Von Ina Matthes und Jan Siegel

Wissenschaft soll Brandenburgs Wirtschaft voranbringen. Brandenburgs neuer Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) will sich für die Ansiedlung neuer Institute einsetzen. In den nächsten zehn Jahren sollen sechs weitere außeruniversitäre Forschungsinstitute im Land entstehen, sagte Steinbach in einem Redaktionsgespräch mit der RUNDSCHAU.

Steinbach will dabei seine Erfahrungen als Präsident der Technischen Universität Berlin und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) einbringen und eng mit Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) zusammenarbeiten. Die Institute sollen als Beschäftigungsmotoren wirken.

Steinbach verwies in diesem Zusammenhang auf das Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik IHP in Frankfurt (Oder), das eine GmbH für Technologietransfer gegründet habe und nun Ausgründungen generieren soll. „Regionale Wirtschaft entwickelt sich um Hochschulen und außeruniversitäre Institute“, sagte Steinbach. „Dieses Potenzial muss in Brandenburg mehr genutzt werden.“

Steinbach, der gelernte Chemie-Ingenieur, will auch das Thema Wasserstoff als ein Energieträger der Zukunft voranbringen. In diesem Bereich seien andere Länder viel weiter als Deutschland allgemein und auch Brandenburg im Speziellen.

An erster Stelle seiner Themenliste steht die Lausitz. Die Region war von Steinbachs Vorgänger Albrecht Gerber aufgerufen worden, eigene Ideen für einen Strukturwandel zu entwickeln. Es gebe inzwischen einen Stapel von Projekten und viele Akteure, die jetzt zusammengeführt werden müssten. Da sei jetzt die Politik aufgerufen, die Führung zu übernehmen. Steinbach spricht von einem Masterplan, den die Lausitz braucht statt des derzeit noch vorhandenen Flickenteppichs von Ideen und Initiativen.

Zu der Frage, wie viel Geld für den Strukturwandel in der Region gebraucht werde und wie er zu den derzeit diskutierten etwa 60 Milliarden Euro für den Kohleausstieg stehe, sagte Steinbach, konkrete Summen könne er noch nicht nennen. „Ich möchte beim Lotteriespiel um diese Zahlen nicht einsteigen. Das muss an konkreten Projekten diskutiert werden.“

Eine der größten Herausforderungen bei dem Strukturwandel der Lausitz sieht Steinbach darin, Arbeitsplätze für die Beschäftigten in der Braunkohle zu schaffen. Nicht alle könne man in andere Jobs übernehmen oder umschulen. Dieser Wandel sei auch mit einem Identitätsverlust für die Betroffenen verbunden. „Wir müssen für diese Menschen auch Ersatzarbeitsplätze im Sinne industrieller Arbeitsplätze schaffen. Das ist eine der größten Herausforderungen derzeit.“

Die Erfahrungen aus dem Strukturwandel in der Lausitz will Steinbach übertragen auf andere Regionen wie die Uckermark, die Prignitz oder auch Frankfurt (Oder), wo immer noch Hallen der ehemaligen Solarfabriken leerstehen. Entwicklungsmöglichkeiten sieht er darin, Unternehmen Standorte mit deutlich niedrigeren Ansiedlungskosten anzubieten. „Da haben wir noch Hausaufgaben zu machen.“

Auch die Gespräche mit dem Schienenfahrzeughersteller Bombardier um den Erhalt des Standortes in Hennigsdorf (Oberhavel) will Steinbach fortsetzen.

Der Wirtschaftsminister appelliert aber auch an die Brandenburger, Gestaltungsspielräume auszunutzen und mit mehr Optimismus und Selbstbewusstsein durchs Land zu gehen. „Dafür gibt es absolut eine Berechtigung.“