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| 08:47 Uhr

Berlin
VW halbiert Ausgaben für "Dieselgate"

Die Abgas-Affäre kostete den Autobauer 2017 noch 3,2 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn steigt um drei Viertel.

Die Abgas-Affäre kostete den Autobauer 2017 noch 3,2 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn steigt um drei Viertel.

Milliardengewinne in der Bilanz, Millionengehälter für das Management: Volkswagen verdient trotz weiter drückender "Dieselgate"-Lasten deutlich mehr und will 2018 die Entwicklung beschleunigen. Geld soll vor allem in die E-Mobilität und neue Dienstleistungen fließen.

Der Kernbereich VW Pkw hat 2017 einen Betriebsgewinn von 3,3 Milliarden Euro erzielt, bereinigt um Sonderkosten für die Dieselaffäre. Im Vorjahr waren es noch 1,9 Milliarden Euro gewesen. Die finanziellen Lasten bei der Bewältigung des im September 2015 bekanntgewordenen Abgas-Skandals lagen bei 3,2 Milliarden Euro, der Hälfte der Aufwendungen von 2016. "2017 war das Jahr, in dem wir wieder in die Offensive gegangen sind", sagte Vorstandschef Matthias Müller.

Bei der Oberklasse-Tochter Audi liefen die Geschäfte ebenfalls gut. Der operative Gewinn - ohne "Dieselgate"-Sonderkosten für Rückkäufe, Nachrüstungen und juristische Risiken - stieg von 4,8 Milliarden auf 5,1 Milliarden Euro. Noch besser sah es bei Porsche aus, wo das Betriebsergebnis um 6,9 Prozent auf 4,14 Milliarden Euro stieg.

Bis Ende 2022 sollen batterie-elektrisch angetriebene Fahrzeuge an weltweit 16 Standorten gebaut werden. Derzeit sind es drei. Eine eigene Herstellung von Batteriezellen sieht Müller nicht: "Das ist nicht unsere Kernkompetenz, das können andere besser." Er bekräftigte, dass es in der Dieselkrise in der gesamten Branche Defizite gab: "Wir bei Volkswagen wissen, dass wir selbst dafür mitverantwortlich sind, dass sich diese Debatte derart zugespitzt hat. Wir wissen aber auch, dass unser Unternehmen und unsere Branche insgesamt Teil der Lösung sein muss und sein kann." Mittlerweile seien mit Hilfe der Umweltprämie mehr als 160.000 Kunden auf moderne Fahrzeuge umgestiegen.

Wie Daimler und BMW hat VW in den USA von der Steuerreform profitiert. Die Neubewertung bestimmter Bilanzposten habe einen positiven Effekt von rund einer Milliarde Euro auf den Nettogewinn gehabt, sagte Finanzvorstand Frank Witter.

Kritik am deutschen Regierungskurs, Autobauer nicht zu Hardware-Nachrüstungen für alte Diesel zu zwingen, kam aus der Bundestags-Opposition. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte: "Während die Aktionäre und Manager sich mit Rekordgewinnen und Boni die Taschen vollstopfen, soll für die Umrüstung der Diesel kein Geld da sein."

Im Zusammenhang mit der Dieselaffäre haben Verbraucherschützer vor einer Verjährung der Schadensersatzansprüche von Volkswagen-Besitzern Ende des Jahres gewarnt. Dagegen müsse bei der Ausarbeitung der geplanten Musterfeststellungsklage Vorsorge getroffen werden, forderte der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV), Klaus Müller. "Das Gesetzgebungsverfahren muss noch im März eingeleitet werden." Andernfalls drohten die Ende 2018 auslaufenden Ansprüche zu verfallen. Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, das Gesetz zur Musterfeststellungsklage bis 1. November in Kraft treten zu lassen. Nur anerkannte Verbände sollen eine Musterklage einreichen können. Dafür müssen sie mindestens zehn belegte und gleich gelagerte Fälle aufführen. Gibt ein Gericht nach Prüfung dieser zehn Fälle grünes Licht, müssen sich binnen zwei Monaten mindestens 50 Geschädigte in ein Klageregister eintragen, damit die Fälle vor Gericht kommen.

Die Gespräche über die Verkleinerung und Neuausrichtung des VW-Händlernetzes kommen nach Einschätzung des Händlerverbandes nur schleppend voran. Nach mittlerweile vier Gesprächsrunden seien die Positionen noch weit auseinander, sagte der Chef des Volkswagen- und Audi-Partnerverbandes, Dirk Weddigen von Knapp. Die Verhandlungen könnten sich bis ins zweite Halbjahr hinziehen. Ende Januar hatte VW-Marken-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann angekündigt, die Verträge mit europaweit rund 3500 Handelspartnern zum Ende des ersten Quartals zu kündigen. Die neuen Verträge sollten nach zweijähriger Kündigungsfrist ab April 2020 gelten.

(dpa)