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| 07:40 Uhr

Düsseldorf/Köln
Unitymedia-Verkauf kann Preise treiben

Düsseldorf/Köln. Die Düsseldorfer Vodafone erwirbt den Kölner Wettbewerber Unitymedia für mehr als 15 Milliarden Euro. Experten begrüßen diese Attacke gegen die Telekom, fordern aber auch Auflagen für einen offenen Markt. Reinhard Kowalewsky

Die Düsseldorfer Vodafone erwirbt den Kölner Wettbewerber Unitymedia für mehr als 15 Milliarden Euro. Experten begrüßen diese Attacke gegen die Telekom, fordern aber auch Auflagen für einen offenen Markt.

Über einen Widerspruch sprach Hannes Ametsreiter in den letzten Jahren nur ungern: Immer wieder machte sich der Chef von Vodafone-Deutschland für die Gigabit-Gesellschaft stark und warb für möglichst schnelle Internetanschlüsse für jedermann, doch in NRW, Hessen und Baden-Württemberg war Vodafone im Festnetz nichts weiter als Weiterverkäufer der maximal 100 Megabit/Sekunde schnellen DSL-Anschlüsse der Telekom. "Da passten Anspruch und Realität nicht zusammen", sagt Torsten Gerpott, Branchenexperte der Universität Duisburg-Essen.

Seit gestern ist klar, wie sich Deutschlands zweitgrößter Telefonkonzern aus der Zwangsjacke befreit: Der Mutterkonzern VodafoneGroup erwirbt für 18,4 Milliarden Euro fünf Kabel-TV-Firmen in Europa, mehr als 15 Milliarden Euro davon gehen für Unitymedia aus Köln drauf. Damit würde Vodafone den 6,5 Millionen Festnetzkunden in Deutschland weitere 7,2 Millionen von Unitymedia hinzufügen. Doch weil Millionen ungenutzter Kabel-TV-Anschlüsse zusätzlich vermarket werden sollen, hofft Ametsreiter 2022 mit 25 Millionen Anschlüssen per Kabel, die ein Übertragungstempo von bis zu einem Gigabit bekommen sollen. Ametsreiter: "Das ist gut für den Verbraucher, es ist gut für den Wettbewerb und gut für Deutschland."

Preise Vodafone oder auch der renommierte Düsseldorfer Wettbewerbsexperte Justus Haucap argumentieren dass sich Unitymedia und das eigene Kabelnetz wegen ihrer verschiedenen Verbreitungsgebiete sowieso keine Konkurrenz machen - also könne die Fusion den Wettbewerb nicht schwächen.

Doch dies ist nur die halbe Wahrheit: Bisher griff Vodafone Unitymedia in NRW mit günstigen Tarifen von bei der Telekom eingekauften DSL-Anschlüssen an - dieses Angebot fällt nach der Übernahme weg. Außerdem kündigt Ametsreiter gegenüber unserer Redaktion an, man wolle das Tarifsystem zwischen den Regionen "mittelfristig anpassen." Experte Gerpott meint: "Das könnte teilweise also auch zu höheren Preisen führen, hängt aber vom künftigen herrschenden Wettbewerb ab."

Wohin die Reise gehen könnte, zeigt Bochum: Dort startet Unitymedia aktuell das Angebot von Online-Anschlüssen (mit TV-Abo) mit einem tollen Übertragungstempo von einem Gigabit/Sekunde - genau diese Technik will Ametsreiter mit hohen Investitionen bundesweit einführen. Allerdings sind die Preise gesalzen. Auf Dauer sollen die Kunden im Monat 105 Euro zahlen - gezwungen zu einem solchen Vertrag wird aber keiner.

Kartellkontrolle Sicher wird sich die EU das Geschäft genau anschauen. Dies meint der Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Thomas Jarcombek (CDU), der im Beirat der Bundesnetzagentur sitzt: "Es ist gut, wenn Vodafone ein nationaler Infrastrukturwettbewerber gegen die Telekom wird", sagt er. "Aber wir brauchen im Kabelnetz ebenso wie bei künftigen Glasfasernetzen einen diskriminierungsfreien Zugang für Wettbewerber." Seine Prognose: "Ich rechne damit, dass die EU einen solchen Open-Access zur Voraussetzung für eine Genehmigung macht. Dann erhalten Wettbewerber Zugang zum Netz zu fairen Großhandelspreisen."

Standorte Spannend für NRW wird sein, welche Folgen eine Übernahme der Kölner Unitymedia für ihre rund 2500 Arbeitsplätze hat. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD ist jedenfalls davon begeistert, dass Vodafone mächtiger wird: "Das ist ein historischer Tag für NRW und Düsseldorf. Ich begrüße, wenn Vodafone nun die Netze deutlich schneller ausbauen will."

Gefragt, ob es schon Entscheidungen zu Standorten gibt, sagt Ametsreiter unserer Redaktion nur: "Dafür ist es noch zu früh." Erst Ende 2019 wird die Fusion wohl vollzogen.