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| 20:15 Uhr

Lausitz
Volle Auftragsbücher, schlechtes Netz

Der Strukturwandel in der Lausitz und Fachkräftemangel stellen die Baubranche in der Region vor hohe Herausforderungen. Der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg sieht hier vor allem die Politik gefordert. Die sollte vor allem den digitalen Ausbau in der Region endlich massiv vorantreiben.
Der Strukturwandel in der Lausitz und Fachkräftemangel stellen die Baubranche in der Region vor hohe Herausforderungen. Der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg sieht hier vor allem die Politik gefordert. Die sollte vor allem den digitalen Ausbau in der Region endlich massiv vorantreiben. FOTO: fotolia / biker3
Lausitz. Die Lausitzer Bauwirtschaft hat volle Auftragsbücher. Die Zukunftsangst in der Branche ist trotzdem groß. Um fit für die Zeit nach dem Strukturwandel zu sein, wünscht sich der Bauindustrieverband mehr Handeln von der Politik. Besonders auch im Digitalbereich.

Etwa 80 Prozent der Baubetriebe sind in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz vom aktiven Bergbau und Sanierungsbergbau abhängig. Dabei ist das für den Klimaschutz politisch verordnete Ende der Braunkohleverstromung in Deutschland weniger die Sorge der Bauunternehmen als die Ungewissheit über den Zeitpunkt des Ausstiegs.

Robert Momberg, der Hauptgeschäftsführer der Bauindustrieverbände Berlin-Brandenburg und Sachsen/Sachsen-Anhalt, fordert vom Bund endlich eine klare Antwort dazu ein.

Mit etwa 25 000 gibt der promovierte Volkswirt die Zahl der Jobs an, die in der länderübergreifenden Lausitz direkt und indirekt von der Kohle abhängen. „Die Bauunternehmer müssen sich kümmern können. Nur sie sind für den Erfolg ihrer Betriebe und die Mitarbeiter verantwortlich. Die politische Hängepartie dauert zu lange“, erklärt Momberg. Ein Datum müsse her. Und ein Masterplan für die Region. „Es gibt viele gute Ideen. Aber sie kommen nicht zusammen“, stellt er fest.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) ans Steuerrad des Strukturwandels in der Lausitz zu stellen, wie vom sächsischen Ministerpräsidenten ins Gespräch gebracht, hält der Chef der Bau-Verbände allerdings für verkehrt.

Der Staatsbetrieb mache mit vielen Steuermillionen zweifellos einen guten Job im Sanierungsgeschäft. Für das Leben nach der Kohle aber müsse die Lausitz „aus sich heraus“ wirtschaftlich breit aufgestellt werden. „Viele kleine und mittelständische Betriebe müssen in die Lage versetzt werden, gut zu sein“, betont er. Gefordert sei hier die Politik, den Rest habe der Markt zu regeln.

Robert Momberg
Robert Momberg FOTO: Stine Photography

Eine Hauptaufgabe der Bauindustrieverbände Berlin-Brandenburg und Sachsen/Sachsen-Anhalt liegt in der Schaffung kontinuierlich guter Rahmenbedingungen für die Bauunternehmen. Doch gerade im Bereich Rahmenbedingungen sieht der Verband in der Lausitz Defizite.

So vermisst der Bauindustrieverband den politischen Willen, die Digitalisierung, als Motor für die Zukunft, in der Region wirklich voranzutreiben. Der Ausbau einer starken Breitbandverorgung und von Funkanschlüssen lasse zu wünschen übrig. Laptop und Tablet sind Werkzeug auf den Baustellen.

Die digitale Disposition von Beschäftigten, Gerätschaften und Material gehört hier zum Arbeitsalltag. Auch in kleinen Unternehmen. Die Baumaschinen werden digital erfasst, die Logistik wird damit optimiert – so die schlechte Mobilfunkabdeckung in vielen Regionen Brandenburgs dies nicht verhindert. „Es gibt immer wieder Probleme, große Daten wie Pläne und Fotos von der Baustelle zu senden“, bestätigt Robert Momberg.

Zudem bewegten öffentliche Auftraggeber lieber Papier, statt die Vorteile von digital erfassten Daten und Visualsierungen per Computer zu nutzen. „Mit datenbankgestützten Verknüpfungen von geometrischen, baustofflichen, wirtschaftlichen und sonstigen technischen Daten können Planungsfehler vermieden werden. Änderungen sind für alle Beteiligten sofort verfügbar. Gerade im öffentlichen Bau“, wirbt Momberg für computerbasierte Programme wie Building Information Modeling (BIM), die beispielsweise der Baukonzern Züblin nutze.

Doch Schnittstellen in die Amtsstuben fehlen, vergabe- und vertragsrechtliche Fragen sind ungeklärt. „Deutschland ist träge, was die digitale Verwaltung betrifft. Das bremst bei uns Ressourcen. Die skandinavischen Länder und die kleine Schweiz sind uns da weit voraus“, stellt der Volkswirt fest.

Dabei sei es auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des damit einhergehenden Mangels an Fachkräften „jetzt klug, mit weniger Leuten mehr zu bewegen“. Und das könne im Wettbewerb der Regionen auch eine große Chance für die Lausitz sein – so Bund und Länder das Thema endlich richtig anpackten.

„Geld allein reicht nicht. Es muss durch den Flaschenhals der Bürokratie“, sagt Robert Momberg. Und der ist eng und teilweise verstopft. Mehrere Lausitzer Landkreise greifen derzeit zwar erfolgreich in die Fördertöpfe des Bundes, um weiße Flecken in der Internetversorgung im ländlichen Raum zu schließen. Doch der Ausbau des Glasfaserkabelnetzes kommt nicht voran.

Denn in den europaweiten Ausschreibungen, mit denen erst einmal eine Grundversorgung realisiert werden soll, werden vielfach weder Ausbaufirmen noch Betreiber gefunden. Die Übertragungsraten sind für Unternehmen, auch der Baubranche, oft viel zu gering.