Der Cottbuser Bau-Gewerkschafter Mathias Kalusniak ist sauer. „Das zeigt wieder einmal, dass die Interessen von Banken und Aktionären wichtiger sind als der Erhalt von Arbeitsplätzen“ , schimpft der Geschäftsführer des Bezirksverbandes Südbrandenburg der IG Bau. In Cottbus beschäftige der insolvente Konzern rund 150 Mitarbeiter in den Bereichen Schlüsselfertigbau sowie Ingenieur- und Brückenbau. Aktuelle Baustellen unter Führung von Walter Bau gebe es derzeit nicht in der Lausitz und dem Elbe-Elster-Land. Zuletzt war der Konzern federführend beim Bau des Vattenfall-Verwaltungsgebäudes in Cottbus und der Lausitztherme Wonnemar in Bad Liebenwerda. Bei beiden Projekten klagten Lausitzer Subunternehmer über die Zahlungsmoral des Konzerns und offene Forderungen.
Die Lausitzer Beschäftigten von Walter Bau sind derzeit unter anderem am Bau der Strelasundquerung von der A 20 zur Insel Rügen beteiligt. Das größte Brückenbauvorhaben Deutschlands ist nach Informationen der Autobahnbaugesellschaft Deges nicht gefährdet. Auch der Bau des City-Tunnels in Leipzig, für den Mitte Januar der Bauauftrag vergeben worden war, ist nach Aussage des sächsischen Wirtschaftsministeriums nicht in Gefahr.

Handwerkskammer schaltet Hotline
Die Handwerkskammer Leipzig schaltete eine Hotline für Unternehmen, die mit Walter Bau Geschäftsbeziehungen unterhalten. Unter 0341 / 21 88 312 geben Berater der Kammer erste Hinweise zum Umgang mit dem Baukonzern beziehungsweise erfassen den Grad der Betroffenheit.
Die Deutsche Bahn prüft derzeit noch Auswirkungen der Walter-Bau-Pleite auf ihre Bauprojekte. Sie war von Walter Bau massiv angegriffen worden: Sie schulde dem Konzern über 100 Millionen Euro und sei hauptverantwortlich für seine Schief-lage. Die offenen Forderungen des Konzerns - überwiegend aus öffentlichen Aufträgen - waren mit insgesamt 450 Millionen Euro beziffert worden, der kurzfristige Liquiditätsbedarf mit 150 Millionen Euro. Die sollten aus einer Zwischenfinanzierung kommen, wenn der Sanierungsplan Zustimmung bei den Gäubigern findet. Die Einigung mit den 27 Gläubigerbanken gelang jedoch nicht. Auch der Rücktritt des Aufsichtsratschefs und Firmengründers Ignaz Walter half nicht.

Hoffnung auf Erhalt vieler Jobs
Von der Insolvenz sind die Tochterfirmen Walter-Heilit Verkehrswegebau, DSI Dywidag Systems International, DIG Dywidag International GmbH sowie die Dyckerhoff & Widmann Linz nicht betroffen.
Die Politik hofft auf eine Rettung möglichst vieler Jobs. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) erklärten, sie gingen davon aus, dass Insolvenzverwalter Werner Schneider "wesentliche Teile des Konzerns und möglichst viele Arbeitsplätze sichern und erhalten" könne. Schneider war bereits bei Pleiten wie Infomatec, den Kögel Fahrzeugwerken, der Kloster Andechs Gastronomie und Fairchild Dornier im Einsatz. (Eig. Ber./B.M./dpa/afp)

Hintergrund Der Walter-Bau-Konzern
  Walter Bau gilt mit rund 9500 Beschäftigten als Deutschlands drittgrößtes Bauunternehmen. Gegründet wurde es 1978 von Ignaz Walter. In den Jahren 1999 bis 2001 fusionierte die Walter Bau-AG mit den Schwesterunternehmen Heilit+Woerner und Dywidag.
Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten ist Walter Bau vor allem auf dem schwierigen Inlandsmarkt aktiv. Im ersten Halbjahr 2004 machte das Unternehmen vor Steuern und Zinsen einen Verlust von 29,4 Millionen Euro.
Zu den Kernbereichen von Walter Bau gehören der Schlüsselfertigbau, der Verkehrswegebau, die Vorspann- und Geotechnik sowie der internationale Infrastrukturbau. Bekannte Projekte waren die Sanierung des Berliner Olympiastadions, die U-Bahnen in Amsterdam und Delhi sowie ein Riesen-Staudamm in Australien.