Für den Ökonomen Prof. Michael Hüther ist die Konzentration auf prosperierende Zentren ein Irrweg. Für die Angleichung von Wirtschaftskraft und Lebensverhältnissen in Deutschland hält der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) massive Investitionen in ländliche Regionen für unverzichtbar. Dies betreffe die Verkehrsinfrastruktur ebenso wie die Forschung oder die digitalen Netze. „5G auf Berlin, Leipzig, Dresden oder Rostock beschränken und der Rest muss sehen wo er bleibt. Das wird nicht funktionieren.

Schnelles Internet ist lebenswichtig

Wir brauchen schnelles Internet flächendeckend, ohne Ausnahme“, betonte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts in Köln. Dies werde nicht nur von der Bevölkerung erwartet und von der Wirtschaft verlangt. Es sei auch für eine effizientere Verwaltung und die künftige medizinische Versorgung unverzichtbar.

Hüther trat damit auch den Thesen von Reint Gropp entgegen. Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte die Politik jüngst aufgefordert, insbesondere in Ostdeutschland Mittel und Infrastrukturinvestitionen auf die Großstädte und auf die Anbindung des Umlands an urbane Zentren zu konzentrieren.

Was jungen Menschen wichtig ist

„Das ist ökonomisch, gesellschaftlich und politisch nicht rational. Denn es legt nahe, dass es festgelegte Verlustregionen gäbe. Dabei verzeichnen wir nach vielen Jahren der Abwanderung inzwischen wieder eine Rückkehrbewegung in die neuen Länder“, sagte Hüther. Dabei zeige sich, dass die zum Teil noch bestehenden Lohnunterschiede kein Hinderungsgrund seien. „Jungen Leuten ist heute oft wichtiger, dass sie Familie und Beruf gut verbinden können und in einer lebenswerten, bezahlbaren Umgebung leben“, erklärte Hüther.

Der Ausschluss ganzer Regionen ist ein Irrweg

Der Ausschluss ganzer Regionen von Infrastrukturinvestitionen sei ein Irrweg. Wenn man dem folgen würde, hätte man beispielsweise ganz Mecklenburg-Vorpommern schon komplett abschließen müssen, sagte Hüther.

Der Ökonom riet aber auch zu Geduld: „Strukturwandel - ob in Ost oder in West - geht nicht von heute auf morgen.“

Cottus/Görlitz