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| 17:56 Uhr

Statistik
Wenn man trotz Arbeit arm ist

ILLUSTRATION - 29.11.2001, Frankfurt:Main: Ein Mann nimmt Euro-Geldscheine aus einer Geldbörse. (zu «Armut trotz Job: 131000 Beschäftigte in Sachsen gefährdet » vom 17.10.2018) Foto: Frank Kleefeldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ILLUSTRATION - 29.11.2001, Frankfurt:Main: Ein Mann nimmt Euro-Geldscheine aus einer Geldbörse. (zu «Armut trotz Job: 131000 Beschäftigte in Sachsen gefährdet » vom 17.10.2018) Foto: Frank Kleefeldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Frank Kleefeldt
Berlin. Befristet Beschäftigte und Teilzeitarbeiter sind  besonders betroffen.

Trotz zum Teil deutlicher Lohnsteigerungen in den letzten Jahren kommen viele Beschäftigte in Deutschland mit ihrem Verdienst kaum über die Runden. Arbeitnehmer mit einer befristeten Stelle sind davon besonders betroffen. So waren im vergangenen Jahr 18,3 Prozent dieser Beschäftigten von Armut bedroht. Im Jahr 2005 lag die Quote noch bei 8,6 Prozent.  Das geht aus einer aktuellen Datenübersicht des Europäischen Statistikamts Eurostat hervor, die der RUNDSCHAU vorliegt.

Nach den EU-Kriterien gilt als armutsgefährdet, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung im jeweiligen Mitgliedstaat verfügt. In Deutschland lag dieser Schwellenwert für einen Alleinstehenden im vergangenen Jahr bei 1096 Euro im Monat. Darin eingerechnet sind auch alle staatlichen Transfers wie zum Beispiel  Hartz IV oder Wohngeld.

 Insgesamt lag das Armutsrisiko unter den  Arbeitnehmern mit einem befristeten Vertrag 2017 in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie bei den unbefristet Beschäftigten. Zu den besonders armutsgefährdeten Arbeitnehmergruppen zählen darüber hinaus die Teilzeitbeschäftigten. Laut Eurostat waren im vergangenen Jahr 14 Prozent von ihnen betroffen. Damit hat sich dieser Anteil im Vergleich zum Jahr 2005 mehr als verdoppelt.

Von den insgesamt 37,4 Millionen Arbeitnehmern in Deutschland hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vorjahr knapp 4,8 Millionen eine befristete Anstellung. In Teilzeit arbeiteten fast elf Millionen Beschäftigte. Gemessen an allen Arbeitnehmern ist aktuell etwa jeder zwölfte Erwerbstätige in Deutschland von Armut bedroht.

 „Nach wie vor sind viel zu viele Menschen arm trotz Arbeit“, kritisierte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, im Gespräch der RUNDSCHAU. Der Mindestlohn  sei zu niedrig, um die armutsgefährdeten Beschäftigten aus der Armutsfalle herauszuholen. Außerdem müsse die sachgrundlose Befristung abgeschafft und ein Rückkehrrecht in Vollzeit für alle Beschäftigten eingeführt werden. „Arbeit, von der man leben kann, ist das Maß der Dinge. Dafür muss die Bundesregierung die Voraussetzungen schaffen“,  erklärte die Linken-Politikerin.