Steffen Franzeck, DrohnenExpertise, Finsterwalde, geboren 1979: „Als Jugendlicher kam ich Mitte der Neunzigerjahre zum Modellsegelflug. Ich experimentierte mit einem Modellflugzeug, und meine Leidenschaft war geboren. Nachdem ich die Schule abgeschlossen hatte, führte mich der Zufall zur Luftwaffe, bei der ich meinen Grundwehrdienst ableistete. Dort sah ich die Modelle endlich in realistischer Größe.

Ich diente vier Jahre, auch im Ausland. Zweimal sah ich Afghanistan – und ich wusste, dass ich nie wieder dorthin zurück will. Ich beschloss, einen bodenständigen Beruf als Maurer und Putzer in der Region zu erlernen. Nachdem ich die Lehre erfolgreich abgeschlossen hatte, reiste ich von Baustelle zu Baustelle. Später absolvierte ich Schulungen für verschiedene Schweißerpässe. Dadurch kenne mich auch im Bereich der Metallbearbeitung aus.

Im Jahr 2010 knüpfte ich wieder an mein Hobby, das Modellfliegen, an. Ich kaufte ein 3,80 Meter großes Modellsegelflugzeug und benutzte es, um die Landschaft aus der Luft zu fotografieren. Dann kamen die ersten Drohnen auf den Markt. Mit dieser technischen Neuerung, so überlegte ich, würden sich die Luftaufnahmen noch besser machen lassen. Viele betrachteten Drohnen noch als Spielzeug, doch mir war klar, dass darin viele Möglichkeiten steckten.

Senftenberg/Finsterwalde

Investition in Drohnen: So teuer wie ein Kleinwagen

Ich kaufte mir zunächst eine recht günstige Drohne als Versuchsobjekt, später eine etwas teurere zum Fotografieren. Schließlich investierte ich den Gegenwert eines Kleinwagens in drei große Modelle, mit denen ich alle Aufgabenfelder abdecken konnte. Gemeinsam mit meiner Frau Sandra gründete ich die Firma DrohnenExpertise in Finsterwalde. Meine Freunde reagierten skeptisch: ‚Das ist eine verrückte Idee!’ Doch ich war zuversichtlich.

Im Winter 2018 erstellte ich meine Webseite und begann, mich zu vernetzen. Ich lernte das Jungunternehmernetzwerk NEOpreneurs kennen. Nun begann das Klinkenputzen. Doch die Kunden kamen nicht. Kaum einer konnte sich vorstellen, wie wir ihm mit unseren Drohnen helfen würden. ‚Wir führen das einfach mal vor’, beschloss ich und bekam beim Treffen der NEOpreneurs die Gelegenheit, eine kleine Drohne durch den Raum fliegen zu lassen.

Drohnen-Firma: Dann rief die Feuerwehr Cottbus an

Viele waren von der Vorführung begeistert. Danach rief mich die Berufsfeuerwehr Cottbus an und fragte, ob ich beim grenzüberschreitenden Programm mit polnischen Feuerwehrkameraden mitmachen wolle. So kam meine große Drohne erstmals in der Öffentlichkeit zum Einsatz.

Das Aufgabenfeld unserer Firma ist vielschichtig: Wir filmen Hochzeiten und verschiedene Events für Privatkunden, aber wir helfen ihnen auch dabei, Schäden an Hausdächern festzustellen, bevor sie einen Dachdecker beauftragen.

Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt jedoch auf dem B2B-Bereich, also in der Arbeit mit Firmen. Dazu gehören Bauunternehmen, Energieversorger oder Industriekletterer. Mit meiner Zusatzqualifikation im Schweißen bin ich in der Lage, Schweißnähte an Freileitungsmasten zu beurteilen. Wenn ich mit der Wärmebild-Kamera über eine Raffinerie fliege, sehe ich, wie die Durchflüsse durch die Rohre funktionieren; bei Solaranlagen erkenne ich Defekte an Modulen.

Drohnen-Experte: Noch müssen wir zeigen, was wir können

Noch sind wir dabei, unser Geschäft auf sichere Beine zu stellen. Wir müssen zeigen, was wir können. Unsere Drohnen sind eine kostengünstige Alternative zum Hubschrauber, den zum Beispiel Energieversorger teuer mieten, um Luftaufnahmen von möglichen Standorten für Solarparks anzufertigen. Wenn ich zu potenziellen Kunden komme, sind sie oft skeptisch: ‚Was will dieser junge Kerl mit seinen Drohnen?’ Ich denke dann: ‚Mensch, schau dir die Technik erst mal an. Danach kannst du urteilen, ob du mein Angebot nutzen willst.’“

Unternehmer*innen im Erzählsalon


Die Veranstaltungsreihe „Unternehmer*innen im Erzählsalon“ brachte von September bis Dezember 2019 insgesamt 64 Existenzgründer im Süden Brandenburgs in zehn Erzählsalons zusammen. Das vom Landkreis Oberspreewald-Lausitz und der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster mbH in Zusammenarbeit mit Rohnstock Biografien aus Berlin initiierte Projekt wurde unterstützt vom regionalen Jungunternehmernetzwerk Neopreneurs. Zu den jungen kamen auch langjährig aktive Unternehmer hinzu.

Die finanziellen Mittel stammten vom Lausitzbeauftragten des Landes Brandenburg. Moderiert und organisiert wurden die Erzählsalons vom Berliner Unternehmen Rohnstock Biografien. Die Lausitzer Rundschau veröffentlicht ausgewählte Geschichten aus den Erzählsalons. Es handelt sich dabei nicht um journalistische Texte. Die aufgezeichneten mündlichen Erzählungen sind zu Texten verdichtet worden. Diese haben die Biografen mit den jeweiligen Erzählern abgestimmt und zur Veröffentlichung freigegeben.