Bisher gilt es als normal, dass elektrischer Strom aus Großkraftwerken, Wind- und Solarparks sowie Biomasse-Kraftwerken komplett durch die Übertragungs- und Verteilnetze der großen deutschen Netzbetreiber zu jedem Verbraucher überall im Land transportiert werden. Dabei gelten die zeitweilig riesigen Mengen von Wind- und Solarstrom vor allem aus Ostdeutschland als Problem, weil sie wegen fehlender Leitungskapazitäten nicht zu Verbrauchern beispielsweise in Süddeutschland geleitet werden können. Stattdessen werden Windparks kurzerhand abgeschaltet, denn nach wie vor stockt der Ausbau großer Fernleitungstrassen.

Strom aus der Region für die Industrie in der Region

Gemeinsam mit dem Chemieunternehmen BASF Schwarzheide plant die MitnetzStrom daher jetzt den Aufbau eines flexiblen, regionalen Strommarktes, bei dem es gleich mehrere Gewinner geben könnte.

Die Grundidee besteht darin, dass Strom aus erneuerbaren Energien, der in der Lausitz erzeugt wird, zur Versorgung des Industrieparks in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) vorrangig genutzt wird. Dabei kann kurzfristig mehr Leistung aus Wind- und Solaranlagen an den Industriepark abgegeben werden. Gleichzeitig regeln die Industriekunden dort ihren Strombedarf aus konventionellen Kraftwerken herunter. Die Flexibilität soll ihren Strom deutlich preiswerter machen. Gleichzeitig werden Entschädigungszahlungen an Betreiber von Wind- und Solaranlagen vermieden.

Zuerst müssen Millionen investiert werden

Das Pilotvorhaben, das gemeinsam mit der norwegischen Firma Nodes in der Lausitz umgesetzt werden soll, erfordert vor allem eine ausgeklügelte digitale, regionale Regelung sowie imposante Speicherkomponenten wie sie bisher im deutschen Stromnetz unüblich sind.

Angekündigt hatte das zukunftsweisende Vorhaben bereits vor zwei Wochen der Vorstandschef der BASF Schwarzheide Jürgen Fuchs. Er will auf diese Weise insgesamt 350 Megawatt installierter Leistung an erneuerbaren Energien im unmittelbaren Umfeld des Werkes direkt nutzen. Auf diese Weise kann er Firmen, die sich für eine Ansiedlung in Schwarzheide interessieren, unschlagbar günstige Strompreise bieten.

MitnetzStrom plant zur Umsetzung des Projektes für insgesamt 15,4 Millionen Euro den Neubau einer Hochspannungsleitung zwischen Großräschen und Schwarzheide. Allein in diesem Jahr sollen mehr als 6 Millionen Euro dort investiert werden, kündigte Geschäftsführer Adolf Schweer an.

Schwarzheide wird zum Strukturwandel-Vorzeigeprojekt

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