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Was Verbraucher freut, sorgt Ökonomen

Seit Monaten sinken die Preise für Heizöl und Benzin, der starke Euro verbilligt importierte Rohstoffe zusätzlich. Das freut die Verbraucher. Doch Ökonomen warnen: Sie sorgen sich vor einer Deflation. Harald Schmidt

Was ist Deflation?
Darunter verstehen Ökonomen eine Spirale sinkender Preise quer durch die Warengruppen.

Was ist schlecht an sinkenden Preisen?
Zunächst können sich die Menschen bei sinkenden Preisen mehr kaufen. Doch bald könnten Einkäufe in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise verschoben werden. Das setzt eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang: Unternehmen machen weniger Gewinn, Investitionen bleiben aus, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck auf die Preise nimmt weiter zu, die Konjunktur wird geschwächt. Die Steuereinnahmen sinken, die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

Droht aktuell eine Deflation?
Im Euroraum halten dies einige Experten für möglich. Denn die Prognosen der Europäischen Zentralbank deuteten auf eine lange Phase mit sehr niedrigen Inflationsraten hin, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kürzlich: "Die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale ist bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten durchaus real."

Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?
"Etwa zwei Drittel des Inflationsrückgangs gehen auf fallende Preise für Energie und Nahrungsmittel zurück", sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret zur Preisentwicklung im Euroraum. Diese Effekte seien höchstwahrscheinlich nur vorübergehend. In Deutschland war Heizöl im Februar 8,7 Prozent billiger als ein Jahr zuvor, Benzin 6,3 Prozent. Wie das Statistische Bundesamt gestern informierte, fiel die jährliche Inflation im März auf 1,0 Prozent. Im Februar lag der Wert noch bei 1,2 Prozent.

Steigen die Nahrungsmittelpreise in Deutschland weiter?
Vorerst ja, aber nicht mehr so rasant wie im Vorjahr. Die Preise von Nahrungsmitteln schwanken oft stark und werden nicht nur von Unwettern oder Dürren beeinflusst. "Das milde Wetter dürfte die Nahrungsmittelpreise gedrückt haben. Hinzu kommt der wieder intensiver gewordene Preiskampf im Einzelhandel", sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Warum steigen die Preise hierzulande schneller als im Euroraum?
Das ist eine Folge der Anpassungen in Krisenländern des Euroraums. Dort müssen Unternehmen Preise senken, um wettbewerbsfähiger zu werden. Regierungen müssen sparen, um ihre Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust, das Staatsdefizit minimal. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen. "Angesichts der lebhaften Nachfrage dürfte es den Unternehmen nicht schwer fallen, die höheren Lohnkosten auf ihre Preise aufzuschlagen", erklärt die Commerzbank.

Wie werden sich die Verbraucherpreise insgesamt entwickeln?
Experten rechnen auch 2014 nur mit moderaten Preissteigerungen. Zwar bestehe in Deutschland anders als in vielen anderen Euro-Ländern durch die anziehende Konjunktur mittelfristig Potenzial für höhere Raten. Doch die niedrigen Importpreise dämpfen den Preisauftrieb. Eine Teuerungsrate von nahe zwei Prozent dürfte so schnell nicht wieder erreicht werden.