Danny Werner: „Ich bin gelernter Koch. In meiner Lehrzeit arbeitete ich im Berliner Haus der Wirtschaft und bekochte dort Politiker wie Helmut Kohl oder Gerhard Schröder. Doch meine Leidenschaft steckte nicht in dem Beruf. Schon als Kind hatte ich meinen Videorekorder in seine Einzelteile zerlegt, um zu sehen, wie er funktioniert. Bald kamen Freunde zu mir, damit ich ihre kaputten Geräte repariere. Technik war schon immer meins.

So absolvierte ich 2005 eine Umschulung zum IT-Systemelektroniker und arbeitete danach acht Jahre als IT-Fachmann. Ein toller Beruf, ich mochte die Arbeit. Aber sie füllte mich nicht aus. Ich wusste: Ich will etwas Eigenes machen und nicht nur die Anweisungen anderer befolgen.

Senftenberg/Finsterwalde

Gemeinsam mit meiner Freundin – meiner heutigen Frau – entschied ich, mir ein zweites Standbein neben dem Job aufzubauen. Auch mein Arbeitgeber unterstützte mich, indem ich meine Arbeitszeiten flexibel gestalten konnte. 2010 meldete ich mein Gewerbe an und begann IT-Technik zu verkaufen.

Schwerer Anfang in Schipkau: Kunden bezahlten nicht

Doch der Anfang war schwierig. Denn beim Handel mit Hardware lassen sich kaum Gewinne erzielen. Mit den Dumpingpreisen der großen Handelsketten konnte ich nicht konkurrieren. Die Kundenberatung, der Support, kosteten viel Zeit. Zudem gab es Kunden, die ihre Rechnungen nicht bezahlten und denen ich hinterherlaufen musste. Ich war entmutigt.

Finsterwalde

Dann erzählte mir ein Cousin von einem neuartigen Minicomputer, dem Raspberry Pi. Das Gerät besteht lediglich aus einer Platine mit verschiedenen Anschlüssen und kann vielseitig verwendet werden. Ich schaute mir den Raspberry Pi an und entschied, dem kleinen Ding eine Chance zu geben.

Ich bestellte fünfzig Stück beim Hersteller und stellte sie sofort in meinen Online-Shop. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren alle fünfzig Computer verkauft. ‚Das könnte was werden!‘, dachte ich. Ich kaufte mehr, bekam bessere Preise und nahm auch Zubehör auf.

Am Anfang läuft der Online-Shop für Minicomputer nebenher

Da der Verkauf so gut lief, erstellte ich 2013 den Online-Shop Rasppishop.de nur für die kleinen Computer. Ich steckte mein gesamtes Erspartes in die Webpräsenz. Das Geschäft wickelte ich immer noch neben meinem Job ab. Manchmal kam ich um 20 Uhr heim und beantwortete noch für drei oder vier Stunden E-Mails meiner Raspberry-Kunden. Zwei Jahre lief das so.

Dann entschied ich: ‚Jetzt ist Schluss! Ich mache mich selbstständig.‘ Ich wusste, dass es funktionieren würde. Noch heute bin ich froh, dass ich mein Geschäft mit dem sicheren Job im Rücken aufbauen konnte – ohne Bauchschmerzen, was wäre, wenn es schief geht.

Im Oktober 2015 stellte ich meinen ersten festen Mitarbeiter ein. Doch noch immer arbeiteten wir von zu Hause aus. Die Raspberry Pi stapelten sich kistenweise in der Wohnung. Der Keller diente als Lager. Unsere Bücherregale funktionierte ich um und baute darauf eine kleine Versandstrecke auf. Meine Frau half beim Verpacken

2016: Die Wohnung wird zu klein für den Versandhandel

2016 war dieser Zustand nicht mehr zu halten. Ich mietete eine Gewerbefläche in Schipkau an, die wir in Lager und Büro aufteilten. Zwei Jahre später zogen wir an unseren heutigen Standort. Ich beschäftige fünf Mitarbeiter, möchte jedoch auf zehn aufstocken. Genug Arbeit haben wir. Zu unseren Firmenkunden zählen die Daimler AG und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V., aber auch Universitäten und Schulen.

Doch was mich an meiner Arbeit besonders begeistert, ist der enge Kontakt zu den Kunden. Wir sind Teil einer Community von technikbegeisterten Menschen. So fachsimpeln wir oft in unseren Kundengesprächen, ich nehme mir Zeit, mich mit den Kunden zu unterhalten und ihre Fragen zu beantworten.

Der Raspberry Pi ist der meistverkaufte Computer der Welt und ich bin stolz das wir Anteil daran haben.“

Unternehmer*innen im Erzählsalon


Die Veranstaltungsreihe „Unternehmer*innen im Erzählsalon“ brachte von September bis Dezember 2019 insgesamt 64 Existenzgründer im Süden Brandenburgs in zehn Erzählsalons zusammen. Das vom Landkreis Oberspreewald-Lausitz und der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster mbH in Zusammenarbeit mit Rohnstock Biografien aus Berlin initiierte Projekt wurde unterstützt vom regionalen Jungunternehmernetzwerk Neopreneurs. Zu den jungen kamen auch langjährig aktive Unternehmer hinzu.

Die finanziellen Mittel stammten vom Lausitzbeauftragten des Landes Brandenburg. Moderiert und organisiert wurden die Erzählsalons vom Berliner Unternehmen Rohnstock Biografien. Die Lausitzer Rundschau veröffentlicht ausgewählte Geschichten aus den Erzählsalons. Es handelt sich dabei nicht um journalistische Texte. Die aufgezeichneten mündlichen Erzählungen sind zu Texten verdichtet worden. Diese haben die Biografen mit den jeweiligen Erzählern abgestimmt und zur Veröffentlichung freigegeben.