Horn ist vom Gegenteil überzeugt. Die bundesdeutsche Wirtschaft profitiere massiv von Globalisierung und weltweitem Handel. In jüngster Zeit haben die Exporte von deutschen Unternehmen wesentlich schneller zugenommen als die Importe: Betrugen die Überschüsse im Außenhandel im Jahr 2000 noch 7,3 Milliarden Euro, waren es 2004 schon 90,5 Milliarden.
Die IMK-Forscher suchten nach den treibenden Kräften für die Exportgewinne. Als wichtigsten Grund nennen sie die von Politik und Öffentlichkeit eher gefürchtete wachsende internationale Verflechtung. Diese Globalisierung treibe in Deutschland das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes an, das seit dem Sommer immerhin um 0,6 Prozent zulegte. Daneben tragen zwei Faktoren wesentlich zur positiven Entwicklung bei: die Differenz zwischen starker Auslandsnachfrage und schwächerer Binnennachfrage in Deutschland sowie die im internationalen Vergleich verbesserte Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen.
Zu diesen Aufsehen erregenden Ergebnissen kommt das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf, in einer Simulationsstudie. Wäre auch noch die Binnennachfrage stärker, würde die Wirtschaft allerdings noch schneller wachsen.

Stark in der Produktion
Die IMK-Studie widerspricht der weit verbreiteten These, das Deutschland auf dem Weg in eine "Basarökonomie" sei. Die Hypothese der Basarökonomie geht zurück auf den Präsidenten des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn. Sie sagt zugespitzt aus, dass Deutschland nur deswegen Exportweltmeister sei, weil, wie auf einem Basar, viele Produkte im Ausland gekauft und dann wieder ins Ausland verkauft würden.
"Auch im Hinblick auf die Kontroverse um die Basarökonomie sind die Ergebnisse aufschlussreich", sagt Horn. Schließlich zeigten die Ergebnisse, dass Deutschland von der Ausweitung des globalen Handels profitiert, "das widerspricht denjenigen, die Deutschland auf dem Weg in eine Basarökonomie sehen, einen Umschlagplatz ohne eigene industrielle Basis". Hätten sie Recht, dann würde immer weniger Wertschöpfung in Deutschland entstehen. Deutschland wäre nur noch beim Handel von Gütern wettbewerbsfähig, nicht aber bei deren Produktion. Dieses Bild stimme jedoch mit der Wirklichkeit nicht überein, widerspricht Horn dem Ifo-Chef Sinn. Zugpferde sind Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie und Informationstechnologie.

Gewinner der Globalisierung
Die Düsseldorfer IMK-Forscher spielten die Entwicklung des Außenhandels von 1999 bis 2004 am Computer durch. Jeweils ein Einflussfaktor wurde abwechselnd konstant gehalten. So lässt sich berechnen, was den Außenhandel besonders beflügelt hat. Ihr Fazit: "Ohne die globale Handelsintensivierung wäre der Außenhandelsüberschuss der deutschen Wirtschaft jedoch um gut die Hälfte weniger gewachsen."

Hintergrund Steigende Produktivität
 Der Exportüberschuss steigt, Wirtschaft und Unternehmensgewinne wachsen. Gute Nachrichten also für die Konjunktur, doch neue Jobs entstehen nicht. Warum dem so ist, zeigt beispielhaft das verarbeitende Gewerbe, in dem über sechs Millionen Menschen arbeiten. Dort erhöhte sich der Gesamtumsatz gegenüber September 2004 um 6,3 Prozent auf 137,3 Milliarden Euro - aber gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten um 90 200 Personen oder 1,5 Prozent und auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nahm um 1,8 Prozent ab. Möglich macht diese Kluft die technische Entwicklung. Mit immer weniger Menschen kann immer mehr produziert werden.
Die Studie "Deutschland - ein Welthandelsgewinner" kann aus dem Internet herunter geladen werden: www.boecklerimpuls.de