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| 01:03 Uhr

Volkseigenes ganz privat

Was anfangs allen gehörte und heute niemandem, soll in neue Hände. Deshalb sucht die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) für ehemals volkseigene Äcker und Wälder Besitzer. In Südbrandenburg wurden so bereits rund 20 000 Hektar Land und 62 000 Hektar Wald verkauft. Doch noch sind etwa 58 600 Hektar nur verpachtet. Das soll sich ändern. Geht es nach der BVVG, wird dabei ein Bürgschaftsmodell helfen, über das mit dem Bundesfinanzministerium aber noch diskutiert wird. Von Peggy Kompalla

Banken geben ungern Geld aus, besonders wenn sie unsicher sind. Deshalb die Idee einer Bürgschaft, erklärt BVVG-Sprecher Reinhard Bauerschmidt. Nach bisherigen Überlegungen solle die der Bund übernehmen. „Banken sind selten bereit, für eine Landwirtschaftsfläche einen Kredit auszugeben“ , sagt Bauerschmidt. Ziel sei es deshalb, mit solch einem Modell bis 2010 den Landverkauf voranzubringen - insbesondere der Flächen, die unter das Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz (EALG) fallen. Das betrifft etwa die Hälfte der 58 600 Hektar Agrarflächen.
Deren Inhaber haben bis zum Ablaufen ihres Pachtvertrages das Anrecht, die von ihnen bewirtschafteten Flächen günstiger zu erwerben - nämlich 41,5 Prozent unter dem Verkehrswert. Die Mehrzahl dieser Verträge gelte bis 2012.
Mit dem jetzigen Vorstoß solle niemand zusätzlich unter Druck gesetzt werden. „Die auslaufenden Pachtverträge sind ohnehin Belastung genug“ , betont Jens Reise, Leiter der Cottbuser BVVG-Niederlassung. Trotzdem müsse der Verkauf angekurbelt werden. Denn sollte ein Großteil der Flächen mit einem Mal wieder auf den Markt kommen, würde das die Preise drücken. Das soll verhindert werden.
Den Immobilien-Experten sind die Sorgen der Landwirte bewusst: Da sind zum einen die laufenden Kosten für ihre Betriebe und zum anderen die Altschulden. Zudem stehen weit greifende Veränderungen von Seiten der Europäischen Union an. So werden ab 2013 die Flächenprämien vereinheitlicht. „In Regionen mit schwachen Böden wie der Lausitz wird das eine Umstellung der Produktion zur Folge haben“ , sagt Reise. „Wir gehen davon aus, dass sich die Landwirte dann mehr auf Energiepflanzen für die Gewinnung erneuerbarer Energien konzentrieren werden.“ Doch zunächst herrsche vor allem Verunsicherung. „Darauf führen wir auch die derzeitige Kaufzurückhaltung zurück“ , so Reise.

Verkaufsziele für 2005
Bis Jahresende will die BVVG nach eigenen Angaben in Südbrandenburg insgesamt 2850 Hektar Land verkaufen, davon 1600 Hektar nach den günstigeren Konditionen des EALG. Damit solle ein Erlös von rund 20,3 Millionen Euro erzielt werden - 15,9 Millionen aus dem Verkauf und 4,2 Millionen aus der Verpachtung. Die erwirtschafteten Überschüsse werden an die Bundeskasse abgeführt. Zu den größeren Verkäufen der vergangenen Jahre zählen für die BVVG rund 340 Hektar Land für die Entwicklung des Airports Berlin-Schönefeld und etwa 600 Hektar für die Errichtung des Lausitzrings.
Im Portfolio der Südbrandenburger BVVG-Niederlassung zählen zudem rund 26 000 Hektar Forstflächen. Doch im Vergleich mit anderen Regionen seien dies oft schwer zu vermarktende Wälder beispielsweise in rekultivierten Gebieten früherer Tagebaue, sagt Reise. Dort dominieren meist jüngere Kiefernbestände. Die meisten Flächen werden an Forstwirtschaftsbetriebe verkauft.

Antragsflut wegen hoher Energiekosten
Ausgerechnet die dramatisch ansteigenden Energiekosten bescheren den Immobilien-Experten eine unerwartete Antragsflut auf Waldkauf - etwa fünf in der Woche. Die Nachfrage nach kleinen Forstflächen zwischen einem und zehn Hektar sei seit einem Jahr enorm angestiegen, sagt der Cottbuser Niederlassungsleiter. „Das ist eine wahre Renaissance.“ Der Grund: „Die Leute wollen diese kleinen Flächen zur Kleinholznutzung haben, weil sie zu Hause auf eine Holzheizung umgestellt haben“ , erklärt Reise. Solche kleinen Waldstücke seien forstwirtschaftlich gar nicht nutzbar. Deshalb hilft die derzeitige Entwicklung bei der Vermarktung und macht die Privatisierer mutig. „Bis 2008 wollen wir den Wald vollständig verkauft haben“ , sagt Jens Reise.

Hintergrund Immobiliendienstleister
Die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) ist ein Immobiliendienstleister im ländlichen Raum, der seit seiner Gründung 1992 im Auftrag des Bundes in den ostdeutschen Ländern ehemals volkseigene Äcker und Wiesen, Wälder, Gebäude und Gewässer privatisiert.