Nach massiven Ernteeinbußen wegen der Dürre sind die Kartoffelpreise um mehr als die Hälfte gestiegen. Derzeit müsse der Kunde im Supermarkt für Kleinverpackungen rund 84 Cent pro Kilogramm zahlen, vor einem Jahr waren es 55 Cent. Das berichtet Christoph Hambloch, Analyst des Agrarmarkt-Informationsdienstes (AMI).

Die Landwirtschaftliche Unternehmensgesellschaft Röderland (Elbe-Elster) meldet rund 35 Prozent Kartoffelertrag weniger. Konkret heißt das: Statt den üblichen 460 Dezitonnen pro Hektar wurden 310 Dezitonnen geerntet. Im Gegenzug will man aktuell 80 Cent pro Kilogramm von den Kunden - das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr, sagt Geschäftsführer Steffen Höppner. Kunden würden sich davon aber nicht abschrecken lassen. Man habe offensichtlich mit den Sorten rotschalige Laura, Afra und Belana ihren Geschmack getroffen, so Höppner.

Allerdings müssen sich Kunden auch auf optisch nicht ganz einwandfreie Kartoffeln einstellen. Es fänden sich in den Supermarktregalen derzeit mehr Knollen mit dunklen Flecken oder Schorfpusteln, sagt Analyst Hambloch. Die Röderländer berichten von sehr vielen kleinen und übergroßen Knollen, die Sortierung ist Geschäftsführer Höppner zufolge in diesem Jahr auffällig verschieden. Kleine Kartoffeln, die in normalen Jahren nicht als Speisekartoffel taugen, würden jetzt in die Zwischensortierung genommen und für einen etwas geringeren Kilopreis angeboten.

Auch die Agrargenossenschaft Forst spürt die Auswirkungen des trockenen ersten Halbjahres in der Lausitz. 280 Dezitonnen statt bis zu 350 Dezitonnen pro Hektar Speisekartoffeln konnten geerntet werden, sagt Vorstandsvorsitzende Susanne Zahn. Der 25-Kilosack kostet 15 Euro statt vormals zehn. Die mehligkochende Sorte Afra weise zudem öfter bläuliche Flecken auf, da wurde viel Stärke eingelagert, sagt Zahn. Die Vorstandsvorsitzende ahnt, dass man sich langfristig, falls solche Sommer öfter kommen, etwas einfallen lassen müsse. Entweder die Anbaustruktur an die Trockenheit anpassen, oder das Beregnungsmanagement ändern. „Nur das“, so Zahn, „ist ja nicht ganz billig.“

Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Die Frage der Bewässerung bei Kartoffeln ist für Brandenburger Agrarwirte ganz entscheidend, bei den armen, sandigen Böden, sagt Tino Erstling, Pressesprecher des Landesbauernverbandes. Nur sei leider oftmals die Genehmigung für Wasserentnahmen schwierig, und das trotz guter Grundwassersituation, berichtet Erstling.