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US-Konzern fördert Lausitzer Motor

Für den Cottbuser Diesel-Wankelmotor sieht es offenbar besser aus als je zuvor. Die amerikanische Holding L-3 Communications, zu der weltweit rund 70 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zusammen über acht Milliarden Dollar gehören, wird zumindest einen wesentlichen Teil der Entwicklungsarbeiten fördern. Das sieht ein kürzlich mit der Wankel Super Tec Cottbus GmbH unterzeichneter Vertrag vor. Das Unternehmen präsentiert den Motor heute auf der „Luft- und Raumfahrtkonferenz Ost“ in Cottbus. Von Rolf Bartonek

„Wir haben jetzt keine Sorge mehr, dass der Motor in einigen Jahren nicht im Markt sein könnte“ , sagt Prof. Dr. Dr. Ernst Sigmund. Der Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus ist einer der Initiatoren des Wan- kel-Projekts. Rund vier Millionen Euro sind nach seinen Angaben von vorwiegend süddeutschen Geschäftsleuten bisher eingesetzt worden, um den Wankel-Diesel zu entwickeln.
„Dieser Antrieb ist der ideale Motor für Luftfahrzeuge bis 700 PS unterhalb der Turbine“ , erklärt Sigmund. Und einer der Väter der deutschen Wankelmotoren-Entwicklung, Dankwart Eiermann, einst Technischer Leiter des Wankel-Instituts in Lindau, ergänzt, es handele sich weltweit um den ersten Dieselmotor, der hohe Leistung mit niedrigem Gewicht verbindet und der annähernd die Vibrationsfreiheit einer Turbine besitzt. Eiermann ist heute Geschäftsführer der Cottbuser Wankel Super Tec GmbH.
Fast ein Jahr lang war es still um den Motor. Nach den ursprünglichen Plänen sollte schon Ende 2004 eine Vorserie produziert werden. 2005 sollten Kunden die ersten Anwendungserprobungen vornehmen. So weit ist es aber noch nicht. Es werden weitere Investitionen in die Entwicklung benötigt. Immerhin wurde 2004 ein erstes Aggregat monatelang auf Stuttgarter Prüfständen getestet. Dieser Motor war ein Prototyp ohne integrierte Einspritz-, Wasser- und Ölpumpe.
In den vergangenen Monaten ist er überarbeitet worden. Im Herbst beginnt eine neue Testreihe, diesmal mit kompletten Motoren. Bis zum Jahresende soll rund ein Dutzend Prototypen fertig sein, versichern Eiermann und Dr. Rudolf Klotz. Letzterer war früher der Technische Leiter der Wankel Rotary GmbH in Korb bei Stuttgart und wurde von Sigmund nach Cottbus geholt. Er koordiniert nun von hier aus die Entwicklungsarbeiten.

Wankel-Netzwerk geknüpft
Denn die Cottbuser Super Tec GmbH ist Teil eines Netzwerkes, das eine Interessengruppe zur Weiterentwicklung des Motors für verschiedene Anwendungsbereiche geknüpft hat. Die BTU ist an den Arbeiten mit zwei Lehrstühlen beteiligt. Klotz schwebt vor, in Cottbus so etwas wie ein deutsches Wankelzentrum aufzubauen mit einer dazugehörigen Produktion von Kleinserien sowie von Prototypen für immer neue Anwendungen. Zugleich ist an Lizenz-Vergaben gedacht.
Der Einstieg der vor allem für den militärischen Bereich tätigen L-3-Holding lässt diese Pläne nun sehr realistisch erscheinen. „Die Amerikaner wollen den Motor unbedingt haben und gehen auch in die Finanzierung rein“ , sagt Klotz - ohne Zahlen zu nennen. Das Cottbuser Wankel-Team bemüht sich aber auch um Fördermittel für zivile Anwendungsprojekte. Das könnten zum Beispiel Motoren für Boote, Schneemobile und natürlich für Flugzeuge sein. Besonders wahrscheinlich erscheint die Nutzung des Antriebs zunächst für Stromaggregate.
Diese Anwendung, allerdings unter den speziellen Anforderungen des militärischen Bereichs, dürfte auch für L-3 sehr interessant sein, betont Klotz. Er nennt als weiteres mögliches Einsatzgebiet Drohnen-Antriebe.
Klotz sieht wichtige Vorteile der Wankelmotoren gegenüber Hubkolbenmotoren. Beim Hubkolbenmotor müsse die lineare Auf- und Abbewegung der Kolben über Pleuelstangen, Schwungrad und Kurbelwelle in eine kreisförmige Bewegung umgewandelt werden. Dieser Zwischenschritt falle beim Kreiskolbenmotor weg, wodurch er bei gleicher Leistung viel kompakter und leichter gebaut werden könne. Wankelmotoren seien zudem vibrationsarm.

Klassische Diesel doppelt so schwer
Die Cottbuser Entwicklungsreihe umfasst ein Motoren-Leistungsspektrum von 60 bis 300 PS. Diese Wankel-Diesel würden zwar auf dem Prüfstand geringfügig mehr Kraftstoff verbrauchen als gleich starke Hubkolbenmotoren, sagt Klotz. Im Fahrbetrieb sei dies aber nicht so. Denn die Wankelmotoren seien nur halb so schwer wie herkömmliche Diesel. Das Gesamtsystem Fahrzeug werde dadurch leichter, das spare Kraftstoff beim Beschleunigen und an Steigungen.
Die Cottbuser Wankel Super Tec will nun auf die Suche nach Brandenburger Unternehmen gehen, die sich als Zulieferer an einer künftigen Serienproduktion des Motors beteiligen möchten. Die heutige Luftfahrtkonferenz könnte dabei schon sehr hilfreich sein.

Hintergrund Der Vertragspartner L-3 Communications
L-3 Communications mit Hauptsitz in New York ist 1997 als eine Ausgründung aus zehn ursprünglich zu Lockhead Martin gehörenden Geschäftsbereichen entstanden. Es handelt sich heute um ein weltweites Netzwerk von etwa 70 Unternehmen. L-3 ist ein führender Anbieter von Kommunikationssystemen und -produkten, Luftfahrt-, Raumfahrt- und Schiffstechnik.
Die Holding liefert neben industriellen Mikrowellenkomponenten und Entfernungsmessgeräten auch die gesamte Antriebstechnik für militärische Fahrzeuge. Zu ihren Kunden zählen das US-Verteidigungsministerium, amerikanische Nachrichtendienste, die Hauptlieferanten der Raumfahrtindustrie sowie Kunden aus dem Telekommunikations- und Mobilfunkbereich.