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Wenn der Job zur Belastung wird

Höhere Leistungsanforderungen und ständige Erreichbarkeit führen zu immer mehr Stress.
Höhere Leistungsanforderungen und ständige Erreichbarkeit führen zu immer mehr Stress. FOTO: dpa
Berlin. Wachsende Leistungsanforderungen, Termindruck und ständige Erreichbarkeit – die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Das Statistische Bundesamt legte dazu am Mittwoch eine aktuelle Untersuchung vor. Stefan Vetter

Nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

Wie viele Stunden wird gearbeitet?
Durchschnittlich 41 Stunden pro Woche haben Vollzeitbeschäftigte im Jahr 2016 gearbeitet. Teilzeitbeschäftigte kamen auf 19,1 Wochenstunden. Es gibt aber auch starke Abweichungen. So ist mehr als jeder zehnte Vollzeitbeschäftigte (elf Prozent) länger als 48 Wochenstunden im Job. Darunter fallen insbesondere Führungskräfte und Selbstständige. Gemessen an allen Beschäftigten liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland mit 35,1 Stunden unter dem europäischen Durchschnitt. Besonders lang wird in der Türkei (46,8 Stunden) gearbeitet. Mit nur 30,3 Wochenstunden weisen die Niederländer den geringsten Wert auf.

Was sagt die Studie über die Arbeitsbelastung?
Im Jahr 2015 waren 40 Prozent der Erwerbstätigen einer hohen Arbeitsintensität ausgesetzt. Etwa jeder Vierte fühlte sich körperlich belastet. Dabei ist das Bild auch hier differenziert. Im Bereich der Anlagen- und Maschinenbedienung sowie unter Führungskräften und Handwerkern gaben jeweils mehr als die Hälfte der Beschäftigten eine hohe Belastung an. Dagegen stuften Erwerbstätige in Dienstleistungsberufen ihre Arbeitsbelastung mit einem Anteil von 32 Prozent am geringsten ein. Gut zwei Drittel der Berufstätigen brauchen übrigens weniger als 30 Minuten zur Arbeit und weitere 22 Prozent weniger als eine Stunde.

Wie steht es um das Lohnniveau?
2014 bekam etwa jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland nur einen Niedriglohn. Das heißt, er verdiente weniger als zehn Euro brutto pro Stunde. Mit 27,2 Prozent waren Frauen besonders stark betroffen. Dagegen bekamen nur 15,8 Prozent der Männer einen Niedriglohn. Hauptursache für das Gefälle ist die Tatsache, dass Frauen häufiger in niedriger bezahlten Jobs sowie in Teilzeit arbeiten. Besonders hoch war der Anteil der Niedriglöhner bei den Taxifahrern (83,7 Prozent) und im Friseurhandwerk (78,5 Prozent. Dagegen lag der Anteil der Niedriglöhner unter den Beschäftigten mit Hochschulabschluss nur bei 3,5 Prozent.

Sind hochqualifizierte Jobs im Aufwind?
Eindeutig ja. Aktuell arbeiten 45 Prozent der Erwerbstätigen in einem hochqualifizierten Beruf. Vor 20 Jahren waren es noch 37 Prozent. Zu den Hochqualifizierten zählen zum Beispiel Akademiker, aber auch Fachkräfte im Technik- oder Gesundheitsbereich. Besonders bemerkenswert: 47 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten in solchen Jobs - im Vergleich zu 42 Prozent bei den erwerbstätigen Männern. Dieser Vorsprung erklärt sich durch den relativ hohen Frauenanteil bei Lehrern und medizinisch-technischen Assistenten. Der Anteil der Männer in Führungspositionen ist dagegen doppelt so hoch wie bei den Frauen.

Welche Entwicklung gibt es bei den befristeten Jobs?
Neun Prozent der Arbeitsverträge in Deutschland waren im vergangenen Jahr befristet. 2,8 Millionen Arbeitnehmer ab 25 Jahre hatten einen befristeten Hauptjob - 400 000 mehr als noch vor zehn Jahren. Allerdings hat auch die Gesamtzahl der Beschäftigten zugelegt, sodass sich die Befristungsquote in diesem Zeitraum relativ konstant zwischen acht und neun Prozent bewegte. Gut jeder dritte befristet Beschäftigte arbeitete 2016 nur deshalb unter dieser Einschränkung, weil er kein Dauerstelle fand. Bei einem weiteren Drittel war ein Probevertrag der Grund. Weitere 26 Prozent waren noch in einer Ausbildung, und sechs Prozent hatten bewusst eine Befristung gewählt. Auch mit seiner Befristungsquote liegt Deutschland unterhalb des europäischen Schnitts.

Zum Thema:
Fast jeder Zweite der neu eingestellten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat im vergangenen Jahr nur einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Demnach gab es 2016 - ohne Auszubildende und Mini-Jobber - rund 3,4 Millionen sozialversicherungspflichtige Neueinstellungen. "Hiervon waren rund 45 Prozent, also etwa 1,6 Millionen Stellen, befristet", heißt es in dem Papier. 2015 waren 41 Prozent aller Neueinstellungen befristet.