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Wäsche für Schwarze-Pumpe-Boden

Altlasten, die das Gaskombinat Schwarze Pumpe hinterlassen hat, sollen ab September 2018 beseitigt werden.
Altlasten, die das Gaskombinat Schwarze Pumpe hinterlassen hat, sollen ab September 2018 beseitigt werden. FOTO: LR/privat
Spremberg. Bis 1990 sind drei Heizkraftwerke und Brikettfabriken sowie Tanklager, eine Kokerei und ein Gaswerk vom VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe in Spremberg in Betrieb gewesen. Geblieben vom einst florierenden Unternehmen, das 90 Prozent des in der DDR benötigten Stadtgases erzeugt hat, ist ein mit Benzol und Phenol verseuchter Boden. Lydia Schauff

Der Bergbausanierer Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hat dem Boden, auf dem das Gaswerk mal stand, nun eine Wäsche, oder genauer: eine Reinigung, verordnet. Auf einer Fläche von 45 000 Quadratmetern soll das Erdreich ab September 2018 von den Altlasten befreit werden. Übernommen wird der Auftrag von einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus der Schrobenhausener Firma Bauer Resources und dem Iserlohner Lobbe Industrieservice, der mit einer Niederlassung in Spremberg räumlich nah dran an dem Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 57 Millionen ist.

Während Bauer die erdbautechnischen Maßnahmen übernimmt, wird Lobbe eine vakuumthermische Bodenreinigungsanlage (VTRA) bauen. Ralf-Peter Teschner, Leiter des Lobbe-Betriebs in Spremberg: "Für unser Projektteam in Schwarze Pumpe werden wir von Spremberg aus technische, logistische und personelle Unterstützung beisteuern. Die Vorbereitungen laufen bereits."

Rund 28 000 Tonnen Erdreich sollen bis 2022 gereinigt werden. Dafür wird der Boden bis zu einer Tiefe von 14 Metern ausgehoben und in der VTRA-Anlage gesäubert. Durch veränderte Druckverhältnisse mithilfe einer Vakuumpumpe, Temperaturen um die 300 Grad und Dampf werden die Schadstoffe aus der kontaminierten Erde "ausgetrieben". Bei normalem Druck liegt der Siedepunkt von Kohlenwasserstoffen bei 600 Grad, durch das obige Verfahren wird der Siedepunkt verringert. Die heiße Luft wird abgekühlt, es schlägt sich destilliertes Wasser ab. Die Schadstoffe lagern sich darin ab. Das Destillat wird aufgefangen und entsorgt. Der gereinigte Boden wird anschließend am Ursprungsort wieder "eingebaut".

Fokus der Maßnahme ist nicht das Erdreich, sondern das Grundwasser: "Das Ziel der Sanierungsmaßnahme besteht in der Reduzierung der Schadstoffquellen, die sich mit Sickerwasser und dem aufgehenden Grundwasser aus dem Boden lösen", heißt es von der LMBV. Denn durch das Ende des Braunkohletagebaus in der Region Spreetal steigt der Grundwasserspiegel wieder, die giftigen Stoffe könnten hineingewaschen werden und in die Umwelt über das frühere Werksgelände hinaus gelangen. Das soll mit der Maßnahme verhindert werden.

Was nach dem Abschluss der Bodensanierung auf dem Gelände passieren wird, ist laut LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber noch unklar.