Wo früher Kohle abgebaggert wurde, pflücken Erntehelfer bald wieder Trauben: Die Winzer von Weinhängen in ehemaligen Braunkohle-Gebieten in Südbrandenburg gehen von einer guten Ernte in diesem Jahr aus. "Es gab keinen Spätfrost", sagte Winzer Andreas Wobar aus Großräschen (Oberspreewald-Lausitz).

Die 5000 Reben stehen auf einem Hang an einer ehemaligen Tagebaugrube, in der durch Flutung der Großräschener See entsteht. Im vergangenen Jahr sei das erste Mal gelesen worden, sagte Wobar. Seit 2012 gibt es den Weinberg.

Die Trauben am Rande des Braunkohletagebaus Welzow-Süd bei Cottbus (Spree-Neiße) sind ebenfalls gut im Wuchs. "Letztes Jahr hatten wir keine Ernte, um die Anlage zu stärken", sagte Winzer Martin Schwarz. Der Boden sei wie generell in der Lausitz durch geringe Niederschläge trocken. Weil der Weinberg noch sehr jung sei, müsse sich das Bodenleben erst nach und nach aufbauen.

Die 26 000 Rebstöcke des Weinbergs Wolkenberg sind vor rund fünf Jahren auf einer rekultivierten Fläche der Vattenfall-Grube gepflanzt worden. Der Tagebau ist heute noch aktiv. Etwa ein Drittel der einmal angestrebten Menge kann dieses Jahr voraussichtlich gelesen werden, wie der Winzer ergänzte. Der Wein wird dann im sächsischen Meißen gekeltert. Geplant ist, dass ab 2017 auch Sekt aus Tagebau-Trauben verkauft wird.

Trotz der Trockenheit in den vergangenen Wochen rechnen auch Sachsens Winzer in diesem Jahr mit einer guten Ernte. "Im Moment sehe ich im Gegensatz zu anderen Weinbaugebieten noch keine wirtschaftlichen Schäden", sagte der Vorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Christoph Reiner. Lediglich einige Junganlagen, deren Reben noch nicht tief genug im Boden wurzelten, seien betroffen.

Voraussichtlich in der dritten Septemberwoche wird in Sachsen mit der Ernte frühreifer Sorten wie Goldriesling oder Frühburgunder begonnen. Sachsens Winzer haben 2014 rund 20 900 Hektoliter Wein gekeltert und damit gut 5000 Hektoliter mehr als 2013.