Fast lautlos rollt der Stahlgigant auf den Gleisen entlang. Dann bleibt er stehen. Ein Greifer schnappt sich zielgenau den Container, hebt ihn mit spielerischer Leichtigkeit in die Lüfte und setzt ihn ein Stück weit entfernt wieder ab. Rund 100 Männer und ein paar wenige Frauen klatschen. Sie tragen schwarze Anzüge, feine Kostüme und gelbe Schutzhelme auf den Köpfen. Es ist der 25 000. Container der Schweizer Bertschi-Gruppe. Firmenchef Hans-Jörg Bertschi hat zur Einweihung des neuen Terminals auf dem BASF-Werksgelände in Schwarzheide einen typischen Umschlagevorgang inszeniert und weder Mühe noch Kosten gescheut, um Eindruck bei Geschäftspartnern, Kollegen und Politikern zu hinterlassen.

Der Portalkran mit einer Spannweite von 92 Metern und einer Hublast von 40 Tonnen, die sechs Umschlage-Gleise sowie ein Gefahrenstoff-Lager sind ab sofort einsatzbereit und sollen den Lausitzer Standort weiter stärken und zu einem vorerst europäischen Drehkreuz ausbauen, sagt Firmenchef Bertschi in Schweizerdeutsch seinen Gästen vor der Kranshow. Die Region sei mit dem vergrößerten Terminal jetzt auch direkt im Seehafen-Handelsverkehr mit mindestens drei Abfahrten pro Woche an Hamburg und Bremerhaven angebunden. Zudem gebe es nun die Verbindung nach Südosteuropa und in die Türkei. Schwarzheide habe sich zum Drehkreuz für intermodale Verkehre - also dem Transport eines Containers mit mindestens zwei verschiedenen Fahrzeugen - entwickelt.

Der Unternehmer rechnet sich aber offenbar auch Chancen auf dem weltweiten Mark aus. Hoffnungen setze er auf den von der Asia Infrastructure Investment Bank geplanten Ausbau der Seidenstraße zwischen China und Europa. Testtransporte laufen bereits über diese Achse - aktuell auch über Schwarzheide. "Schwarzheide kann auch das Tor nach Asien sein", kündigt Bertschi an.

Mit dem neuen Terminal ist der Standort gut vorbereitet. Auf 120 000 Transporteinheiten ist die Umschlagkapazität erweitert worden, was einer Verdopplung gleichkommt. Die Abstellkapazität wurde sogar verdreifacht. Neu ist auch das mit dicken Betonwänden abgetrennte Gefahrenstoff-Lager, mit dem laut Bertschi eine Marktlücke in der Region geschlossen werde. Rund 15 Millionen Euro hat der gesamte Bau gekostet. Etwa 40 Prozent davon bekam das Unternehmen nach eigenen Angaben als Fördermittel überwiesen. Den Rest finanzierte es selber.

Dank gab es auch deswegen von Brandenburgs Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Hendrik Fischer. "Die Erweiterung ist ein klares Bekenntnis zu Schwarzheide, der Industriestandort wird dadurch deutlich aufgewertet", lobte Fischer. Das Land habe Bertschi zwischen 1995 und 2015 mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro gefördert.

Fast einer Liebeserklärung glich die Grußrede von BASF-Chef Karl Heinz Tebel im eigenen Kulturhaussaal. Mit dem Titel "Ziemlich beste Partner" umhüllte er seine Worte. Die Kooperation mit Bertschi sei "ein hervorragendes Beispiel für eine Win-win-Situation". Beide Unternehmen hätten dabei die gleiche Vision, nämlich Maßstäbe bei der Qualität zu setzen. Der BASF-Anteil an Umschlagvolumen macht etwa 25 Prozent aus.

Die Bertschi-Gruppe ist seit 1994 mit ihrer Tochter STR GmbH auf dem BASF-Gelände aktiv. Fünf Angestellte gab es damals. Heute sind es 220 Mitarbeiter. 35 Millionen steckte Bertschi seit dem Erwerb der STR in den Standort. Am Dienstag feierte die Firma den dritten Ausbau, "der alles übersteigt", sagte Firmenchef Bertschi im Kulturhaus der BASF. "In 21 Jahren ist viel passiert, in erster Linie Erfreuliches."

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Die Bertschi AG wurde 1956 in Dürrenäsch in der Schweiz gegründet. Das Familienunternehmen beschäftigt weltweit 2300 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 600 Millionen Euro. Mit einer Flotte von 1200 Zugmaschinenund etwa 25 000 Transporteinheiten ist Bertschi führender Anbieter von Logistikdienstleistungen. Das Unternehmen hat 25 Terminals und fünf Tankreinigungsanlagen, unter anderem an seinem größten ausländischen Standort Schwarzheide. Dort firmiert die Bertschi-Tochter STR GmbH mit heute 220 Mitarbeitern.