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| 19:15 Uhr

Erstmals mehr Geld per Plastikkarte ausgegeben
Wendepunkt bei der Kartenzahlung

Berlin. Verglichen mit anderen sind die Deutschen immer noch Bargeld-Liebhaber. Aber zum ersten Mal haben sie im Laden mehr Geld per Plastikkarte ausgegeben als Münzen und Scheine. Von Michael Gabel

Erstmals haben die Deutschen im Laden mehr Geld per EC- und Kreditkarte ausgegeben als in bar. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI hervor. Eine wesentliche Rolle spielt die relativ neue Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens mit der Plastikkarte. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wieso bezahlen immer mehr Menschen mit EC- oder Kreditkarte? Zwar sind die Deutschen im Vergleich mit anderen immer noch Bargeld-Liebhaber. Aber inzwischen dominiert nicht nur bei größeren Einkäufen das Bezahlen per Karte. Sondern immer öfter werden auch kleinere Besorgungen bargeldlos erledigt. Einen Schub brachte hier die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens, bei dem die Karte nur kurz an das Terminal gehalten werden muss.

 „Je komfortabler das elektronische Bezahlen wird, desto häufiger wird es genutzt“, sagt Barbara Engels vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) der RUNDSCHAU. EHI-Mitarbeiter Horst Rüter konstatiert, die neue Zahlungsmöglichkeit sei „viel besser angenommen worden, als es selbst Optimisten erwartet haben“.

Um welche Summen geht es? Im stationären Einzelhandel wurden im vergangenen Jahr 209 Milliarden Euro per Karte bezahlt – 12,4 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Bar waren es 208 Milliarden Euro.

Bedeutet die Vorliebe für Plastikkarten, dass das Bargeld bald verschwindet? Sicher nicht. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom kann sich mehr als die Hälfte der Bundesbürger nach wie vor nicht vorstellen, auf Münzen und Scheine zu verzichten. „Das hat mehrere Gründe“, erläutert Engels vom IW. „Unter anderem möchten viele beim Bezahlen gern etwas in der Hand haben. Außerdem glauben viele Menschen, dass sie ihre Ausgaben besser kontrollieren können, wenn sie in bar bezahlen.“ Die Möglichkeiten der Kreditkarte seien potenziell unendlich, im Gegensatz zum Inhalt des Portemonnaies.

In welchen Situationen wird bar bezahlt? Beim Bäcker oder in der Kneipe – geht es um kleinere Beträge, bezahlen die Deutschen in der Regel mit Münzen und Scheinen. Deshalb werden immer noch drei Viertel der rund 20 Milliarden Einkäufe pro Jahr in bar abgewickelt. Dazu trägt auch bei, dass es in vielen Läden die Regel gibt, nach der erst ab einem bestimmten Mindestbetrag – mal sind es fünf Euro, mal zehn – mit Karte bezahlt werden darf. „Aber das ändert sich gerade“, sagt die Ökonomin Engels. „Größere Handelsketten sind davon abgegangen, solche Mindestbeträge zu fordern. Das könnte auch bei kleineren Händlern die Regel werden.“ Bar bezahlt wird nach Engels‘ Einschätzung allerdings auch weiterhin in allen Situationen, in denen jemand Zahlungen verschleiern möchte – auf dem Schwarzmarkt zum Beispiel.

Wie sieht es in anderen Ländern aus? Nur in Italien, Griechenland, Rumänien und Bulgarien werden Karten noch seltener eingesetzt als in Deutschland. Vorreiter beim elektronischen Bezahlen sind dagegen die skandinavischen Länder, Frankreich, Großbritannien, Polen und Russland.

Bleibt beim elektronischen Bezahlen der Datenschutz auf der Strecke? „Die Gefahr besteht“, sagt Barbara Engels vom IW. Zum einen könne man nie genau wissen, was die Unternehmen mit den Transaktionsdaten anfangen. Zum andern könnten Informationen auch gehackt werden. Die Ökonomin benennt aber auch ein Problem im Kundenverhalten. „Mancher zahlt mit Bargeld aus Angst um seine Daten, legt dann aber eine Payback-Karte hin, um Prämien zu bekommen. Das ist ein Widerspruch.“