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| 14:19 Uhr

Schutz vor Fälschungen
Cottuser Apothekerin erklärt neues Sicherheitssystem für Medikamente

 Die Cottbuser Apothekerin Hannelore Sanderhoff zeigt, wie eine neue Verpackung mit dem QR-Code bei Abgabe an den Kunden aus dem System ausgecheckt wird. Der Code enthält die individuelle Seriennummer, die Chargenbezeichnung und das Verfallsdatum.
Die Cottbuser Apothekerin Hannelore Sanderhoff zeigt, wie eine neue Verpackung mit dem QR-Code bei Abgabe an den Kunden aus dem System ausgecheckt wird. Der Code enthält die individuelle Seriennummer, die Chargenbezeichnung und das Verfallsdatum. FOTO: LR / Sybille von Danckelman
Cottbus. Der Lunapharm-Skandal um gefälschte Krebsmedikamente in Brandenburg hat im Sommer 2018 aufgeschreckt. Ein neues Sicherheitssystem soll nun verschreibungspflichtige Medikamente fälschungssicher machen. Eine Cottbuser Apothekerin erklärt, wie das geht. Von Sybille von Danckelman

Die EU-Fälschungsrichtlinie 2011/62 ist in Kraft. Sie soll Medikamente sicherer machen. Die legale Vertriebskette vom pharmazeutischen Hersteller über den Großhandel bis zur öffentlichen oder lizensierten Online-Apotheke durchläuft jetzt quasi einen Sicherheitscheck -– den hat in Deutschland die Organisation Securpharm gemeinsam mit Industrie, Großhandel und Apothekerschaft entwickelt.

Jede Packung zurückverfolgbar

Das ist neu: Der Erstöffnungsschutz soll sicherstellen, dass die Packung unversehrt ist und der Inhalt nicht ausgetauscht wurde. Ein zweidimensionaler QR-Code macht jede einzelne Packung in Europa einzigartig. „Der Anreiz, gefälschte Medikamente ins System zu bringen, dürfte damit noch geringer sein“, sagt die Cottbuser Apothekerin Hannelore Sanderhoff.

Wobei gefälschte Medikamente in der legalen Lieferkette in Deutschland ihrer Meinung ohnehin nicht das ganz große Problem sind, man müsse aufpassen, dass man die Menschen nicht unnötig verunsichere, so die 61-Jährige. Wie auch immer: Für die Apothekerin bedeutet Securpharm eine kleine vierstellige Investition in Technik und Software. 2D-Scanner mussten angeschafft, ein Update gemacht werden.

 Musterpackung nach EU-Fälschungsrichtlinie: zweidimensionaler Code und Klebesiegel als Erstöffnungsschutz. Auch eine Perforation oder verklebte Laschen sind als Öffnungsschutz möglich.
Musterpackung nach EU-Fälschungsrichtlinie: zweidimensionaler Code und Klebesiegel als Erstöffnungsschutz. Auch eine Perforation oder verklebte Laschen sind als Öffnungsschutz möglich. FOTO: securPharm/vfa

Damit der Weg vom Produzenten zum Konsumenten transparent ist, wird jede Packung bereits während der Produktion ins System eingecheckt. In der Apotheke wird sie quasi wieder ausgebucht – bei Abgabe an den Kunden wird die Packung als verkauft gemeldet. Sollte ein Code gefälscht worden sein, schlägt das europaweit vernetzte System Alarm. Entweder, weil bereits eine Packung mit derselben Nummer ausgebucht worden ist, oder weil die Seriennummer nicht im System vorliegt.

In Sanderhoffs Rosenapotheke wird die erste Kontrolle der Arzneimittel bereits beim Wareneingang gemacht. Die Versiegelung wird geprüft und der QR-Code eingelesen. Nichtabgabefähige Medizin wird sofort erkannt. Bevor ein Medikament in die Schübe einsortiert wird, ist zudem per Scan geklärt, wie lange es haltbar ist. Sanderhoff: „Das ist ein Vorteil des Codes, vorher mussten wir das Verfallsdatum händisch ins System eintragen.“

Umstellung kann einige Jahre dauern

Klar ist dann auch, ob das Medikament Altbestand ist oder die neuen Sicherheitsbestimmungen haben muss. Denn: Erst nach dem 9. Februar produzierte Arznei muss der EU-Fälschungsrichtlinie genügen. Alte Packungen können aber bis zum Ablauf ihres Verfallsdatum verkauft werden. „Es wird sich noch einige Jahre hinziehen, bis alle Medikamente umgestellt sind“, vermutet die Sprecherin der Landesapothekerkammer Brandenburg, Julia Bang.

Die Cottbuser Apothekerin Sanderhoff hofft nur, dass die Fehlerquote des neuen Sicherheitssystems gering ist. „Wenn alles läuft, ist das eine gute Sache.“ Aber was, wenn ein nachbestelltes, lebenswichtiges Medikament kurz vor Geschäftsschluss plötzlich durch den Sicherheitscheck fällt? Dann dürfe sie es nicht abgeben, malt Hannelore Sanderhoff ein mögliches Risiko aus.

Und klar ist natürlich auch: Den illegalen Markt mit Arzneimittelfälschungen kann auch Securpharm nicht in den Griff bekommen. „Doch wer sich weiterhin verschreibungspflichtige Mittel rezeptfrei im Internet bestellt, dem kann man wirklich nicht mehr helfen“, so Hannelore Sanderhoff. Denn derjenige setze schlicht und einfach seine Gesundheit aufs Spiel.