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Wankel-Fertigung zu vergeben

Die Cottbuser Wankel Super Tec GmbH plant für 2007 den Bau einer ersten Motoren-Kleinserie von 100 bis 200 Stück. Für die Produktion des zu großen Teilen in Brandenburg entwickelten Diesel-Wankelmotors gibt es lukrative Angebote aus Bayern und Baden-Württemberg. Das Unternehmen sieht dort günstige Bedingungen und fühlte sich lange Zeit von Brandenburg nicht genügend unterstützt. Dabei hofft auch die insolvente Maschinenfabrik Guben auf eine Zukunft durch eine Teileproduktion für den Wankelmotor. Von Rolf Bartonek

Auf derem Gelände ist eine der beiden großen Hallen abgeschlossen. In der anderen stehen weit mehr Maschinen, als das Unternehmen noch Beschäftigte hat. Von den 1989 rund 400 Mitarbeitern sind gerade einmal acht übrig. Die dürften mittlerweile einen der vielen traurigen Rekorde in Ostdeutschland schreiben, denn sie arbeiten seit nicht weniger als sieben Jahren unter Insolvenzbedingungen.
Wolfgang Winter, einst Miteigentümer des vom früheren Management privatisierten Betriebes, leitet den heutigen Rest, der immerhin schwarze Zahlen schreibt. Er räumt strukturelle Fehler ein, spricht aber auch vom fehlenden Eigenkapital und schlechter Zahlungsmoral als Insolvenz-Ursachen. Winter weiß, dass die derzeit schwarzen Zahlen der Firma keine Zukunft sichern.
Denn die Gubener haben ein Produktproblem. Der Betrieb gehörte einst zum Schwermaschinenbaukombinat Karl Liebknecht (SKL) Magdeburg. Er lieferte für SKL-Dieselmotoren Schmieröl-, Wasser- und Kraftstoffförderpumpen sowie Pleuel- und Zylinderkopfschrauben. Die Dieselmotoren werden schon lange nicht mehr gebaut. Den Gubenern bleibt also nur noch das Ersatzteilgeschäft. Und das wird - natürlich - immer kleiner.
Das sieht auch der Insolvenzverwalter Prof. Rolf-Dieter Mönning als Hauptproblem. Wenn der Betrieb eine Zukunft haben solle, dann müsse ein zukunftsträchtiges Produkt her. Und das schnell. Denn lange könne er schon aus gesetzlichen Gründen das Werk nicht mehr in der Insolvenz führen, betont er.
Winter hat ein solches Produkt ausgemacht. Er hat in der RUNDSCHAU vom Wankelmotor gelesen und ist zu einem der Macher des Projekts nach Cottbus gefahren, zu Prof. Dr. Ernst Sigmund. Der einstige Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) ist dort Inhaber des Physik-Lehrstuhls, hat aber die ihm nach dem Ausscheiden aus dem Amt zustehenden zwei Forschungssemester genommen, um sich nun verstärkt dem Wankel-Projekt zu widmen.

US-Konzern als Partner
Der Motor habe große Zukunftschancen, versichert Sigmund. Er ist einer der Gesellschafter der Wankel Super Tec GmbH. Vor gut einem Jahr noch war deren Zukunft ungewiss. Etwa fünf Millionen Euro haben die Eigentümer - alles Privatleute - bisher in ihr Wankel-Diesel-Vorhaben gesteckt und dabei gemerkt, wie extrem teuer die Entwicklung eines neuen Motors ist. Nun aber seien alle sicher, dass keiner Geld verlieren wird, heißt es im Unternehmen. Denn vor gut einem Jahr stieg der US-amerikanische Konzern L-3 Communications als Geldgeber für zwei Wankel-Projekte ein.
Besonderes Interesse besteht bei L-3 am Einsatz des Motors für Stromaggregate. Er könnte aber auch Drohnen (unbemannte Luftfahrzeuge), Kleinfahrzeuge und Kleinflugzeuge antreiben. Daneben strebt die Wankel Super Tec weltweit den Einsatz des Motors in zivilen Bereichen an. Dazu sollen für verschiedene Anwendungen, etwa als Bootsmotor, Prototypen entwickelt und in Kleinserie gebaut werden. Anschließend werden Lizenzen verkauft.

Oberpfälzer gut im Rennen
Beim Aufbau einer eigenen Produktion geht es also um diese Kleinserien. Die von Opel nicht mehr ausgelastete Irmscher Automobilbau GmbH & Co. KG in Remshalden bei Stuttgart habe größtes Interesse daran, sagt Sigmund. Auch die Hör Technologie aus dem oberpfälzischen Weiden (Bayern) würde lieber heute als morgen den Wankel bauen. „Unsere Techniker tendieren sehr zu Hör“ , verrät Sigmund. Sie sähen dort gute technische Voraussetzungen.
Für ihn gibt es aber auch etwas, was für Brandenburg als Standort spricht. „Das sind die Emotionen. Als ich vor zwölf Jahren hier angetreten bin, da wollte ich einen Beitrag leisten, die Region auch wirtschaftlich voranzubringen. Da möchte ich natürlich nicht gehen, ohne etwas realisiert zu haben.“ Die Wankel Super Tec würde unter Umständen die Maschinenfabrik Guben kaufen. Winter wäre von einer solchen Lösung begeistert, der Insolvenzverwalter Mönning äußert sich nicht abgeneigt.
Aber es gibt ein Problem, ein offenbar typisch brandenburgisches. Während sich Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) laut Sigmund sehr für das Technologieunternehmen einsetzt, laufe bei der Landes-Investitionsbank ILB alles sehr langsam. Die Bearbeitung eines Antrags für Fördermittel in Höhe von rund einer Million Euro zur Entwicklung des Motors und dem Bau eines Prototypen habe zwei Jahre benötigt, kritisiert Sigmund. „Bayern und Baden-Württemberg sind da wirtschaftsfreundlicher. Wenn es jetzt um die Kleinserienproduktion geht, können wir uns solche langen Bearbeitungsfristen gar nicht leisten. Die ILB muss zeigen, dass Brandenburg uns haben will.“
So hängt die Zukunft der Maschinenfabrik Guben auch am Potsdamer Amtsschimmel. Es müsse jetzt alles schnell gehen, betont Sigmund. Die Wankel Super Tec könnte die Maschinenfabrik Guben kaufen und ihr in Guben oder Cottbus eine neue Fertigungsstätte errichten. Produziert würde dann in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen mit anderen Firmen.

Hintergrund Weltweit drei Wankel-Zentren geplant
Der Diesel-Wankelmotor wurde maßgeblich von ehemaligen Wankel-Konstrukteuren aus Süddeutschland entwickelt, die Prof. Ernst Sigmund als BTU-Präsident nach Cottbus holte. Die Idee war, Potenziale der Universität in das Projekt einzubinden und irgendwann eine Produktion aufzubauen. Nachdem die ersten Prototypen noch in Stuttgart getestet wurden, verfügt nun auch die BTU über entsprechend ausgerüstete Motorenprüfstände.
Die Wankel Super Tec baut Wankel-Zentren in Deutschland, den USA (Milwaukee am Michigansee) und Südkorea (Incheon bei Seoul) auf, die im Verbund mit je einer Hochschule Ausbildung, Entwicklung und Prototypenproduktion miteinander verbinden sollen. Der Standort in Deutschland steht noch nicht fest, Cottbus hat noch Chancen.