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Staatsanwaltschaft prüft
Verwalter: Alno wohl schon seit 2013 zahlungsunfähig

Unter dem Namen Neue Alno GmbH will der Hersteller noch im ersten Quartal neue Küchen ausliefern. Foto: Felix Kästle
Unter dem Namen Neue Alno GmbH will der Hersteller noch im ersten Quartal neue Küchen ausliefern. Foto: Felix Kästle FOTO: Felix Kästle
Hechingen. Der Küchenbauer Alno hätte nach Erkenntnissen von Verwalter Martin Hörmann deutlich eher Insolvenz anmelden müssen. dpa

Der Küchenbauer Alno ist nach Erkenntnissen von Insolvenzverwalter Martin Hörmann schon viel eher zahlungsunfähig gewesen als bislang angenommen - womöglich schon vor Jahren.

„Nach dem derzeitigen Stand der Begutachtung müssen wir davon ausgehen, dass Alno weit vor dem 12. Juli 2017 insolvenzreif, das heißt zahlungsunfähig oder überschuldet gewesen ist“, sagte Hörmann am Rande einer Gläubigerversammlung in Hechingen am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Spätestens Ende 2016, wahrscheinlich aber sogar schon im Jahr 2013 sei die Zahlungsunfähigkeit eingetreten, geht aus einem vorläufigen Bericht Hörmanns an das zuständige Gericht und die Gläubiger hervor. Die Frage des Zeitpunkts hängt letztlich davon ab, wie bestimmte Vorgaben in der Insolvenzordnung interpretiert werden. Darüber muss der Bundesgerichtshof noch grundsätzlich entscheiden.

Von den Beteiligten war am Dienstag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Alno hatte im Juli 2017 Insolvenz angemeldet. Nach monatelanger Suche fand sich kurz vor Weihnachten mit Riverrock ein Investor, der wesentliche Teile übernahm und die Küchenproduktion weiterführen will. Das Insolvenzverfahren läuft davon unberührt aber weiter. Mehr als 1000 Gläubiger haben Forderungen im Volumen von knapp 280 Millionen Euro angemeldet. Hörmann geht allerdings davon aus, dass viele davon unberechtigt sind. Mögliche Anfechtungsansprüche sieht er zudem bei einigen Zahlungen an andere Gesellschaften.

Die Suche nach einem Investor war lange Zeit von einem Streit des letzten Alno-Großaktionärs Tahoe und dem früheren Management um den langjährigen Vorstandschef Max Müller und Finanzchefin Ipek Demirtas überschattet worden. Tahoe gehört zur Prevent-Gruppe der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor und war 2016 eingestiegen. Nach der Insolvenz erhob der Investor den Vorwurf, Müller und seine Leute hätten die wahre finanzielle Lage von Alno verschleiert und die Aussichten viel zu positiv dargestellt. Müller weist das zurück und wirft seinerseits den Tahoe-Leuten Fehler vor.

Hörmanns Erkenntnisse stützen nun in gewisser Hinsicht die Sicht von Tahoe. Obwohl die Erwartungen des Vorstands mindestens seit 2014 regelmäßig deutlich unterschritten worden seien, sei daran festgehalten worden, resümiert Hörmann. „Die Absatz- und Ergebniserwartungen des Vorstands wurden in den späteren Planungen teilweise sogar noch ambitionierter“, heißt es in seinem Bericht. Und: „Die Umsatzerwartungen des Vorstands waren nicht realistisch.“

Als Alno schließlich Insolvenz anmeldete, hatte das neue, von Tahoe geschickte Management das Ruder allerdings auch schon einige Zeit in der Hand.

Strafrechtlich bewerten - im Raum steht womöglich der Vorwurf der Insolvenzverschleppung - wollte Hörmann seine Erkenntnisse nicht. Auch zu dem Streit zwischen Müller und Tahoe will er sich nicht äußern. Sein Augenmerk gelte am Ende vor allem der zivilrechtlichen Seite, sprich möglichen Ansprüchen zum Beispiel gegen frühere Vorstände. Dazu müssten aber erst alle Unterlagen endgültig ausgewertet sein, betonte Hörmann. „Da gibt es kein Schwarz und kein Weiß. Das sind hochkomplexe rechtliche Themen“, betonte er.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft den Fall Alno ohnehin bereits. Nach Auskunft eines Sprechers gibt es aber noch kein offizielles Ermittlungsverfahren.