Dieser habe den Aufsichtsrat vor Gefahren für den Kurs der T-Aktie durch überteuert eingekaufte Firmen gewarnt. Finanzministerium und Telekom dementierten die Vorwürfe. Wolfang Gerke, Mitglied der Börsensachverständigenkommission und Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, forderte eine lückenlose Aufklärung zum möglicherweise "größten Emissionsbetrug der deutschen Börsengeschichte".

Zukäufe zu hoch bewertet
Report Mainz berief sich bei seinen Vorwürfen auf Äußerungen Kröskes und Vorlagen für den Aufsichtsrat, in dem auch ein Vertreter des Bundesfinanzministeriums sitzt. Kröske hat demnach in einem Schreiben vom September 1999 vor einem "Kapitalmarktspiel" gewarnt. Grund war eine seiner Ansicht nach zu hohe Bewertung von Zukäufen wie dem britischen Mobilfunkbetreiber One2One. Für dessen im August 1999 verkündete Übernahme zahlte Telekom-Chef Ron Sommer rund zehn Milliarden Euro. Kröske habe jedoch nur fünf Milliarden Euro für angemessen gehalten, berichtete Report. Dem ARD-Magazin zufolge fanden sich beide Bewertungen auch in einem Beschlussantrag für eine Aufsichtsratssitzung, die im Sommer 1999 stattfand.
Die Telekom bestreitet, dass Kröskes Bedenken in den Aufsichtsrat gelangt sind. Auch ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bekräftigte: "Eine abweichende Meinung wie die von Herrn Kröske hat den Aufsichtsrat nicht erreicht." Kröske, der laut Report damals selbst an der Sitzung teilnahm, sagte dagegen in der Sendung, dem Aufsichtsrat sei bekannt gewesen, "dass es unterschiedliche Auffassungen über One2One" gab.
Damit wäre auch der Bund bei der später erfolgten Entscheidung über den Börsengang und den Ausgabekurs über Risiken für den Kurs der T-Aktie informiert gewesen.
Der Bund hatte beim dritten Börsengang am 19. Juni 2000 rund 230 Millionen T-Aktien ausgegeben und nahm dadurch die Rekordsumme von 15,3 Milliarden Euro ein. Danach fiel der Kurs der Aktie bald deutlich unter den Ausgabepreis für die neuen Anteilsscheine von 66,50 Euro.
Nach Kröskes Einschätzung bestand die Gefahr, dass der Kurs der T-Aktie schon im Sommer 1999 nicht mehr durch den tatsächlichen Unternehmenswert getragen wurde. "Die Lücke zwischen Realität (Cash-flow-Basis) und Kurs (Phantasie, Multiples-Basis) wird immer größer", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) aus dem Schreiben des Finanzvorstandes. Kröske verließ Ende 1999 das Unternehmen. Er hatte sein Ausscheiden schon im März 1999 angekündigt.

Akribische Prüfung gefordert
Es müsse "mit Akribie und Neutralität" geprüft werden, ob es der Bund und die Telekom im Emissionsprospekt für den Börsengang versäumt haben, auf kursrelevante Risiken hinzuweisen, forderte Gerke in der "FAZ". "Eindringliche Warnungen vor einem weiteren Börsengang und vor riskanten Beteiligungen, mit denen die Telekom in eine schlechtere Risikoklasse abrutschte, wurden vor der Öffentlichkeit geheim gehalten."
Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre dies "ein schwerwiegender Vorgang", erklärte der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, in Berlin. Dann müsse Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) die politische Verantwortung übernehmen.