Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) warf den Lkw-Herstellern vor, die Grenzwerte-Bestimmungen durch Manipulation der Motoren gezielt zu unterlaufen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Lastwagenhersteller MAN Nutzfahrzeuge wiesen das gestern zurück.
Trittins Ministerium kritisierte, die Industrie habe "offenbar mit Hilfe moderner elektronischer Motorregelung die Messvorschriften der Euro-II-Norm systematisch umgangen". Dadurch hielten Euro-II-Lkw zwar im vorgeschriebenen Test die Grenzwerte ein, nicht aber im Praxisbetrieb auf der Straße. Im Vergleich zur Euro-I-Norm stoßen die neueren Lkw-Motoren nach einer Untersuchung des Umweltbundesamtes nicht wie vorgeschrieben ein Viertel weniger, sondern bis zu 30 Prozent mehr Stickoxide aus.
Für Lastwagen, die die Euro-II-Norm erfüllen, werden deutlich weniger Steuern als für Euro-I-Lkw fällig. Nach Angaben des Ministeriums steigt aber bei der Einhaltung der Stickoxid-Grenzwerte der Spritverbrauch. Damit erhöhen sich die Kosten für die Transportunternehmen.
Weder dem VDA noch MAN liegen nach deren Angaben Ergebnisse der Studie vor. Ein MAN-Sprecher betonte in München: "Wir haben unsere Motoren nicht manipuliert." DaimlerChrysler gab keine Stellungnahme ab, die Studie sei dem Konzern unbekannt.
In einem Brief wirft Trittin dem VDA-Präsidenten Bernd Gottschalk einen "Vertrauensschaden" vor. Die Bevölkerung sei davon ausgegangen, dass mit Einführung der Euro-II-Motoren die Schadstoffe reduziert worden sind. Euro-II-Motoren werden zwar nicht mehr produziert, von ihnen wird aber immer noch 60 Prozent der Lkw-Fahrleistung auf deutschen Straßen erbracht. Seit Oktober 2000 ist die Euro-III-Norm verbindlich. Trittin forderte die Hersteller auf, Nachweise zu liefern, wie hoch die Schadstoffemissionen von Euro-III-Lkw im realen Straßenbetrieb sind. (dpa/rb)