Karla Fornoville: „Als ich mit den beiden jüngsten meiner vier Söhne 2014 in Elternzeit war, traf ich Alexandra Logemann. Die diplomierte Designerin und Artdirectorin benötigte meine Hilfe als Anwältin für Marken- und Vertragsrecht. Sie arbeitete an einer Geschäftsidee, ein eigenes Stoffwindelsystem auf den Markt zu bringen.

Mein Studium hatte ich Anfang der Zweitausenderjahre in Berlin abgeschlossen und war 2007 mit meiner Familie in die Lausitz zurückgekehrt. Mein Mann, ein Softwareentwickler aus Belgien, und ich, eine gebürtige Bautzenerin, entschieden uns nach der Geburt unserer zwei ersten Söhne, das Getümmel der Großstadt zu verlassen und auf dem Land neu zu starten.Entscheidend für uns war, dass es in Tröbitz eine Grundschule und einen Kindergarten gab. Und sogar ein Freibad.

Senftenberg/Finsterwalde

In Tröbitz arbeitete ich zunächst weiter als Einzelanwältin. Alexandra Logemann lernte ich über einen befreundeten Kollegen kennen. Sie stammt ebenfalls aus der Lausitz. Alex wollte umweltfreundliche Windeln herstellen, genauer gesagt Windelhosen aus Stoff mit waschbaren Einlagen und Zubehör zum Waschen und Aufbewahren. Damit bot sie eine Alternative zu Wegwerfwindeln an, denn davon landen in Deutschland jährlich etwa 3,4 Milliarden Stück im Müll.

Start-up aus Tröbitz: Waschbare Windelhosen statt Wegwerfmüll

Meine eigenen Kinder hatte ich noch in die herkömmlichen Einwegwindeln gewickelt, die es überall zu kaufen gibt. Das lag vor allem daran, dass zur Jahrtausendwende Stoffwindeln überhaupt nicht präsent waren. So hätte ich gar nicht gewusst, wo ich moderne Windeln aus Stoff herbekomme. Außerdem fand meine Schwiegermutter Stoffwindeln zu zeitaufwändig und riet mir davon ab. Das nachhaltige Konzept von Alexandra überzeugte mich. Ich wollte sie in jedem Fall unterstützen.

Als Beraterin war ich fast von der Geburtsstunde des Projekts dabei. Ein Jahr nach unserer ersten Begegnung erzählte mir Alex, dass sie eine neue Partnerin für ihre Geschäftsidee suchte. Ich fand die Idee nach wie vor spannend, und so beriet ich mich mit meinem Mann.

Zwei Wochen später rief ich Alexandra an: ‚Weißt du was, ich steige bei dir ein! Du bist Designerin, und ich setze mich gern mit kaufmännischen und geschäftlichen Sachen auseinander. Schauen wir mal, wie weit wir gemeinsam kommen.‘

Als Anwältin und IT-Unternehmerin zum Windel-Start-up

Bereits zuvor hatte ich ein IT-Unternehmen mitgegründet und war Geschäftsführerin. Als Rechtsanwältin bin ich fast seit Beginn freiberuflich tätig. Eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Arbeiten war und ist für mich wichtig. Ich unternehme und ‚mache‘ gern, egal ob beruflich, in der Gemeinde oder in der Freizeit.

So gründeten wir die Foxies Family GmbH und unsere Marke Foxy Baby, unter der wir unsere Produkte vertreiben. Wir entwickelten die Prototypen weiter und wählten dafür die Stoffe aus. Mit der ersten Kleinserie führten wir einen mehrmonatigen Praxistest durch. Wir konnten einige Familien und eine kleine Kita im Landkreis gewinnen, um das Wickelsystem, sowie die Passform und das Handling im realen Leben zu testen. Das war der letzte Schritt zur Serienreife.

Finsterwalde

Eine Textilmanufaktur – ein Familienbetrieb in der sächsischen Lausitz, der auf eine lange Tradition zurückblickt – fertigte den Prototypen in Serie. Bis heute sind wir mit der Manufaktur verbunden und lassen dort unsere Produkte herstellen. Im Juni 2017 starteten wir unser Onlinegeschäft und liefern seither europaweit.

Ich kam als Quereinsteigerin zur Textilwirtschaft. Doch obwohl ich mich mittlerweile recht gut auskenne, werde ich als Neuling immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert. Doch das gefällt mir auch: Man lernt eben sein Leben lang nicht aus.“

Unternehmer*innen im Erzählsalon


Die Veranstaltungsreihe „Unternehmer*innen im Erzählsalon“ brachte von September bis Dezember 2019 insgesamt 64 Existenzgründer im Süden Brandenburgs in zehn Erzählsalons zusammen. Das vom Landkreis Oberspreewald-Lausitz und der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster mbH in Zusammenarbeit mit Rohnstock Biografien aus Berlin initiierte Projekt wurde unterstützt vom regionalen Jungunternehmernetzwerk Neopreneurs. Zu den jungen kamen auch langjährig aktive Unternehmer hinzu.

Die finanziellen Mittel stammten vom Lausitzbeauftragten des Landes Brandenburg. Moderiert und organisiert wurden die Erzählsalons vom Berliner Unternehmen Rohnstock Biografien. Die Lausitzer Rundschau veröffentlicht ausgewählte Geschichten aus den Erzählsalons. Es handelt sich dabei nicht um journalistische Texte. Die aufgezeichneten mündlichen Erzählungen sind zu Texten verdichtet worden. Diese haben die Biografen mit den jeweiligen Erzählern abgestimmt und zur Veröffentlichung freigegeben.