Es sind vor allem maßgeschneiderte Konstruktionen wie Arbeitsbühnen, Träger und Stützen für Hallenkrane, die süddeutsche Autokonzerne in Schlieben bestellen. Die ständige Modifizierung vorhandener Modelle und die Einführung neuer, Veränderungen an Fahrwerk, Motor, Karosserie und etlichen Baugruppen - die Autobauer sind immer in Bewegung und müssen daher häufig ihre Fertigungstechnologien anpassen. Das bringt auch Arbeit für all jene, die dabei mithelfen können, darunter die Firma Vietzke mit ihren 47 Beschäftigten aus dem Elbe-Elster-Kreis.

Ein großer Kunde ist auch das Wacker-Chemiewerk in Burghausen. Die deutsche Kleinstadt an der österreichischen Grenze nahe Salzburg ist in Brandenburg wahrscheinlich am ehesten noch Fußballfans bekannt, hat doch Wacker Burghausen mal recht erfolgreich in der 2. Bundesliga gespielt. Doch es gibt auch wirtschaftliche Bande nach Schlieben. Der hiesige Stahlbauer stellt für das Chemiewerk Bühnenkonstruktionen bereit. Das ist sogar eine Serienproduktion, also etwas, wovon viele Stahlbauer träumen. Von denen gibt es in Deutschland einige Hundert.

Auf die Frage, wie es den Schliebenern bei dieser Konkurrenz gelingen konnte, an Aufträge von süddeutschen Großunternehmen heranzukommen, sagt Erwin Vietzke: "Wir sind durch Baustellen bekannt geworden. Wer gut ist, wird rumgereicht." Es gebe für Kunden nichts Wichtigeres als Qualitätsarbeit und Termintreue. In der Firma Perr aus Dietfurth bei Ingolstadt habe das Unternehmen zudem einen guten Kooperationspartner gefunden. Vor allem beim Korrosionsschutz könne manch ein Konkurrent die Ansprüche der Auftraggeber nicht erfüllen.

Ein Großkunde des Schliebener Metallunternehmens ist auch der Heilbronner Kranbauer Wolffkran, der erst im Juli in Luckau-Alteno (Dahme-Spreewald) einen Werkneubau eröffnete. Bei Wolffkran ist die Auftragslage so gut, dass die Kapazitäten selbst mit dem neuen Betrieb, der mehr als 150 Menschen beschäftigt, nicht ausreichen. Vietzke Metallprodukte ist daher fest eingebunden in die Serienproduktion, liefert 13 Meter lange Turmelemente sowie Gegenausleger an Wolffkran. Letztere halten als Gegengewicht den eigentlichen Kranausleger, mit dem die Güter bewegt werden, in der Waage.

Serie 40 Prozent vom UmsatzDie beiden Serienfertigungen für Wolffkran und Wacker Chemie machen beim Stahlbauer 40 Prozent des Umsatzes aus. Der lag 2007 bei sechs Millionen Euro. Erwin Vietzke nennt diese Zahl ungern. Nicht, weil sie geheim sei, sondern weil noch immer viele Leute den Umsatz mit dem Gewinn verwechseln würden. Dabei mache bei einem Stahlbauer der Gewinn nur einen Bruchteil vom Umsatz aus. Da müssten Löhne und Gehälter gezahlt, Steuern und Sozialabgaben abgeführt, Kredite bedient, Rechnungen für Strom, Wasser und Kommunikation beglichen sowie Gebäudefixkosten abgezogen werden. Vor allem aber fielen die Materialkosten immer stärker ins Gewicht. Sie allein verursachten seit Jahren beträchtliche Umsatzsteigerungen. Allein 2008 seien die Stahlpreise um ein Drittel gestiegen, sagt Vietzke. Das verteuere die Produktion und erhöhe den Umsatz, ohne dass Betriebe etwas davon haben.

Fusion von Vater und SohnIm Gegenteil: Es wird mehr Kapital zur Vorfinanzierung von Stahlkonstruktionen benötigt. Denn der Kunde zahlt erst bei Lieferung. Bankkredite sind oft unvermeidlich. Aber das ist übliches Geschäft. Und der Schliebener Stahlbauer ist mittlerweile nicht nur stabil, sondern eine Nummer größer. Denn Anfang 2008 hat es etwas gegeben, was sich als Fusion von Vater und Sohn bezeichnen lie- ße. Senior Erwin (59) und Junior Thomas (33) haben ihre Unternehmen Vietzke Stahlbau GmbH (Vater) und Vietzke Metallprodukte GmbH & Co. KG verschmolzen und damit auch eine spätere Nachfolgeregelung juristisch wasserfest gestaltet.

Die gemeinsame Firma macht nicht nur Serienfertigungen für Wolffkran und Wacker sowie Sonderkonstruktionen für die Autoindustrie und andere Kunden, sie baut als Hauptauftragnehmer auch komplette Produktionshallen. Ebenso gehören öffentlich finanzierte Gebäude wie Sporthallen zum Portfolio.

Seit 2004 haben die Vietzkes mehr als eine Million Euro in neue Maschinen sowie in die Sanierung ihrer Firmenhallen investiert. 2009 würden weitere 500 000 Euro vor allem für eine neue Bohr-Säge-Anlage sowie eine Schweißmaschine bereitgestellt, sagt Erwin Vietzke. "Ein Abflauen der Konjunktur ist bei uns nicht zu spüren."

Aber es gebe ein anderes Problem: Die Firma habe in diesem Jahr nicht wie gewünscht wieder einen Lehrling einstellen können. Die Schulabschlüsse der Bewerber seien viel zu schlecht gewesen. "Mathe und Physik Fünf, das läuft bei uns nicht. Hier geht es den ganzen Tag um Zahlen: Gewicht, Länge, Dicke, Winkel, Schichtstärke, Durchmesser. Alles muss am Ende millimetergenau passen." Nichts sei so teuer wie Nacharbeit, fügt Vietzke hinzu.