Ein letztes Aufbäumen von Kleinaktionären, den Beschluss über die Verschmelzung auszusetzen, wurde gestern abgeschmettert. Die Integration fand auf der letzten Bewag-Hauptversammlung in Berlin eine Zustimmung von 99,13 Prozent der Stimmen.
Damit ist das Ende der Bewag-Aktie nach mehr als 70 Jahren besiegelt. Das Papier verschwindet vom Kurszettel und wird in Vattenfall-Europe-Aktien umgetauscht. Auf dem Berliner Markt wird die Bewag jedoch weiter unter der bisherigen Marke agieren. Kleinaktionäre kritisierten auf dem Aktionärstreffen die Firmenbewertung und das Tauschverhältnis als zu niedrig.
Dem neuen Verbund Vattenfall Europe AG (Berlin) gehören neben der vor fast 120 Jahren gegründeten Bewag bereits die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) sowie die Vereinigte Energiewerke AG (Veag) und Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) an. Der Zusammenschluss war eines der kompliziertesten Fusionsvorhaben der deutschen Stromwirtschaft.
Die finanzstarke Bewag ist mit zwei Millionen Haushaltskunden wesentlicher Teil des Verbundes, der 2002 mit 17 500 Beschäftigten 7,2 Milliarden Euro umsetzte. Die Bewag gehört über die HEW bereits zu rund 90 Prozent dem schwedischen Staatskonzern Vattenfall, der Rest ist Streubesitz.
Vor der Verschmelzung verbuchte die Bewag noch einen kräftigen Gewinnrückgang. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2002/03 (30. Juni) lag das Vorsteuerergebnis mit 90 Millionen Euro deutlich unter Vorjahresniveau. Als Grund wurden geringere Zuflüsse aus eingespeistem Kraft-Wärme-Strom sowie weitere Rückstellungen für Vorruhestandsregelungen genannt. Das um außerordentliche Faktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verringerte sich von 278 Millionen auf 247 Millionen Euro. (dpa/maf)