Wenn heute eine Schmutzwasserleitung verstopft ist, dann rückt moderne Technik an. Mittels hohem Wasserdruck arbeitet sich eine am Schlauch befestigte Düse im Rückstoßverfahren in einem Kanal vorwärts. Während das Wasser weiter kranzförmig aus der Düse schießt, wird diese eingeholt und die Verunreinigung mitgenommen. Das Rohr ist wieder frei.

Wahrscheinlich der DDR-Urvater der Gullyräumgeräte steht bei Joachim Wachtel in Tettau. Ganz am Anfang habe es den Gedanken gegeben, Rohre mit hohem Wasserdruck zu reinigen. Das war Mitte der 1970er-Jahre. "Dann kam mir die Idee, einen Düngerstreuer zum mobilen Rohrreiniger umzubauen. Denn dieser besaß eine hohe Pumpenkraft", erinnert sich Joachim Wachtel. Als Trägerfahrzeug diente ein Traktor. Die alten Aufbauten wurden demontiert, Wassertank, Schlauchhaspel und Pumpe draufgesetzt. Es funktionierte. Soweit Joachim Wachtel damals informiert war, hatte es diese Gerätekombination in der DDR zuvor nicht gegeben.

Erfindung macht die Runde

Ein Patent habe er darauf als privater Handwerker nicht anmelden dürfen, sagt er. Später habe er erfahren, dass eine weiterentwickelte Version im Fahrzeugwerk Ludwigsfelde für das ganze Land gebaut wurde. In jener Zeit kamen auch die ersten Rohrreinigungsfahrzeuge im Westen Deutschlands auf den Markt.

Joachim Wachtel sagt, dass er schneller war. Unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen hätte in der Gemeinde Tettau durchaus ein mittelständischer Fahrzeugausrüster entstehen können, trauert der Handwerksmeister den damals entgangenen Möglichkeiten ein wenig nach.

Die von der Pike auf erlernten handwerklichen Fertigkeiten plus die Mangelwirtschaft in der DDR trieben den heute 74-Jährigen zu immer neuen Ideen. Was es nicht gab, aber gebraucht wurde, das ist selbst gebaut worden. So wurde viel später aus dem Rohrreinigungstraktor ein Gabelstapler.

Die notwendigen Metallbearbeitungsmaschinen stehen in der heimischen Werkstatt: eine Horizontalfräsmaschine aus der Vorkriegszeit, eine von Joachim Wachtel umgebaute Drehbank mit Transmission aus den 1930er-Jahren, eine Hobelmaschine und anderes mehr.

Erste Sporen in Vaters Betrieb

Der berufliche Weg des Tettauers war vorgezeichnet. "Schon als Zwölfjähriger habe ich im väterlichen Betrieb mitgeholfen", erinnert er sich. Vater Richard war Landmaschinenbauer. Er hat unter anderem Mähbalken, Lochmaschinen zum Kartoffelstecken und Ablagen für Getreidemäher hergestellt sowie alle Landmaschinen repariert, die von Pferden gezogen wurden.

Sohn Joachim wollte über den familienbetrieblichen Tellerrand schauen und lernte auswärts im Landmaschinenbaubetrieb August Jobst in Großenhain. Die Ausbildung zum Kraftfahrzeug- und zum Landmaschinenschlosser dauerte dreieinhalb Jahre. Danach hatte er das Angebot, den Jobst-Betrieb zu übernehmen, doch sein Vater holte ihn zurück. Mit 24 Jahren machte er den Meister zum Landmaschinenmechaniker. Den Goldenen Meisterbrief erhielt er unlängst von der Handwerkskammer Cottbus.

Da es in den 1960er-Jahren kaum noch Einzelbauern gab, gingen die Aufträge zurück. Stattdessen wurde für volkseigene Betriebe und die kollektivierte Landwirtschaft gearbeitet. Als 1969 die Forster Etagenheizungen aufkamen, wurde ein neues Standbein gesetzt. Mit der Wende in der DDR wurde es ausgebaut. Bis heute arbeitet Joachim Wachtel in diesem Bereich. Ruhestand ist für ihn ein Fremdwort.