Von Dieter Keller

So teuer war Strom für Privathaushalte noch nie: 29,42 Cent kostet derzeit in Deutschland eine Kilowattstunde (kWh) im Schnitt, berichtet das Heidelberger Vergleichsportal Verivox. Von Januar bis März hätten rund zwei Drittel der 826 Grundversorger die Preise um durchschnittlich fünf Prozent erhöht. Weitere 62 Grundversorger hätten ähnlich hohe Zuschläge für April und Mai angekündigt, nur zwei senkten die Preise um zwei Prozent. In den nächsten Monaten rechnen die Verivox-Experten mit einem weiteren Anstieg.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Vergleichsportal Check24: Nach seinen Berechnungen waren 6,8 Millionen Haushalte von Preiserhöhungen um 5,2 Prozent betroffen. Für 5000 kWh, was etwa dem Verbrauch einer vierköpfigen Familie entspricht, zahlten Verbraucher im Schnitt 1459 Euro.

Die Versorger begründen die Erhöhungen mit gestiegenen Beschaffungskosten. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zahlen sie im Schnitt 50,56 Euro pro Megawattstunde. Vor zwei Jahren waren es nur 33,51 Euro. Sie haben nur auf etwa ein Fünftel des Strompreises direkten Einfluss. So viel entfällt auf die Kosten der Strombeschaffung einschließlich ihrer Dienstleistungen. Über die Hälfte machen Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Dazu gehört unter anderem die EEG-Umlage für Ökostrom, die zu Jahresanfang leicht auf 6,405 Cent je kWh gesunken ist. Gut ein Viertel zum Strompreis tragen die Netzentgelte für die Verteilung der Energie bei.

Viele Faktoren sprechen nach Ansicht des Verivox-Experten Valerian Vogel dafür, dass sich die Verbraucher auch mittel- bis langfristig auf weiter steigende Strompreise einstellen müssen: Atom- und Kohleausstieg, Elektromobilität, Netzausbau und immer mehr erneuerbare Energien. Seine Empfehlung. „Ein Anbieterwechsel kann die Kostenlast zumindest abfedern.“ Im günstigsten fairen Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen könnten 184 Euro im Jahr eingespart werden. Dann kosteten 4000 kWh im Jahr nur 1075 Euro.

Stromverträge laufen in der Regel mindestens ein Jahr. Erst danach können sich Preiserhöhungen auswirken. Kunden in der Grundversorgung, also im meist besonders teuren Basistarif, muss der örtliche Versorger mindestens sechs Wochen im Voraus informieren. Bei allen anderen Tarifen muss dies vor Ablauf der regulären Abrechnungsperiode geschehen. Dann haben die Kunden immer ein Sonderkündigungsrecht.

Der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter ist einfach und risikolos, und er dauert nur Minuten, betont das Verbraucherportal finanztip.de. Vergleichsrechner wie Check 24 und Verivox bieten eine Übersicht über günstige Tarife. Auf ihrer Basis hat Finanztip einen Stromrechner entwickelt. Der Kunde muss dem Versorger nicht kündigen; dies übernimmt der neue Stromanbieter.

Trotz des einfachen Verfahrens ist bisher nur knapp ein Drittel der Privathaushalt vom örtlichen Grundversorger zu einem anderen Lieferanten gewechselt. 41 Prozent haben sich nach Angaben der Bundesnetzagentur für einen günstigeren Tarif des Grundversorgers entschieden. 28 Prozent zahlen immer noch den teuren Grundtarif.

Deutlich teurer wird übrigens auch Erdgas: Innerhalb der letzten sechs Monate haben die Versorger die Preise laut Verivox um rund zehn Prozent erhöht. Zuvor waren sie jahrelang gesunken.