Ein Großprojekt wie der Flughafen Berlin-Brandenburg entsteht - Pannendesaster hin oder her -, lockt viele Investoren an. Mit ihren Vorhaben kommen auch die Ausgleichszahlungen für Naturschutzprojekte. Von diesem großen Kuchen etwas abzubekommen oder gemeinsame Vorhaben rund um den Flughafen zu koordinieren, ist wiederum das Interesse der Landkreise und Kommunen am Flughafen. Naturschutz- und Investorinteressen, Bürger- und Kommunenbegehren in der Balance zu halten, ist keine einfache, sondern eine sehr komplexe Aufgabe. Genau das macht die BADC.

An der Spitze des kleinen Teams steht Antje Gierschick. Die ehemalige Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Dahme-Spreewald wirkt kompetent, fachkundig und pragmatisch zugleich, wenn sie erklärt, was diese BADC genau macht. BADC ist die Abkürzung für Berlin-Brandenburg Area Development Company, bezeichnet damit eine Gesellschaft, die die Region um den neuen Flughafen entwickeln soll. Das mag einfach klingen, ist aber auch angesichts des schleppenden Flughafenausbaus eine Herausforderung.

Wenig überraschend ist vor diesem Hintergrund, dass es einige Zeit brauchte, bis sich die Gesellschaft gefunden hat. Zunächst ein Zuschussgeschäft, trägt sie sich mittlerweile selbst, wenn auch nicht mit Gewinn. Beteiligt sind die Nachbarlandkreise und Kommunen mit ein bis 15 Prozent; die Büros befinden sich in Schönefeld in jenem Gebäude, in dem zu DDR-Zeiten der Intershop war.

Alltagsarbeit der BADC ist es, Investoren und Naturschutz zusammenzubringen. Das Team um Antje Gierschick vermittelt Flächen, die für Naturschutzprojekte, Entsiegelung oder Renaturierung sinnvoll in Frage kommen, an Investoren, die für ihre Bauprojekte Ausgleichsmaßnahmen leisten müssen.

Der Vorteil für die Investoren: Sie werden fachlich beraten, Gierschick zufolge auch zum Bauplanungs-, Baugenehmigungs- und Naturschutzrecht.

Der Vorteil für die Kommunen: Sie haben eine Anlaufstelle, die gemeinsame Projekte koordiniert. Ein Beispiel: Eichwalde, Schulzendorf, Zeuthen und Wildau, allesamt in direkter Nachbarschaft des Flughafens, haben über den BADC ein gemeinsames Verkehrsentwicklungskonzept entwickeln lassen. Ein anderes Beispiel ist ein 15 Kilometer langer Auenverbund entlang gegebener Gräbenverläufe südlich des Flughafens über zwei Landkreise hinweg.

Der Vorteil für Landwirte: Müssen sie für Ausgleichsmaßnahmen häufig eher Flächen zur Verfügung stellen, bekommen sie bei diesen Projekten etwas zurück, so Antje Gierschick. So soll beispielsweise eine Hochsiloanlage in Gräbendorf, die nicht mehr gebraucht wird, entsiegelt werden. So entsteht Acker- oder Weidefläche. Wichtige Bedingung: Solche Flächen dürfen anschließend nicht mehr bebaut werden. Das wird im Grundbuch auf 25 Jahre hinterlegt.

Das Ziel: Geld, das Investoren als Ausgleich für Flächenversiegelungen in der Region lassen müssen, fließt dort in sinnvolle Projekte. Die Summen bewegen sich in Millionenhöhe. Und noch ist der BER längst nicht fertig.