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| 17:38 Uhr

Zahlenvergleich
Große Unterschiede bei Müllkosten

 Bei Preis und Service gibt es bei der Müllabfuhr gewaltige Unterschiede.
Bei Preis und Service gibt es bei der Müllabfuhr gewaltige Unterschiede. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Berlin. Studie zeigt, dass in Flensburg der Müll fast 200 Euro weniger kostet als in Cottbus. Von Dieter Keller

Wer in Flensburg wohnt, ist bei den Müllgebühren besonders gut dran: Eine vierköpfige Familie zahlt in der nördlichsten deutschen Stadt nur 130,20 Euro im Jahr, wenn die Mülltonnen alle 14 Tage geleert werden, obwohl sie nicht an die Straße gestellt werden müssen. In Leverkusen ist es mit 562,16 Euro viermal so viel, obwohl der Service schlechter ist, weil die Müllbehälter nicht auf dem Grundstück abgeholt werden. Die Unterschiede sind gewaltig, zeigt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) für den Eigentümerverband Haus&Grund.

Vergleich beim Müll ist schwierig

„Müll muss nicht teuer sein, auch wenn er umweltgerecht entsorgt wird“, lautet das Fazit von Haus&Grund-Präsident Kai Warnecke. Sein Verband wolle mit dem Vergleich für Transparenz sorgen und die Städte motivieren, „ihre Dienstleistungen für die Bürger günstiger, flexibler und transparenter anzubieten“.

Das IW hat die 100 größten deutschen Städte unter die Lupe genommen. Allerdings ist der Vergleich schwierig, weil die Gebührensatzungen sehr unterschiedlich sind. Zudem sind manche wie in Leverkusen so unverständlich, dass selbst die Fachleute des IW nachfragen mussten, wie manches zu verstehen ist.

Vierköpfige Familie als Rechenbeispiel

Um überhaupt vergleichen zu können, hat das IW einen Musterhaushalt ausgerechnet: Die vierköpfige Familie wohnt in einem Einfamilienhaus. Jede Woche fallen 20 Liter Biomüll und 60 Liter Restmüll an. Dazu kommen eine Papiertonne, die meist kostenlos geleert wird, sowie zwei Kubikmeter Sperrmüll pro Jahr. Die Ergebnisse gelten nicht für größere Häuser mit mehreren Eigentums- oder Mietwohnungen, die meist größere Gemeinschaftstonnen für alle Bewohner haben.

Zudem gibt es viele Varianten: Mancherorts wird der Müll wöchentlich abgeholt, andernorts alle zwei Wochen; teilweise können die Haushalte dazwischen wählen. Unterschiede gibt es auch zwischen Teil- und Vollservice, also ob die Bürger ihre Tonne vors Haus stellen müssen. Ergebnis der aufwendigen Berechnungen des IW ist eine Tabelle, wie viel die einzelnen Varianten in den 100 Städten kosten. Daraus leitete es eine Rangfolge ab. Der Vergleich mit der ersten derartigen Studie, die vor drei Jahren durchgeführt wurde, zeigt: Manche Städte konnten sich deutlich verbessern, etwa Bonn, das von Platz 27 auf acht vorrückte. Andere sind zurückgefallen, etwa Solingen von Rang fünf auf 31.

Cottbus landet auf Platz 57

In Brandenburg wurden nur die beiden größten Städte berücksichtigt: Cottbus hat mit einem Mittelwert der vier Varianten von 296,92 Euro auf Platz 57 die Nase vorn vor Potsdam. Die Landeshauptstadt belegt mit 316,43 Euro Rang 66. Vor drei Jahren war es allerdings noch Platz 89. Zwei Ränge dahinter steht Berlin mit 321,58 Euro.

Für Warnecke ist Nürnberg „absolut vorbildhaft“, sowohl bei der Transparenz und Flexibilität des Gebührensystems als auch bei seiner Verständlichkeit. Dort  haben die Bürger die freie Wahl bei der Größe des Restmüllbehälters. 60 Liter Biomüll pro Woche sind inklusive. Wer Teilservice wählt, zahlt etwas weniger. Zudem sei das System sehr einfach. Andere Städte verschleierten, wie sie zu ihren Gebühren kommen.

Die komplette Studie gibt es hier

 Bei Preis und Service gibt es bei der Müllabfuhr gewaltige Unterschiede.
Bei Preis und Service gibt es bei der Müllabfuhr gewaltige Unterschiede. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte