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Volltreffer in Elsterwerda

Einen ganzen Schwung Deckel für Margarinedosen hat Mitarbeiterin Iris Wagner im Gizeh-Werk Elsterwerda im Griff. Das Gros der Verpackungen aus Elsterwerda ist für Kunden aus Großbritannien bestimmt. An zweiter Stelle steht Italien, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden. Demnächst soll für Irland produziert werden.
Einen ganzen Schwung Deckel für Margarinedosen hat Mitarbeiterin Iris Wagner im Gizeh-Werk Elsterwerda im Griff. Das Gros der Verpackungen aus Elsterwerda ist für Kunden aus Großbritannien bestimmt. An zweiter Stelle steht Italien, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden. Demnächst soll für Irland produziert werden. FOTO: Veit Rösler
Auf die Naschkatzen und Feinkost-Liebhaber in Europa ist Verlass. Während sie sich genüsslich durch Schoko-Kugeln, Eis und Salate schlemmen, bekommen die Gizeh-Mitarbeiter in Elsterwerda (Elbe-Elster) immer mehr zu tun. Vor gut drei Jahren hat das familiengeführte rheinländische Unternehmen Gizeh-Verpackungen hier die Produktion von hochwertigen Kunststoffbechern für Süßwaren, Feinkost, Eis und Margarine aufgenommen. Das sichert heute 86 Arbeitsplätze – viermal so viel wie Mai im 2004. Hinzu kommen sechs Ausbildungsplätze. Von Beate Möschl

Das jüngste Tochterunternehmen von Gizeh hat schneller laufen gelernt als gedacht. Und es ist auf dem Weg, die nächste Wachstumsgrenze zu durchstoßen. Für Ralf Jung, Geschäftsführender Gesellschafter der Gizeh-Gruppe, ist das eine Entwicklung, „wie wir sie uns so schnell nicht erträumt hatten“ . Statt neun Maschinen laufen heute 34. Das Werk gilt als der modernste Spritzgusstechnik-Standort in Zentraleuropa. Mehr als 30 Millionen Euro hat das international agierende Unternehmen dafür in Elsterwerda bereits investiert. „Bis Anfang 2008 werden sich die Investitionen auf rund 40 Millionen Euro summieren“ , berichtet Jung. Bis dahin soll die Silo-Kapazität zur Bevorratung mit Kunststoffgranulat verdoppelt und die 35. Spritzgussmaschine in der Gizeh-Halle im Gewerbegebiet Ost installiert werden.

Schnell und gut eingefuchst
Parallel dazu läuft für einen namhaften deutsch-italienischen Süßwarenhersteller eine neue Verpackungsform an. Die erste Testproduktion aus Elsterwerda liegt ihm zur Prüfung vor. „Wenn wir den Zuschlag bekommen und die Verpackung bei den Kunden gut ankommt, dann werden wir schon im Spätsommers drei bis vier zusätzliche Mitarbeiter einstellen müssen“ , kündigt der Gizeh-Chef an.
Er ist stolz auf seine Elsterwerdaer Mannschaft, die sich so schnell ins Metier eingefuchst hat und mit ihrem Können weitere Nachfrage auslöst. Auf 25 Prozent ist 2006 der Umsatzanteil der Elsterwerdaer bei Gizeh gestiegen. 2005 lag er bei 20 Prozent. Damals erreichte die Jahresproduktion der Gruppe rund zwei Milliarden Stück Kunststoffverpackungen. Im vergangenen Jahr haben die Gizeh-Betriebe bereits an der Drei-Milliarden-Marke gekratzt. „In diesem Jahr werden wir die Marke deutlich überschreiten“ , kündigt Jung an. Damit liege die Unternehmensgruppe deutlich über dem Branchentrend. In Elsterwerda werde der Umsatz in diesem Jahr voraussichtlich auf 23 bis 28 Millionen Euro steigen nach 20 Millionen Euro 2006. „Die Konzentration auf hochwertige Verpackungen zahlt sich aus.“

Nur das Beste ist gut genug
Hochwertig heißt, das Auge isst mit, schon die Verpackung soll Appetit machen, erklärt Werkleiter Dr. Axel Walter. So dürfen die überwiegend transparenten ovalen, runden und eckigen Becher und Dosen keine Schlieren und Lufteinschlüsse aufweisen. Nur das Beste ist gut genug für den Kunden. Für auserlesene Spezialitäten lassen die Elsterwerdaer dank modernster Technik auch mal aufwendige Facettenmuster blitzen - ähnlich geschliffenem Glas. Margarine oder Eiscreme dürfen in Behältnisse, die nicht transparent sein, dafür aber der jeweiligen Beanspruchung standhalten müssen, „ohne spröde zu werden und Luft an den Inhalt zu lassen“ , schildert Walter.
Der ehemalige Chef des Campina-Milchwerkes Elsterwerda weiß, worauf es bei der Lebensmittelverpackung ankommt. Deshalb hat Jung dem Elsterwerdaer auch die Zertifizierung nach BRC-Standard in die Hände gelegt. Mit Erfolg. Seit 2006 ist das Werk zertifiziert. Sinnbildlich ist damit bestätigt, dass sich im Werk vom Fußboden essen ließe. Selbst der Hof zwischen Produktions- und Lagerhalle ist asphaltiert, damit kein Staub in die Verpackungen gerät, die hier palettenweise in Lkw oder ins Lager gestapelt werden. „Im Zuge der Zertifizierung nach dem derzeit anspruchsvollsten Standard für Lebensmittelverpackungen haben wir uns auf ein Qualitätsniveau gehievt, mit dem wir uns jeden Kunden in Europa zutrauen“ , erklärt Jung.
Und weil das Team in Elsterwerda so gut ist, soll es nun auch mehr Verantwortung übernehmen. „Wir haben das Werk produktionsseitig Schritt für Schritt erweitert. Jetzt ist es an der Zeit, es eigenständiger laufen zu lassen“ , sagt der Rheinländer. Er werde sich zwar die Steuerung des Werkes innerhalb der Gruppe vorbehalten, die innerbetriebliche Organisation und Abrechnung aber, bis hin zur technologische Optimierung und dem Vertrieb sollen die Elsterwerdaer eigenständig regeln. „Das heißt, wir werden Verstärkung brauchen. Junge Männer und Frauen mit internationalem Interesse und guten Sprachkenntnissen in englisch, aber auch französisch und italienisch sind willkommen“ , wirbt der Gizeh-Chef. „Auch Kunststoffmechaniker und Elektriker werden gesucht.“

Know-how wird weiter ausgebaut
Jung plant, das Know-how in Elsterwerda noch weiter auszubauen. Am Standort der ehemaligen Elster-Keramik richtet Gizeh bereits zusätzliche Lagerflächen für die aktuelle Produktion ein. „Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszuschließen, dass wir hier auch noch einmal eine ganz anders gelagerte Produktion aufbauen“ , sagt er. Festlegen wolle er sich noch nicht. Geplant sei bislang jedoch, einen kleinen Kunststoffrecyclingbetrieb einzurichten. Um die Abfälle aus der Produktion so hochwertig wie möglich aufbereiten und wiederverwenden zu können, schildert Jung. Das laufe unter Kosten-, Qualitäts- und Umweltaspekten „am besten in eigener Regie“ .

Hintergrund International aufgestellt und zertifiziert
 Die Gizeh Verpackungen GmbH & Co KG, Bergneustadt (Nordrhein-Westfalen), beschäftigt an fünf Standorten in Deutschland, Frankreich, Polen und der Schweiz rund 630 Mitarbeiter .
In den Werken der Gizeh-Gruppe werden im Jahr knapp drei Milliarden Kunststoffbehälter für Lebensmittel-, Süßwaren- und Kosmetikhersteller in Europa produziert und verkauft.
Kunden sind internationale Markenartikelkonzerne wie Nestlé, Danone, Unilever oder Dr. Oetker, große Molkereiunternehmen wie Campina, Zott oder Bauer sowie nationale und internationale Marktführer im Süßwaren und Feinkostbereich wie Schwartauer, Homann, Hamker und Kühlmann.