kann der Reisende am Fenster die Helligkeit einstellen, andererseits können aber auch die Flugbegleiter zentral zwischen Tag und Nacht umschalten", sagt Price.
Airbus führt auf der Messe vor, wie sich der Eingang künftiger Verkehrsflugzeuge wandeln könnte: Derzeit steigen Reisende meistens in der Küche ein - das soll sich ändern. Im neuen Airbus A350, so stellt es sich der Hersteller vor, ähnelt der Türbereich einer eleganten Halle. Diese lässt sich während des Fluges als Bar und Büro nutzen. "Wir bringen A380-Komfort in den A350", verspricht Airbus-Experte Fuchs.
Bei ihren Zukunftsplänen legen die Airbus-Ingenieure besonderes Augenmerk auf die Lichtstimmung im Flugzeug. Momentan lässt sich die Helligkeit nur in groben Stufen regulieren. Das erlebt jeder Fernreisende, wenn die Besatzung bei einem Langstreckenflug morgens unsanft die grelle Neonbeleuchtung einschaltet. "Wir nehmen die Kabinendecke als Projektionsfläche und passen die Lichtstimmung langsam der Zeitverschiebung an", verspricht Fuchs.
Bis die Passagiere von den neuen Systemen profitieren, vergehen aber noch einige Jahre: Die Boeing 787 soll 2008 bei den ersten Fluggesellschaften in den Liniendienst gehen, der neue Airbus A350 voraussichtlich erst im Jahr 2010.