Die US-Notenbank rechnet für das kommende Jahr nur noch mit einem realen Wirtschaftswachstum 1,80 und 2,50 Prozent, wie aus dem am Dienstagabend veröffentlichten Protokoll der vergangenen Notenbanksitzung hervorgeht. Die Schätzung vom Juni lag noch bei 2,50 bis 2,75 Prozent. Auch mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA werde gerechnet.
In Washington werde befürchtet, "dass sich sogar diese Voraussage als zu optimistisch erweisen könnte", berichtete gestern die "New York Times". Darüber hinaus bestünden weiterhin Differenzen zwischen Notenbank und Wall Street über weitere Schritte zur Zinssenkung, hieß es.
Der Euro stieg unmittelbar nach der Notenbank-Prognose auf ein Rekordhoch von 1,4819 Dollar. Gestern Vormittag lag die Rekordmarke bereits bei 1,4855 Dollar.
Der US-Ölpreis ist gestern angesichts des weiter schwachen amerikanischen Währung erstmals über die Marke von 99 Dollar gestiegen. Mit 99,20 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Sorte WTI stieg der Preis im asiatischen Handel in Sichtweite der 100 Dollar-Marke.
Im weiteren Handelsverlauf gab der US-Ölpreis etwas nach. Zuletzt kostete US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI), die als Referenzsorte für den weltweiten Ölpreis gilt, 98,84 Dollar und damit 81 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Am Nachmittag wurden in den USA neue Daten über die Lagervorräte an Öl- und Benzin erwartet.

Schwacher Dollar stärkt Nachfrage
Händler begründeten die neuerliche Rekordjagd der Ölpreise vor allem mit dem schwachen Dollar, der die in US-Währung notierten Rohstoffe wie Öl für viele Investoren billiger macht. Dies stärkt die Nachfrage.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellte gestern fest, dass der scharfe Rückgang des Dollar die internationale Koordination der Wirtschaftspolitik erschwere. Der Anstieg der Rohstoffpreise machten es den Zentralbanken zunehmend schwieriger, ihre Leitzinsen festzulegen.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) steig unterdessen nach Berechnungen des Opec-Sekretariats in Wien im Durchschnitt auf 90,04 Dollar. Das waren 1,33 Dollar mehr als zum Wochenbeginn. Der bisher höchste Preis für Opec-Rohöl war am 7. November mit 90,71 Dollar berechnet worden.

Wetter spielt nicht mit
Opec-Analysten machten neben der Dollarschwäche den Wintereinbruch im Norden der USA sowie Befürchtungen, dass der kurzfristige Ausfall einer Anlage im benachbarten Kanada die Versorgung in den USA zum Anbruch des Winters treffen könnte, für den Preissprung verantwortlich.
Während die US-Börsen am Vortag nach einer Berg- und Talfahrt noch mit leichten Gewinnen geschlossen hatten, ging es international gestern nur noch nach unten. Der Dax verlor bis Mittag 1,93 Prozent auf knapp 7483 Punkte. In Tokio schloss der Nikkei-Index für 225 führende Werte erstmals seit 16 Monaten unter der psychologisch wichtigen Marke von 15 000 Punkten. Die Börse in Hongkong verlor gut vier Prozent, der Aktienmarkt in Taiwan mehr als zwei Prozent. (dpa/sm)