| 02:40 Uhr

Vom Handwerker bis zur Solaranlage auf dem Dach

Beantworteten zahlreiche Leserfragen: die Steuerberater Martina Ehmke und Jens Enke.
Beantworteten zahlreiche Leserfragen: die Steuerberater Martina Ehmke und Jens Enke. FOTO: A. Brinkop
Wertvolle Tipps hat es zuletzt bei der RUNDSCHAU-Serie "Steuern sparen" gegeben. Heiß begehrt war auch das Telefonforum. Die Steuerberater Jens Enke von der Bernert & Partner GmbH und Martina Ehmke von der Ehmke & Ehmke Treuhand Niederlausitz GmbH beantworteten mehr als 40 Leserfragen. Eine Auswahl. Rüdiger Hofmann

Muss ich als Rentner eine Steuererklärung machen?
Wenn man vor 2005 bereits Altersrente bezogen hat, fällt bei Renten bis etwa 1500 Euro brutto im Monat keine Einkommensteuer an, sofern keine weiteren Einkünfte vorliegen. Ab 2005 sinkt dieser "Grenzbetrag" in Höhe von 1500 Euro wegen Rentenanpassungen jährlich um etwa zwei Prozent.

Wo kann ich eine "Nichtveranlagungsbescheinigung" beantragen?
Eine "Nichtveranlagungsbescheinigung" kann von Personen beantragt werden, die voraussichtlich keine Einkommenssteuer bezahlen müssen oder die die Zahlung von Kapitalertragssteuer bei Geldanlagen vermeiden wollen. Das betrifft in der Regel Rentner oder Steuerpflichtige mit geringem Einkommen. Hierfür reicht ein formloser Antrag beim Finanzamt. Lohnsteuerhilfevereine oder Steuerberater können helfen. Eine "Nichtveranlagungsbescheinigung" wird für drei Jahre ausgestellt und muss dann neu geprüft werden. Sollten sich die persönlichen Verhältnisse ändern (z. B. durch einen Lottogewinn, eine Erbschaft), muss eine Änderungsmitteilung beim Finanzamt erfolgen, da man in diesen Fällen zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sein kann.

Kann ich als Arbeitnehmer Weiterbildungskosten als Werbungskosten geltend machen?
Steuerpflichtige Arbeitnehmer können Fortbildungskosten in voller Höhe als Werbungskosten geltend machen. Die Ausgaben für eine erste Ausbildung oder ein Erststudium ohne Ausbildungsdienstverhältnis können bis zu 6000 Euro jährlich als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden.

Ist eine Steuererklärung notwendig, wenn man Elterngeld bezieht?
Wenn man in dem abzurechnenden Jahr keine weiteren Einkünfte hatte, muss keine Erklärung gemacht werden. Gab es weitere Einkünfte (auch für den Partner/die Partnerin), kann eine Steuererklärung erforderlich sein, weil das Elterngeld dem sogenannten Progressionsvorbehalt unterliegt. Das bedeutet, es wird gegebenenfalls auch mit einer geringen Steuer belegt.

In welcher Form können Eltern die Ausbildungskosten ihrer Kinder geltend machen?
Solange Kindergeld bezogen wird oder der Kinderfreibetrag geltend gemacht wird, kann der Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924 Euro je Kalenderjahr geltend gemacht werden, wenn das Kind auswärtig untergebracht und volljährig ist. Wird kein Kindergeld mehr bezogen und kann auch kein Kinderfreibetrag mehr geltend gemacht werden, ist der Abzug von Unterhaltsaufwendungen möglich. Für 2014 sind das maximale Aufwendungen in Höhe von 8354 Euro.

Beteiligt sich der Staat an Handwerkerleistungen?
Ja. Wer Handwerker in seinem Eigenheim oder seiner Wohnung tätig werden lässt, kann bis zu 6000 Euro mit 20 Prozent, also maximal 1200 Euro im Jahr bei der tariflichen Einkommensteuer, verrechnen. Allerdings beteiligt sich der Fiskus nur an Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Hierbei geht es um Schönheitsreparaturen wie Tapezieren von Wänden oder die Arbeitsleistung beim Austausch einer Einbauküche. Nicht begünstigt sind Neubaumaßnahmen. Das sind alle Arbeiten, die im Zusammenhang stehen mit der Errichtung eines Eigenheimes bis zu dessen Fertigstellung. Generell gilt: Handwerkerleistungen immer bargeldlos bezahlen.

Wie können Pflegeleistungen abgerechnet werden?
Steuerzahler können Ausgaben für die Pflege von Angehörigen als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, dass haushaltnahe Dienstleistungen die tarifliche Einkommensteuer mindern. Der Höchstbetrag beträgt 20 000 Euro und kann mit 20 Prozent, also maximal 4000 Euro, bei der tariflichen Einkommensteuer verrechnet werden.

Kann man Minijobs bei der Steuererklärung abrechnen?
Für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, bei denen es sich um geringfügige Beschäftigungen handelt, ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer um 20 Prozent, höchstens aber um 510 Euro, das entspricht einem Höchstbetrag der Aufwendungen von 2550 Euro jährlich.

Wie kann man als Arbeitnehmer seine Fahrtkosten abrechnen?
Wer mit dem eigenen oder zur Nutzung überlassenen Pkw von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte unterwegs ist, kann 0,30 Euro pro Kilometer abrechnen, allerdings nur für die einfache Entfernung. Bei Fahrten mit dem Motorrad, dem Fahrrad, als Mitfahrer in einer Fahrgemeinschaft, als Fußgänger oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln können 0,30 Euro pro Entfernungskilometer, aber maximal 4500 Euro, abgerechnet werden. Weiterhin bietet es sich an, eine Alternativrechnung mit den tatsächlichen Kosten vorzunehmen, falls diese höher sind als die Entfernungspauschale.

Wenn man Fotovoltaik-Anlagen installiert, muss man dann Umsatzsteuer abführen?
Grundsätzlich ja. Jeder Betreiber einer Fotovoltaik-Anlage, der in das öffentliche Netz Energie einspeist, wird unternehmerisch tätig, da er nachhaltig Leistungen gegen Entgelt ausführt. Viele Gemeinden fordern ebenfalls eine Gewerbeanmeldung für das Betreiben solcher Anlagen. Dem Finanzamt sollte die Installation der Fotovoltaik-Anlage mitgeteilt werden. Man erhält dann vom Finanzamt eine Umsatzsteuernummer. Zudem muss in der Regel zu Beginn monatlich, später gegebenenfalls vierteljährlich - eine Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben werden. Zusätzlich zu der im EEG festgelegten Einspeisevergütung erhält jeder Betreiber für den Solarstrom vom Netzbetreiber 19 Prozent Umsatzsteuer. Diese muss ans Finanzamt abgeführt werden. Im Gegenzug kann die komplette Umsatzsteuer, die für die Investition und für laufende Aufwendungen anfällt, abgezogen werden (sogenannte Vorsteuer).