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| 02:39 Uhr

VW-Aktionäre könnten leer ausgehen

Viele Baustellen bei VW. Möglicherweise zählt nun auch noch die Dividendenzahlung dazu.
Viele Baustellen bei VW. Möglicherweise zählt nun auch noch die Dividendenzahlung dazu. FOTO: dpa
Wolfsburg. Die Folgen des Abgas-Skandals dürften auch die VW-Aktionäre zu spüren bekommen. Dass der Konzern angesichts drohender Milliardenkosten weniger zu verteilen hat, ist klar. Fällt die Dividende womöglich ganz aus? Heiko Lossie, Marco Hadem und Felix Frieler

Die VW-Aktionäre müssen angesichts drohender Milliardenstrafen im Abgas-Skandal einen Totalausfall bei der Dividende fürchten. Es stehe noch nichts endgültig fest, "aber es gibt keinen Hinweis, dass es auch nur Hoffnung auf einen Cent gibt", sagte ein VW-Aufsichtsratsmitglied am Dienstag.

Ein VW-Konzernsprecher sagte auf Anfrage lediglich: "Wir werden uns am 28. April im Rahmen unserer Bilanzpressekonferenz zu Details unserer Geschäftszahlen äußern." Die Börse strafte Europas größten Autobauer am Dienstag schon mal ab. Gegen den Aufwärtstrend im Dax und in der europäischen Autobranche gaben die VW-Vorzugsaktien am Vormittag um knapp 1,5 Prozent nach.

Niedersachsen besorgt

Der zweitgrößte VW-Aktionär Niedersachsen blickt mit Sorge, aber ohne Panik auf einen möglichen Ausfall bei der Dividende des Autobauers. "Es gäbe keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Landeshaushalt", teilte die Staatskanzlei auf Anfrage mit. Das Land hält jede fünfte VW-Stammaktie, an denen die Stimmrechte und damit die Einflussmöglichkeiten in dem Konzern hängen. Vor einem Jahr hatte Niedersachsen 285 Millionen Euro Dividende eingestrichen.

Auch in den Rekordjahren zuvor war das Füllhorn stets bestens bestückt. Für 2014 zahlte der Konzern für jede VW-Stammaktie 4,80 Euro, für jede Vorzugsaktie 4,86 Euro Dividende. Insgesamt schüttete Volkswagen zuletzt rund 2,3 Milliarden Euro seines Gewinns an die Aktionäre aus. Größter Anteilseigner ist die Porsche SE, die von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird. Neben Niedersachsen hält auch der Staatsfonds des Emirats Katar ein großes Aktienpaket.

Niedersachsens landeseigene Beteiligungsgesellschaft Han BG, bei der der Großteil des VW-Besitzes liegt, parkte die Dividenden zuletzt. Daher bereitet ein Dividendenausfall, womöglich gar ein Totalausfall, dem Land keine Kopfschmerzen. Schon beschlossene Projekte seien für die Folgejahre durch die vorherigen Dividendenzahlungen "komplett ausfinanziert". Das Land besitzt auch Anteile an anderen Unternehmen, darunter der Stahlhersteller Salzgitter oder die Landesbank Nord-LB.

Die Staatskanzlei betonte, Niedersachsen sei bei Volkswagen ein "strategischer Investor, der an einer langfristigen und stabilen Unternehmens- und Beschäftigungsentwicklung interessiert ist". Jeder fünfte der weltweit 600 000 Konzern-Jobs liegt zwischen Harz und Nordseeküste. Das Land hängt an VW.

Wichtigster Faktor für oder gegen eine Dividendenzahlung sei die Frage, wie hoch der Konzern das finanzielle Risiko der Abgas-Krise in den USA in seiner Jahresbilanz Ende April veranschlagt, hieß es. Börsenexperten halten zwar noch etwa ein Drittel der vorherigen Dividende von knapp fünf Euro für möglich, was etwa 1,50 Euro pro Anteilsschein wären. Zu den möglichen Belastungen in den USA sagte ein VW-Aufsichtsrat: "Wahrscheinlich wäre ein Wert zwischen 20 und eher 30 Milliarden Euro. Und dann wird es sehr eng für die Dividende."

Volkswagen steckt derzeit mitten in einer schweren Krise. Der Autobauer versteckte in weltweit elf Millionen Dieselwagen eine Software, die Abgastests der Behörden austrickst. Im Realbetrieb blasen die Autos ein Vielfaches an schädlichen Abgasen in die Luft. Volkswagen führte Kunden und Überwacher an der Nase herum.

Teure Klagen

Die Folgen sind dramatisch. Unter anderem verklagten die USA VW. Die US-Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) teilte am Dienstag in Washington mit, ein Verfahren wegen irreführender Werbung eingeleitet zu haben. Die Behörde wirft VW vor, von 2008 bis 2015 mehr als 550 000 Diesel unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in den USA verkauft zu haben. "Unsere Klage fordert Entschädigung für die Verbraucher, die diese Wagen aufgrund betrügerischer und unfairer Praktiken gekauft haben", erklärte FTC-Leiterin Edith Ramirez.

Insgesamt drohen Strafen im mittleren zweistelligen Milliardenbereich - das entspricht der Gewinnkraft des VW-Konzerns aus mehreren Jahren.