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| 18:40 Uhr

Welthungerhilfe
Der Hunger und wir

Eine Frau hält die Hand eines unterernährten Kindes in einem Krankenhaus in der Provinz Hadscha (Jemen).
Eine Frau hält die Hand eines unterernährten Kindes in einem Krankenhaus in der Provinz Hadscha (Jemen). FOTO: dpa / Mohammed Mohammed
Berlin. Heute erscheint der Welthunger-Index 2018 zum Thema „Flucht, Vertreibung und Hunger“.

Noch zwölf Jahre. Dann soll Hunger nur noch eine hässliche Erinnerung sein. So hat es die internationale Staatengemeinschaft 2015 beschlossen.  Doch in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der akut Hungernden von 80 Millionen auf 124 Millionen gestiegen. Mehr als 800 Millionen Menschen waren 2017 unterernährt. Und dabei fehlen uns die Zahlen aus Ländern, die von Kriegen geschüttelt werden oder in denen Diktatoren dafür sorgen, dass keine Daten erhoben werden. Immerhin wissen wir: Im  Kongo stirbt fast jedes zehnte Kind, bevor es fünf Jahre alt ist. In Burundi haben mehr als die Hälfte der Kinder Wachstumsverzögerungen, und in Eritrea wiegt  fast ein Drittel der Kinder zu wenig.  Viel zu wenig. Auch das ist Hunger. So wie es aussieht, wird es das alles auch in zwölf Jahren noch geben.

Es gibt beim Thema Hunger nicht nur eine Wahrheit, sondern mindestens drei. Erstens: Kurzfristig hat sich die  Situation verschlechtert. Zweitens: Längerfristig haben wir eine deutliche Verbesserung erlebt. Und drittens: Das Tempo dieser Verbesserung ist viel zu gering. Weil Hunger sowohl Folge als auch Ursache von Konflikten sein kann, besteht die  Gefahr, dass Teile der Welt in eine Spirale nach unten geraten und das Elend sich vergrößert. Zu diesem Elend gehört auch massenhafte Flucht.

Es stimmt. Die Hungerleidenden schaffen es in der Regel nicht zu uns. Aber mal abgesehen davon, dass sich deswegen zu beruhigen der blanke Zynismus wäre, können wir uns nicht einmal darauf verlassen, den gesellschaftlichen Folgen von Hunger zu entgehen.  Wenn Hunger zu bewaffneten Kämpfen oder gar Kriegen führt, die  wiede­rum die fragile Landwirtschaft zerstören, dann brechen ganze Staaten zusammen. Was das Scheitern von Staaten auch für uns bedeutet, kann man sich an Beispielen wie Libyen oder Somalia ansehen.

Die Frage ist, was machen wir? Eine aktuelle Umfrage zeigt eine hohe Bereitschaft der Deutschen mehr für die Entwicklungshilfe auszugeben. Mehr Entwicklungshilfe wird aber nicht ausreichen. Wer etwas gegen den Hunger unternehmen will, muss sich zum Beispiel mit der Erderwärmung auseinandersetzen. Schon jetzt bedroht der Klimawandel die Landwirtschaft. Regen-und Trockenzeiten sind in vielen Teilen Afrikas nicht mehr vorherzusehen. Ernten verdorren oder werden weggespült. Aber  in der EU freut man sich über einen erbärmlichen CO2-Kompromiss.

Dabei könnte sich die Politik ruhig auf das Gefühl der Bürger verlassen. Eine große Mehrheit hierzulande fühlt nämlich, wie abscheulich und ungerecht es ist, wenn Hunderte Millionen Menschen hungern, Kinder nicht einmal das Schulalter erreichen oder der Mangel an Nahrung ihnen die Chance auf eine normale Entwicklung nimmt. Wenn die Bundesregierung dieses Gefühl  ernst nehmen würde, müsste sie ihre Prioritäten ändern. So wie wir alle.