Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg tuckern noch etwa 66 000 "Trabis" durch Deutschland, während sich die Zahl der noch fahrbereiten Wartburg auf unter 17 000 dezimiert hat. "Der Rost macht ihm halt mehr zu schaffen", meint ein Automechaniker. Inzwischen gilt das kantige Auto aus Eisenach vor allem als Museums- und Liebhaberstück.

Einst Arbeit für 8000 Menschen
Am 10. April vor 15 Jahren rollte im damaligen Automobilwerk Eisenach (Awe) der letzte Wartburg - knallrot lackiert und mit schwarzer Schleife - vom Band. Die Stilllegung des riesigen Werkes, in dem von 1956 an bis zu 8000 Menschen das Mittelklasse-Pendant zum Trabant gebaut hatten, begann. Auch der Einbau eines Viertaktmotors von VW konnte den Oldtimer gegen die attraktivere PS-Konkurrenz aus dem Westen nicht retten.
"Damals hat keiner so recht geglaubt, dass es mit der Automobilbautradition weitergeht", sagt Harald Lieske. Er hat im Awe gelernt und gearbeitet, heute ist er Betriebsratschef der Opel Eisenach GmbH. Immerhin kann Eisenach darauf verweisen, dass in der Stadt, die nicht nur den Wartburg, sondern auch die Wartburg hat, 1898 die dritte deutsche Autofabrik entstand. Lieske spricht von einer "Zitterpartie" bis zur Entscheidung von Opel für einen Werksneubau in Thüringen.
Die 1992 eröffnete Opel-Fabrik mit 1800 Mitarbeitern ist inzwischen einer der größten Industriearbeitgeber in Thüringen. "Es ist gut gegangen", findet Lieske, der viele Ex-Awe-Mitarbeiter kennt, die inzwischen bei Autozulieferern wie Bosch, immerhin auch mit 1600 Beschäftigten in Eisenach, Benteler oder Mitec arbeiten. Auch BMW kehrte an seinen alten Standort zurück, wenn auch nur mit einer Fabrik für Großwerkzeuge. Das Autowerk Eisenach gehörte von 1928 bis nach dem Zweiten Weltkrieg zum BMW-Konzern und ermöglichte dessen Einstieg in den Fahrzeugbau.
Neben Sachsen mit VW in Mosel bei Zwickau sowie Porsche und BMW in Leipzig hat sich in Ostdeutschland auch Thüringen als Autoland vor allem mit Zulieferern behauptet. Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) beziffert den Umsatz der Branche in Thüringen auf 2,6 Milliarden Euro, fast die Hälfte wird mit Exporten erwirtschaftet. Einschließlich der Unternehmen, die nur einen Teil ihrer Erlöse mit Automobilzulieferungen bestreiten, betrage das Umsatzvolumen mehr als fünf Milliarden Euro. In einer Studie schätzt die Landesbank Hessen-Thüringen das Beschäftigungspotenzial auf etwa 40 000 Arbeitsplätze.

Eigenes Museum für den Oldtimer
Doch nicht nur für einen Teil der einstigen Wartburg-Produzenten hat sich in den vergangenen Jahren einiges zum Guten gewandt. Auch für den letzten Wartburg kamen bessere Zeiten: Seit Juni 2005 steht er in einem Museum, das eigens für die PS-Veteranen aus Eisenach eingerichtet wurde. Bereits 2005 zog die "Automobile Welt Eisenach", in der neben Dixi und BMW auch der Wartburg 1.3 und sein eleganterer Vorgänger 311 einen Platz haben, 25 000 Besucher an. Fans hat der Wartburg bis heute: "Das erste Auto liebt man, egal, was es für eine Möhre ist", steht in einem Internet-Forum, in dem sich nicht nur Ostdeutsche über die Vor- und Nachteile des Wartburgs austauschen.