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Umtausch nach dem Weihnachtsgeschäft
Süßer die Kassen nicht klingeln

Das Weihnachtsgeschäft geht in die Verlängerung, Gutscheine, Bargeldgeschenke und Umtauschbegehren werden umgesetzt.
Das Weihnachtsgeschäft geht in die Verlängerung, Gutscheine, Bargeldgeschenke und Umtauschbegehren werden umgesetzt. FOTO: Franziska Gabbert / dpa-tmn
Cottbus/Hoyerswerda. Das Weihnachtsgeschäft geht in die Verlängerung, Gutscheine, Bargeldgeschenke und Umtauschbegehren werden umgesetzt. Von Beate Möschl

Das Weihnachtsgeschäft geht in die Verlängerung. Der Lausitzer Einzelhandel ist vorbereitet. Er rechnet mit vollen Häusern, wenn sich am Mittwoch die Ladentüren von Innenstadtgeschäften und den fünf großen Einkaufscentern Südbrandenburgs öffnen.

Was dran ist an dem Mythos von glänzenden Geschäften in der Nachweihnachtszeit, wird sich zeigen, wenn die realen Umsätze abgerechnet sind, oder wie Dieter Henke, Center-Manager im Lausitz Center Hoyerswerda (Landkreis Bautzen) auf RUNDSCHAU-Nachfrage sagt: „Wie es am 27. Dezember läuft, kann ich Ihnen am besten sagen, wenn Sie mich am 28. Dezember anrufen.“

Fakt ist, die Händler in der Lausitz sind auf Besucherströme eingestellt. Sie rechnen damit, dass nach dem Fest Gutscheine und auch Bargeldgeschenke umgerubelt werden. Und wie immer auch in diesem Jahr wieder unliebsame Weihnachtsgeschenke zum Umtausch kommen.  „Zwischen Weihnachten und Neujahr haben viele Menschen frei. Es ist Besuch da, und was macht man dann? Man geht gemütlich ausgiebig shoppen“, schildert Henke aus Erfahrung und fügt an: „Das heißt, zwischen den Jahren haben wir ein sehr großes Umsatzplus zu verbuchen, fast so wie vor Weihnachten.“ Das gehe ungefähr bis zum 29. Dezember so. „Dann denkt jeder an seinen Silvesterkarpfen und das Lebensmittelgeschäft geht los“, sagt Henke und versichert, dass die Mannschaft darauf gut eingespielt ist. Jeder wisse, dass Weihnachten und der Jahreswechsel kommen und wie es läuft. „Bei uns gehen im Dezember jeden Tag 15 000 bis 20 000 Menschen durch das Center, bei einer Einwohnerzahl von 28 000 in Hoyerswerda.“

Nicht alle Geschäfte und Handelssegmente profitieren gleichermaßen gut vom Weihnachtsgeschäft und dessen Verlängerung. „Es gibt immer Einzelhändler, die völlig zufrieden sind und andere, die enttäuscht auf ihre Umsätze schauen. Das sind immer Momentaufnahmen, und jedes Jahr ist eine andere Situation“, sagt Sylke Schulz-Apelt, seit 1995 Center-Managerin des Lausitz Parks in Cottbus und seit 2017 Vorsitzende des Handelsausschusses der Industrie- und Handelskammer Cottbus.

Klassisch mache der Handel aufs Jahr gesehen zu Weihnachten die besten Umsätze, bestätigt die Fachfrau. Dazu trage auch das Nachweihnachtsgeschäft noch einmal kräftig bei. „In vielen Lausitzer Familien sind die Kinder auf Heimatbesuch, und die schauen sich auch gern mal wieder um in der Stadt, gehen bummeln, kehren ein. Das ist ein beliebter  Familienausflug. Davon profitiert auch der Handel“, beobachtet Sylke Schulz-Apelt.

Klassisch sei auch die Wanderungsbewegung der Kunden zu Jahreshöhepunkten wie Weihnachten und Jahreswechsel. „Der alltägliche  Einkauf wird vor Ort erledigt wie immer und gezielte Einkäufe beim Händler vor Ort, der einen kennt, und weiß, was man sucht. Wer sich überraschen lassen möchte oder noch keinen Plan hat, den zieht es dann oft in größere Städte oder in  größere Einzelhandelsstandorte, wo es eine größere Auswahl gibt, und die Familie sozusagen gesammelt einkaufen kann für die Feiertage“, so die Fachfrau. Das wird auch im Nachweihnachtsgeschäft und zu Silvester wieder so sein. Konkrete Zahlen, wie gut die Kassen wirklich klingeln in der Lausitz habe sie leider nicht, sagt sie und fügt an: „Es ist erfahrungsgemäß immer so, dass die Geschäfte wirklich rappelvoll sind. Deshalb ist es schwierig, in dieser Zeit als Verkäuferin Urlaub zu bekommen.“

Wie in Ostsachsen ist auch in Südbrandenburg zu beobachten, dass Gutscheine Konjunktur haben. Das Ifes-Institut der Hochschule für Ökonomie und Management, in Essen hat in einer Umfrage zum Weihnachtseinkaufsverhalten die aktuelle Hitliste der beliebtesten Weihnachtsgeschenke ermittelt. Auf Platz eins steht der Geschenkgutschien, auf Platz acht Bargeld. Das Geld muss unter die Leute. Der Handelsverband Deutschland (HDE) bestätigt, in dem Maße, wie die Beliebtheit des Geschenkgutscheins zunimmt, nimmt das Umtauschgeschäft ab. Der Hoyerswerdaer Center-Manager führt die Beliebtheit darauf zurück, dass sich der Handel viel Mühe gibt mit den Einkaufsgutscheinen, sie zunehmend professionell gestaltet und die Reichweite erweitert hat. So sind vor allem Center-Gutscheine beliebt, die in allen Geschäften des Centers Gültigkeit haben. Oder die in Südbrandenburg bewährten Städte Gutscheine. Nach Luckau, Guben und Forst hat noch rechtzeitig vor Weihnachten die Stadt Cottbus einen Cottbuser-Geschenkgutschein eingeführt. Christine Minkley vom Handelsverband  Berlin-Brandenburg nennt das „einfach Klasse, denn da machen ganz viele Einzelhändler mit und das macht den Gutschein richtig attraktiv.“

Und auch die Vorsitzende vom Handelsausschuss der IHK Cottbus hofft, dass so schon wie im Vorweihnachtsgeschäft auch in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten der Cottbus-Gutschein gut verkauft wird. „In kürzester Zeit haben circa 100 Händler ihre Bereitschaft zur Mitwirkung gezeigt – damit kann der Beschenkte beim Einlösen seinen Lokalstolz an einer Vielzahl von Einlösestellen ausdrücken. Gleich drei Seiten profitieren von der lokalen Idee: der Käufer, der Beschenkte und natürlich auch der Händler“, freut sich auch die Vorsitzende des Handelsausschusses der IHK Cottbus, Sylke Schulz-Apelt.