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| 08:55 Uhr

Düsseldorf/Köln
Vodafone plant nach Unitymedia-Kauf Abbau von Stellen

Düsseldorf/Köln. Die Düsseldorfer Vodafone Deutschland beabsichtigt, nach dem geplanten Erwerb des Kölner Kabelunternehmens Unitymedia Stellen zu streichen. Diese Ankündigung macht Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland. "Ich möchte auch ehrlich und direkt sein", sagt er dem "Handelsblatt", "wenn es doppelte Funktionen gibt, werden wir die zur Diskussion stellen müssen." Reinhard Kowalewsky

Gemeint sind laut Insidern wie bei jeder Fusion vorrangig Stabsstellen wie Strategie, Personal oder Recht/Regulierung - der Netzausbau spielt dagegen eine vorerst noch wichtigere Rolle als bisher bei Vodafone und bei Unitymedia.

Ametsreiter, der auch im erweiterten Vorstand der Vodafone-Gruppe in London sitzt, macht deutlich, wie wichtig der Düsseldorfer Ableger für den Konzern nach dem rund 15 Milliarden Euro teuren Kauf von Unitymedia wird: "Deutschland ist mit 23 Prozent des Umsatzes der mit Abstand größte Markt in der ganzen Vodafone-Gruppe. Mit Unitymedia kämen wir auf rund 30 Prozent. Bei den Übernahmen ist die deutsche Unitymedia die deutlich teuerste. Das zeigt, welchen Stellenwert der deutsche Markt für Vodafone hat."

Er schließt auf Anfrage nicht völlig aus, dass Vodafone die Weltzentrale wegen des Brexit und wegen der immer größeren Rolle von Deutschland im Konzern nach Düsseldorf verlegt: "Das kann ich nicht kommentieren. Solche Entscheidungen werden von unserem Group-CEO und dem Aufsichtsrat getroffen."

Gegenüber unserer Redaktion sagt Ametsreiter, er würde damit rechnen, dass die EU und nicht das Bonner Bundeskartellamt sich um die viele Milliarden Euro teure Übernahme kümmert. Dabei lehnt er eine Durchleitungspflicht für Konkurrenten ab, gibt sich aber gesprächsbereit: "Wir stehen einem Dialog immer offen gegenüber."

Gleichzeitig kündigt er für die Kunden auch bei künftig deutlich schnelleren Online-Anschlüssen halbwegs erträgliche Preise an. Wenn es ab 2022 für jeden Kabel-Kunden das Angebot gäbe, einen Anschluss mit einem Übertragungstempo von einem Gigabit zu buchen, würde der Preis pro Monat "deutlich unter 100 Euro liegen", sagt er. Damit distanziert er sich davon, dass Unitymedia für Gigabit-Anschlüsse in Bochum nach einer Pilotphase mehr als 100 Euro im Monat verlangt. "Wir wollen Deutschland zur Gigabit-Gesellschaft machen", erklärt der Betriebswirt. Das Unternehmen plane, bis 2022 rund 25 Millionen Haushalten anzubieten, Internet mit bis zu einem Gigabit zu versorgen - davon könnten dann 50 Millionen Personen profitieren.

Der Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU) begrüßt diese Pläne. Sie würden helfen, das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, bis 2025 fast alle deutschen Haushalte mit Gigabit-Anschlüssen zu versorgen. "Vodafone und andere Anbieter werden rund 70 Prozent der Haushalte mit Gigabit-Anschlüssen versorgen", schätzt er. "Wir werden also die jetzigen und künftigen Fördergelder des Bundes in Höhe von rund 14 Milliarden auf die anderen Regionen Deutschlands konzentrieren. Das hilft allen."

Ametsreiter deutet an, dass die Marke Unitymedia verschwinden werde. Die Zukunft der Marke stehe "noch nicht hundertprozentig fest", sagt er zwar, "aber es würde Sinn machen, sich klar gegenüber den Kunden zu positionieren."